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Was ist Spiritismus?

Arthur Conan Doyle: Was ist Spiritismus? - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
authorArthur Conan Doyle
titleWas ist Spiritismus?
publisherBohmeier Verlag
addressLeipzig
yearo. J.
firstpub1921
translatorCurt Abel-Musgrave
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20110629
projectiddc297ca3
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Anhang – Die nächste Phase unseres Lebens

Ich habe bereits davon gesprochen, daß die Berichte über die nächste Phase unseres Lebens in wesentlichen Punkten in erstaunlichem Maße übereinstimmen, trotzdem sie aus verschiedensten, voneinander unabhängigen Quellen stammen. Gelegentlich erstreckt sich diese Übereinstimmung bis in die kleinsten Einzelheiten. Unterschiedliche Schilderungen kommen von den wenigen, die nicht nur die eine nächste Phase der Entwickelung, sondern mehrere schauen und beschreiben können. Konsequent übereinstimmend lauten jedoch die Berichte über jene glücklichen Sphären, die zu erreichen auch der durchschnittliche Sterbliche hoffen darf. Kürzlich habe ich von neuem drei voneinander unabhängige Schilderungen gelesen, die das bereits Mitgeteilte wiederum bestätigen. Die eine befindet sich in dem Buche: »I heard a Voice« (»Ich hörte eine Stimme«), verfaßt von »A King's Counsel« Verlag von Kegan Paul, London. Ich empfehle dieses Büchlein den Suchern nach der Wahrheit. Obgleich es mit römisch-katholischem Vorurteile geschrieben ist, beweist es, daß die Richtlinien unserer Anschauung die gleichen sind. Ein zweites Büchlein betitelt sich: »The Light on the future« (»Das Licht auf die Zukunft«) und schildert mit interessanten Einzelheiten das Ergebnis der Forschungen ernster Sucher in Dublin. Und der dritte, meiner Ansicht nach sehr lehrreiche Beitrag kam in einem Briefe von Herrn Hubert Wales, der als vorsichtiger und skeptischer Forscher voll Misstrauen gegen seine eigenen, durch automatische Schrift erzielten Ergebnisse dieselben beiseite gelegt hatte. Nachdem ihm jedoch meine Schilderungen des Jenseits zu Gesicht gekommen, suchte er seine alte Niederschrift hervor, die ihm zuerst einen so wenig überzeugenden Eindruck gemacht hatte. Herr Wales schreibt mir: »Bei dem Lesen Ihres Artikels war ich betroffen, ja, beinahe erschrocken, denn die Schilderungen, die mir selbst über angebliche Zustände nach dem Tode gemacht worden waren, stimmten, wohl bis in die kleinsten Einzelheiten, mit denen überein, die Sie als Ergebnis eines aus vielen Quellen zusammengetragenen Materials veröffentlicht haben. Ich kann mir nicht denken, daß ich früher irgendetwas Ähnliches gelesen habe, durch welches sich diese Übereinstimmung erklären ließe. Sicherlich hatte ich niemals vorher etwas zu Gesicht bekommen, was Sie über den Gegenstand etwa veröffentlicht haben. Absichtlich habe ich Bücher wie »Raymond« gemieden, um nicht die Resultate meiner eigenen Forschung zu beeinträchtigen. Die