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Was unrecht ist an der Welt

Gilbert Keith Chesterton: Was unrecht ist an der Welt - Kapitel 49
Quellenangabe
typetractate
authorGilbert Keith Chesterton
titleWas unrecht ist an der Welt
publisherMusarion Verlag
year1924
translatorClarisse Meitner
correctorreuters@abc.de
senderoldtommy@gmx.at
created20150410
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Drei Anmerkung

 

Erste Anmerkung
Über das Frauenwahlrecht

Da ich diesen langen Essay nicht mit zu vielen Parenthesen überladen will, die abseits von seiner These des Fortschritts und des Vorhergegangenen liegen, füge ich hier drei Anmerkungen über Detailfragen bei, die vielleicht mißverstanden werden könnten.

Die erste bezieht sich auf die Streitfrage der Frauen. Es mag vielen Leuten scheinen, daß ich zu rasch über die Frage hinweggehe, ob alle Frauen das Stimmrecht haben sollten, auch wenn die meisten Frauen es nicht wünschen. Es wird in diesem Zusammenhang immer wiederholt, daß die Männer das Stimmrecht erhalten haben (die agrarischen Arbeiter zum Beispiel), als nur eine Minorität unter ihnen dafür war. Herr Galsworthy, einer der wenigen vornehm streitenden Geister unserer Zeit, redet diese Sprache in der »Nation«. Ganz allgemein nun kann ich, wie überall in diesem Buche, nur erwidern, daß die Geschichte keine Tobogganrutschbahn sei, sondern eine Straße, auf der man immer wieder überlegen und manchmal sogar wieder zurückgehen muß. Wenn wir tatsächlich das allgemeine Wahlrecht Arbeitern, die es bestimmt nicht wollten, aufgezwungen haben, dann haben wir etwas gründlich undemokratisches getan; wenn wir Demokraten sind, dann müßten wir es ungeschehen machen. Wir wollen den Willen des Volkes, nicht seine Stimmen. Und einem Mann das Stimmrecht gegen seinen Willen geben, heißt, das Wahlrecht wertvoller machen als die Demokratie, die es verkündet.

Aber diese Analogie ist falsch aus einem einfachen und besonderen Grunde. Viele Frauen, die kein Wahlrecht haben, halten es für etwas Unweibliches. Niemand behauptet, daß die meisten Männer, die kein Wahlrecht hatten, es für etwas Unmännliches hielten. Niemand behauptet, daß irgendein Mann, der kein Wahlrecht hatte, es für etwas Unmännliches hielt. Nicht im stillsten Dorfe oder im ruhigsten Moor hättet ihr einen Michel oder einen Landstreicher finden können, der geglaubt hätte, er verliere seine sexuelle Würde, wenn er einem politischen Mob angehöre. Wenn er sich um's Wahlrecht nicht kümmerte, so geschah es einzig darum, weil er nichts davon wußte; er verstand das Wort nicht besser, als Bimetallismus. Seine Opposition, wenn sie bestanden hat, war rein negativ. Seine Indifferenz gegen das Wahlrecht war tatsächlich Indifferenz.

Aber das weibliche Gefühl gegen das Wahlrecht, in welcher Form immer, ist positiv. Es ist nicht negativ, es ist auf keinen Fall indifferent. Jene Frauen, die dieser Änderung abgeneigt sind, halten sie (mit Recht oder Unrecht) für unweiblich. Das heißt, für etwas, das gewisse bejahende Traditionen, denen sie angehören, beleidigt. Man kann der Meinung sein, daß eine solche Ansicht vorurteilsvoll sei; aber ich bestreite heftig, daß irgendein Demokrat das Recht habe, solche Vorurteile über den Haufen zu werfen, wenn sie populär und positiv sind. Ebensowenig, wie er das Recht hätte, Millionen von Moslems zu zwingen, im Zeichen des Kreuzes zu stimmen, wenn sie ein Vorurteil dafür hätten, im Zeichen des Halbmondes zu stimmen. Wenn dies nicht zugegeben wird, ist die Demokratie eine Farce, die wir schwerlich aufrecht zu erhalten brauchen. Wenn es zugegeben wird, müssen die Frauenstimmrechtler nicht nur eine indifferente Majorität aufrütteln, sondern eine feindliche bekehren.

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