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Was unrecht ist an der Welt

Gilbert Keith Chesterton: Was unrecht ist an der Welt - Kapitel 2
Quellenangabe
typetractate
authorGilbert Keith Chesterton
titleWas unrecht ist an der Welt
publisherMusarion Verlag
year1924
translatorClarisse Meitner
correctorreuters@abc.de
senderoldtommy@gmx.at
created20150410
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WIDMUNG AN C. F. G. MASTERMANN, Abg.

Mein lieber Charles,

Ich nannte dieses Buch ursprünglich: »Was unrecht ist«, und es hätte Ihr sardonisches Naturell befriedigt, die vielen gesellschaftlichen Mißverständnisse zu beobachten, die aus der Anwendung dieses Titels entstanden sind. Gar manche sanfte Dame, die auf Besuch kam, machte große Augen, wenn ich gelegentlich bemerkte: »Ich tat den ganzen Vormittag nichts anderes als ›Was unrecht ist‹.« Und ein Geistlicher zuckte heftig in seinem Stuhle zusammen, als ich sagte (wie er es verstand), daß ich schnell einmal hinauf laufen müsse, etwas Unrechtes tun, aber gleich wieder unten sein wolle. Welchen verborgenen Lasters sie mich insgeheim beschuldigten, kann ich nicht genau sagen, aber ich weiß, wessen ich selbst mich anklage; nämlich: ein recht gestaltloses und unzulängliches Buch geschrieben zu haben, eines, das ganz unwürdig ist, Ihnen gewidmet zu werden. Vom literarischen Standpunkt ist dieses Buch zweifellos »Was unrecht ist«.

Es mag als raffinierte Anmaßung erscheinen, daß ich ein so ungefüges Werk einem Manne darbiete, der zwei oder drei der wahrhaft eindrucksvollsten Visionen des millionenfältigen englischen Lebens festgehalten hat. Sie sind der einzige Mensch auf dieser Welt, der die Landkarte Englands mit wimmelndem Leben erfüllen kann; ein höchst kribbelndes und beneidenswertes Vollbringen. Wozu also sollte ich Sie mit einem Buche belästigen, das, selbst wenn es seinen Zweck erreichte (was schrecklich unwahrscheinlich ist), nur ein polternder Theorien-Galopp sein könnte.

Nun ich tue es zum Teil, weil ich glaube, daß ihr Politiker, ein paar unbequemer Ideale wegen, um nichts schlechter dran seid; aber mehr noch darum, weil Sie die vielen Diskussionen, die wir miteinander hatten, wiedererkennen werden, jene Diskussionen, die die allerwunderbarste Frau der Welt niemals sehr lange ertragen könnte. Und vielleicht werden Sie mit mir darin einig sein, daß die Fäden der Konversation und Kameradschaft gehütet werden müssen, weil sie so unbedeutend sind. Sie müssen heilig gehalten werden, sie dürfen nicht abgerissen werden, weil sie nicht wert sind, neu angeknüpft zu werden. Gerade weil die Diskussionen müßig sind, müssen die Menschen (ich meine die Männer) sie ernst nehmen; denn (so fühlen wir) wann, vor dem jüngsten Tage, werden wir wieder einen so köstlichen Streit haben? Aber vor allem biete ich Ihnen dieses Buch darum an, weil es hienieden nicht nur Kameradschaft gibt, sondern noch etwas ganz anderes – Freundschaft; ein Einigsein über alle Argumente hinweg und ein Band, das, so Gott will, niemals reißen wird.

Ihr ergebener G. K. Chesterton

 

 

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