Berichte der »Society of Psychical Research« (»Gesellschaft zur Erforschung psychischer Erscheinungen«), welche ich kannte, vermeiden absichtlich, wie Sie wissen, sich mit Verhältnissen nach dem Tode zu beschäftigen. Tatsächlich beweisen meine sofort niedergeschriebenen Aufzeichnungen, daß die mir zugekommenen Botschaften das Folgende besagen: Die Verstorbenen leben fort und besitzen einen Körper, der zwar unseren irdischen Sinnen nicht wahrnehmbar ist, aber für die Verklärten ebenso tatsächlich besteht, wie für uns Menschen der eigene, materielle Körper. Dieser Körper der Verklärten zeigt im Wesentlichen die charakteristischen Eigentümlichkeiten seiner früheren irdischen Gestalt, wenn auch in verschönter Form. Sie kennen kein Alter, keinen Schmerz, kennen nicht Reichtum und nicht Armut, kennen keinen Schlaf, wenn sie auch davon sprechen, daß sie gelegentlich in einen Zustand des Halbbewußtseins verfallen, der wohl ungefähr einem hypnotischen Zustand entspricht. Nach gewissem Zeitraum – – gewöhnlich kürzer als das durchschnittliche Leben eines Menschen – – gehen sie in ein höheres Stadium der Entwickelung über. Wesen mit gleichartigen Richtungen der Gedanken, des Geschmacks und des Gefühls neigen zu Gemeinschaft. Nicht notwendigerweise vereinigen sich die Verheirateten wieder, aber Liebe zwischen Mann und Weib besteht fort, wenn sie auch frei ist von den Einflüssen, die auf Erden ihrer wahrhaften Vollendung so oft im Wege stehen. Unmittelbar nach dem Tode verfällt der Verstorbene in einen Ruhezustand des Halbbewußtseins, dessen Zeitdauer bei den einzelnen verschieden ist. Sie sind unfähig, körperlichen Schmerz zu empfinden. Die Richtung des religiösen Glaubensbekenntnisses übt keinerlei Einfluss auf den Zustand des Verstorbenen. Ihr Dasein ist im Wesentlichen von innerem Glück verklärt. Wer sich dort erst einmal zurechtgefunden, könnte niemals den Wunsch haben, auf Erden zurückzukehren. Zwar ist mir niemals von »Arbeit« unter Nennung dieses Wortes gesprochen worden, jedoch vielfach von den mannigfachen Interessen der Verklärten. Das ist wohl nur eine andere Ausdrucksweise für einen ähnlichen Begriff. Wir Menschen sind gewöhnt, dem Worte »Arbeit« den Begriff des Kampfes um das Leben beizulegen, aber, wie mir ausdrücklich beteuert wurde, liegt eine solche Notwendigkeit im Jenseits nicht vor. Eine geheimnisvolle Kraft erfüllt dort alle zum Dasein erforderlichen Bedingungen. Auch erhielt ich niemals Andeutungen über einen zeitlichen Zustand der Strafe, wohl aber erfuhr ich, daß Verstorbene ihr Dasein in jenem Stadium intellektueller und moralischer Entwickelung fortsetzen, aus dem sie durch den Tod auf Erden herausgerissen wurden. Da der Grad ihres Glückes im Wesentlichen von harmonischem und sympathischem Empfinden abhängt, so sind die neuen im niederen Zustand moralischer Entwickelung befindlichen Ankömmlinge zunächst unfähig, die neuen Bedingungen ihres Daseins zu würdigen und sich ihrer zu erfreuen.«

