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Wanderungen durch Thüringen

Ludwig Bechstein: Wanderungen durch Thüringen - Kapitel 1
Quellenangabe
typereport
authorLudwig Bechstein
titleWanderungen durch Thüringen
publisherOlms Presse
year1978
isbn3487081598
firstpub1838
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20070806
modified20160926
projectid063f1d97
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Motto.

Thüringen ist und bleibt nach den Rheingegenden mir der liebste Strich in Deutschland. Es ist so etwas Heimisches, Befreundetes in dem Boden; wie ein alter herzlicher Jugendfreund heisst er den Wandrer willkommen. Wenn man durch die freudenleere leipziger Fläche sich müde und matt hindurchgearbeitet hat, dann empfängt den Pilger das freundliche Land mit seinen tausendfach wechselnden Reizen. Die Natur entfaltet sich mit jedem Schritte immer reicher, kühner, üppiger. Ich sagte Dir schon, die Bäume bekämen ein ganz andres Grün, so wie man Thüringens Boden betritt. Herrliche Berge krönen das Land mit unverwüstlichen Wäldern; romantische Gründe laden zu fröhlichem Lebensgenuss; kühne gigantische Felsen predigen mit ewiger Begeisterung die Allmacht der Natur und enthüllen auf kolossalen Blättern die urälteste Geschichte der Erde und das tiefe Wunder ihrer ewigen Metamorphose. Einfältig, treu und bieder, wie seine Natur, ist das Volk; in den Thälern des herrlichen thüringer Waldes wohnt noch der alte deutsche Kerngeist, Gastlichkeit, unverdorbener Sinn, heilige Treue. Wenn draussen auf dem platten Lande der Bauer nahe an der Dumpfheit des Thieres lebt, so tönet hier fast in jeder Hütte Musik. Noch wandeln hier im heiligen Schatten majestätischer Wälder die Geister der alten deutschen Romanze; noch wohnen die süssen einfältigen Weisen aus guter alter Väterzeit lebendig auf den Lippen des Volks, und in den Gesellschaften der Bauern wird noch manch kindlich herzlich Lied gehört, das eines weitern Kreises würdig wäre. Noch herrscht hier das wunderbare Reich der Geister und äussert seinen geheimen Einfluss auf die Gemüther der Menschen. Wo Berge sind, ist Gott; auf dem platten Lande hauset der Teufel.

Ueber dem ganzen Lande schwebt der Geist der Vorzeit annoch mit hörbarem Flügelschlag und mit prophetischen Stimmen; das Werk der Gewaltigen ist nicht dahin, in himmelanstrebende Bäume und Felsen ist es aufgegangen, aus den schauervollen Ruinen redet noch Heldenkraft und Ritterliebe in vernehmlichen Tönen. Manche Quadratmeile thüringer Boden ist mehr werth, ist denkwürdiger, als die ganze Mark Brandenburg sammt Pommerland. –

Friedrich Gottlob Wetzel.

 

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