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Was unrecht ist an der Welt

Gilbert Keith Chesterton: Was unrecht ist an der Welt - Kapitel 47
Quellenangabe
typetractate
authorGilbert Keith Chesterton
titleWas unrecht ist an der Welt
publisherMusarion Verlag
year1924
translatorClarisse Meitner
correctorreuters@abc.de
senderoldtommy@gmx.at
created20150410
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Das vierte Kapitel
Ein Zweifel

UND jetzt, da dieses Buch zu Ende geht, will ich dem Leser einen schrecklichen Verdacht ins Ohr flüstern, der mich zeitweilig verfolgt hat: den Verdacht, daß Hudge und Gudge insgeheim im Bunde seien, daß der Streit, den sie öffentlich aufrecht halten, am Ende nur Spiegelfechterei sei, und daß die Art, wie sie sich fortwährend in die Hände spielen, nicht immer wieder nur ein Zufall sei. Gudge, der Plutokrat, braucht einen anarchischen Industriealismus; Hudge, der Idealist, versorgt ihn mit lyrischen Lobliedern der Anarchie. Gudge braucht weibliche Arbeitskräfte, weil sie billiger sind; Hudge nennt Frauenarbeit: »Das Recht, ein eigenes Leben zu leben«. Gudge braucht zuverlässige und folgsame Arbeiter; Hudge predigt Abstinenz – den Arbeitern, nicht Herrn Gudge. Gudge braucht eine zahme und schüchterne Bevölkerung, die niemals gegen die Tyrannei die Waffen ergreift; Hudge beweist nach Tolstoi, daß niemand gegen irgend etwas die Waffen ergreifen darf. Gudge ist natürlich ein gesunder, gut gewaschener Herr; Hudge predigt ernstlich die Vorzüglichkeit von Gudges Wäscherei Leuten, die sie selbst nicht üben können. Vor allem aber regiert Gudge nach einem rohen und grausamen System des Schindens und Entlassens und bisexueller Plackerei, was mit der freien Familie vollkommen unvereinbar ist und was dazu führen muß, sie zu zerstören; daher lehrt uns Hudge mit zum Himmel gestreckten Armen und prophetischem Lächeln, daß die Familie etwas sei, dem wir bald glorreich entwachsen sein werden.

Ich weiß nicht, ob die Gemeinschaft von Hudge und Gudge bewußt oder unbewußt ist. Ich weiß nur, daß sie gemeinsam den gewöhnlichen Mann noch immer heimlos sein lassen. Ich weiß nur, daß ich dem Jones noch immer begegne, wie er im grauen Zwielicht durch die Straßen geht, traurig nach den Stangen, Gittern und niedrigen roten Laternen sieht, die noch immer das Haus bewachen, das darum nicht weniger das seine ist, weil er niemals darinnen war.

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