Soweit der Brief des Herrn Hubert Wales.

Ich möchte noch ein anderes kleines Buch erwähnen: »Do thoughts perish?« (»Sterben die Gedanken?«), welches mir erst kürzlich zu Gesicht gekommen ist. Zwar nennt der Verfasser sich nicht, jedoch geht klar hervor, daß das Buch von einer Dame geschrieben worden ist, die Charakter und hervorragende Erfahrung besitzt. Aus dem Datum ihrer Mitteilungen geht hervor, daß dieselben zu gleicher Zeit (aber gänzlich unabhängig) wie das Buch »Raymond« entstanden sind. Die Schilderung des Zustandes und der Eindrücke der jungen, dem irdischen Leben soeben entrissenen Soldaten sind im Wesentlichen identisch mit denen im »Raymond«. Wie will der feindliche Kritiker diese völlig unabhängig zustande gekommene Übereinstimmung deuten?

Das automatische Schreiben stellt eine Art mediumistischer Begabung dar, welche die höchsten Resultate erzielt, aber es liegt in ihrer Natur, daß sie der Selbsttäuschung Tür und Tor öffnet. Bedienen wir uns unserer Hand aus eigener Kraft, oder leitet uns eine äußere Gewalt? Nur das Wesen der empfangenen Botschaft selbst kann die Entscheidung geben, und auch dann müssen wir die in unserem Unterbewußtsein schlummernden Einflüsse und Kenntnisse in Betracht ziehen. Es scheint mir der Mühe wert, einen Fall anzuführen, der meiner Ansicht nach jeder Kritik standhält, damit der Sucher sich davon überzeuge, wie stark die Beweise dafür sprechen, daß derlei Botschaften auf Veranlassung äußerer, vom Empfänger unabhängiger Einflüsse sich einstellen. Ich verweise auf den von Arthur Hill in seinem kürzlich erschienenen Buche »Man is a spirit« (Mensch ist Geist), Verlag von Cassell & Co., London, beschriebenen Fall des Captain James Burton. Wie ich höre, ist Herr Burton dasselbe Amateur-Medium, auf dessen Angaben hin kürzlich die verschütteten Ruinen zu Glastonbury aufgefunden wurden.

Captain James Burton erklärt:

»Als ich eine Woche nach dem Begräbnisse meines Vaters einen geschäftlichen Brief schreiben wollte, schien sich ein Etwas zwischen der Tätigkeit meiner Hand und den motorischen Nerven meines Hirns einzuschalten, und die Hand begann, mit erstaunlicher Schnelligkeit einen Brief zu schreiben, der angeblich von meinem Vater kam und mit seinem Namen unterzeichnet war. Ich war bestürzt. Die rechte Seite meines Körpers wurde kalt und gefühllos. Während eines ganzen Jahres nach diesem Ereignis stellten sich derlei Briefe häufig ein, und zwar bei ganz unerwarteten Gelegenheiten. Ich wußte nicht eher, was sie enthielten, als bis ich sie mit einem Vergrößerungsglase untersucht hatte, denn die Schriftzüge waren ganz klein. Die Briefe erhielten sehr viele Mitteilungen, von denen ich unmöglich vorher hätte wissen können ...

»Meine Mutter befand sich in einer Entfernung von sechzig englischen Meilen und verlor ihren Lieblingshund, ohne daß ich im Geringsten von dem Vorfall eine Ahnung hatte. Am Abend desselben Tages stellte sich ein Brief von meinem Vater ein, der seine Sympathie mit der Mutter ausdrückte ...

»... Später teilte er mir ein von meinen Eltern heilig gehaltenes Geheimnis mit, das niemandem als ihnen beiden bekannt war und einen Vorfall betraf, der sich mehrere Jahre vor meiner Geburt zugetragen hatte. Der Vater sagte mir in seinem Briefe: ›Erzähle dies Deiner Mutter, und dann wird sie wissen, daß in der Tat ich es bin, Dein Vater, der mit Deiner Hand schreibt.‹

»Bis dahin konnte meine Mutter sich nicht dazu entschließen, an die Herkunft dieser Briefe zu glauben. Als ich ihr aber den Auftrag meines Vaters ausrichtete, brach sie ohnmächtig zusammen. Von nun an wurden diese Briefe ihr größter Trost, denn während ihrer vierzigjährigen Ehe waren sie wahrhafte Herzensvertraute gewesen, so daß der Tod des Vaters fast das Herz der Mutter brach.

»Ich bin davon überzeugt, daß die ursprüngliche Persönlichkeit meines verstorbenen Vaters heute noch existiert, geradeso als ob er sich in seinem Zimmer befände, bei geschlossener Tür. Er ist ebenso wenig tot, als befände er sich in entfernten Landen.

»Ich habe die Redewendungen und den Wortschatz dieser Briefe mit meinen eigenen Schriften verglichen (ich bin kein unbekannter Mitarbeiter an Zeitschriften), und ich finde zwischen ihnen keine Ähnlichkeit.«

 

– – Soweit die Aussagen des Herrn Arthur Hill. Im Übrigen verweise ich auf das angeführte Buch, welches weiteres, umfangreiches Beweismaterial enthält.

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