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Was unrecht ist an der Welt

Gilbert Keith Chesterton: Was unrecht ist an der Welt - Kapitel 28
Quellenangabe
typetractate
authorGilbert Keith Chesterton
titleWas unrecht ist an der Welt
publisherMusarion Verlag
year1924
translatorClarisse Meitner
correctorreuters@abc.de
senderoldtommy@gmx.at
created20150410
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Das elfte Kapitel
Die Königin und die Suffragetten

ABER wahrhaftig, ich muß mich mit dieser erzieherischen Frage notwendigerweise später auseinandersetzen. Der vierte Abschnitt dieser Erörterung soll eigentlich vom Kinde handeln, aber ich glaube, er wird hauptsächlich von der Mutter handeln. An dieser Stelle habe ich systematisch jenen großen Teil des Lebens hervorgehoben, der beherrscht wird, nicht vom Manne durch sein Stimmrecht, sondern von der Frau durch ihre Stimme, oder noch häufiger durch ihr schreckliches Schweigen. Nur etwas muß ich noch hinzu fügen. Es ist in weitschweifiger und erläuternder Weise dargestellt worden, daß jede Regierung letzten Endes ein Zwang ist, daß Zwang der Inbegriff kalter Beschränkungen und grausamer Konsequenzen ist, und daß daher manches für die alte Gewohnheit spricht, eine Hälfte der Menschheit von einem so abstoßenden und schmutzigen Geschäfte fernzuhalten. Aber dieser Fall ist noch schwerwiegender.

Das W ist nicht nur ein Zwang, sondern ein Kollektivzwang. Ich glaube, die Königin Viktoria wäre noch populärer und anerkennenswerter gewesen, wenn sie niemals ein Todesurteil unterschrieben hätte. Ich glaube, Königin Elisabeth würde in der Geschichte als eine gefestigtere und herrlichere Gestalt erscheinen, wenn sie sich (unter denen, die ihre Geschichte zufällig kennen) nicht den Beinamen »Bloody Beß« erworben hätte. Kurz, ich glaube, die große Frau der Geschichte wirkt, wenn sie sich selbst treu bleiben will, mehr durch Überredung als durch Zwang. Aber ich fühle die ganze Menschheit hinter mir, wenn ich sage: besitzt eine Frau einmal diese Macht, dann soll es eine despotische Macht sein – keine demokratische. Es gibt, viel stärkere historische Argumente dafür, der Miß Pankhurst einen Thron zu geben, als ihr das Stimmrecht zu geben Sie mag eine Krone oder zumindest ein Adelskrönlein haben, wie so viele ihrer Anhängerinnen denn jene alten Mächte sind rein persönlicher An und daher weiblich. Miß Pankhurst als Despotin mag so tugendhaft sein wie die Königin Viktoria, und es würde ihr sicherlich schwer fallen, so böse zu sein wie die Königin Beß; aber das Wesentliche ist, daß sie, gut oder schlecht, unverantwortlich wäre – sie wäre nicht von einem Gesetz regiert. Es gibt nur zwei Arten des Regierens: durch ein Gesetz oder durch einen Gesetzgeber. Und es ist durchaus richtig, von einer Frau – sowohl in der Erziehung wie in der Häuslichkeit – zu sagen, daß die Freiheit der Autokratin ihr notwendig zu sein scheine. Sie ist niemals verantwortlich, so lange sie nicht unverantwortlich ist. Und sollte dies wie ein müßiger Widerspruch klingen, dann berufe ich mich vertrauensvoll auf die kalten Tatsachen der Geschichte. Beinahe jeder despotische oder oligarchische Staat hat den Frauen seine Privilegien verliehen. Kaum ein demokratischer Staat hat den Frauen seine Rechte zugesprochen. Der Grund ist ganz einfach, daß Weiblichkeit durch Gewalttätigkeit gefährdet werde, aber noch mehr gefährdet wird durch die Gewalttätigkeit einer Menge. Kurz, eine Pankhurst ist eine Ausnahme, aber tausend Pankhursts sind ein Alpdruck, eine bacchantische Orgie, ein Hexen Sabbat. Denn in allen Legenden hielten die Menschen die Frauen in Einzelerscheinungen für erhaben, aber für schrecklich in einer Horde.

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