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Weitere Fabeln

: Weitere Fabeln - Kapitel 23
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Die Eule und ihre Jungen

Es war einmal ein Jäger, der in den Wald ging. Unterwegs begegnete ihm die alte Eule und sprach: »Du gehst wohl in den Wald, um zu jagen? Welche Tiere willst du erlegen?« – Worauf der Jäger entgegnete: »Ich möchte gerne Vögel schießen, die schönsten und fettesten!« Aber da fing die Eule laut zu schreien und zu weinen an und rief: »Die schönsten, fettesten Vögel? Das sind ja meine Jungen! Bitte, versprich mir, nur häßliche, magere Vögel zu schießen, damit meine geliebten Kinder unversehrt bleiben! Versprich es mir!« Da versprach es der Jäger, der weichherzige, und fragte: »Wie sehen denn aber deine Kinder aus? Haben sie ein schönes Gefieder und einen hübschen, runden Leib?« »Jawohl!« versetzte die Eule. »Du brauchst dich gar nicht viel zu erkundigen, die schönsten Vögel, die du zu sehen bekommst, sind meine Kinder. Häßliche kannst du ruhig schießen!« Da begab sich der Jäger wohlgemut in den Wald und schoß eine Menge häßlicher Vögel.

Auf dem Rückwege kam ihm die alte Eule wieder entgegen. Er zeigte ihr die toten Vögel. Aber da fing die Eule an, furchtbar zu schreien und zu weinen, und rief in einem fort: »Du hast mir meine Kinder getötet, meine schönen, runden Kinder. Du hast mir die Freude meines Lebens genommen, das Licht meiner Augen! Meine Kinder, meine Jungen! Und doch gabst du mir das Versprechen, nur magere, häßliche Vögel zu schießen! Statt dessen hast du nun die prächtigsten unter den Vögeln getötet! Du böser, schlechter Mensch!«

Der Jäger versetzte: »Ich suchte mir die abscheulichsten unter den Vögeln heraus, und wenn das deine Kinder sind, so tut es mir leid, daß dein Geschmack nicht mein Geschmack ist!« Und damit ging er nach Hause. Die Vögel aber, die toten, behielt die Eule bei sich, weil es wirklich ihre Jungen waren.

 


 

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