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Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Zweiter Teil: Das Oderland

Theodor Fontane: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Zweiter Teil: Das Oderland - Kapitel 24
Quellenangabe
typereport
booktitleWanderungen durch die Mark Brandenburg
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5291-X
titleWanderungen durch die Mark Brandenburg. Zweiter Teil: Das Oderland
created19990616
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1880
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Das Pfulen-Land

Ich lese gern von mancher tüchtigen Kraft,
Die kühn gefolgt der Größten ew'gem Schimmer.
H. von Blomberg

Wie um Neustadt-Eberswalde herum ein »Sparren-Land«, so gab es um Buckow herum, an der Grenze von Barnim und Lebus, ein Pfulen-Land.

Die Pfuels kamen so früh in die Mark, daß sie schon im Jahre 1603 in einer Leichenpredigt, die beim Hinscheiden eines der Ihrigen gehalten wurde, nicht nur ein »fürtreffliches«, sondern auch ein » uraltes Geschlecht« genannt werden konnten, ein Geschlecht, aus welchem »equestris et literati ordinis viri«, »tapfere Kriegsschilde und wohlgelahrte, verständige und versuchte Männer«, hervorgegangen seien.

Sie gehörten zu den »Schloßgesessenen«, insoweit sie die festen Schlösser Quilitz, Ranft und Leuenberg innehatten, und ihr Ansehen war bedeutend genug, um noch am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, also fast hundert Jahre später als die Quitzows, wegen einer rückgängig gemachten Verlobung eine zehnjährige Fehde mit den Mecklenburger Herzögen führen zu können. Ihr Besitz umfaßte damals und später die folgenden Güter teils ganz, teils anteilsweise: Buckow, Dannenberg, Leuenberg, Steinbeck, Altranft, Schulzendorf, Hohenfinow, Prötzel, Tiefensee, Werftpfuhl, Hasenholz, Garzin, Garzau, Dahmsdorf, Obersdorf, Quilitz, Friedersdorf, Kienitz, Münchehofe, Jahnsfelde, Gielsdorf und Wilkendorf.

Von diesem reichen Besitzstande sind der Familie nur die drei letztgenannten Güter geblieben: Jahnsfelde bei Müncheberg und Gielsdorf-Wilkendorf bei Strausberg. Der Name des alten Geschlechts aber lebt noch überall in dem ehemaligen Pfulen-Lande fort, so daß wir in nachstehendem von Dorf zu Dorf, von Kirche zu Kirche wandern und dabei aufzuzeichnen haben werden, was an Erinnerungsstücken aus alter Zeit geblieben ist.


Schulzendorf

Schulzendorf, eine halbe Meile von Wriezen, kam bald nach 1450 in Pfuelschen Besitz. Es blieb lange bei der Familie. Erst 1837 ist es in andere Hände übergegangen. Die alte Feldsteinkirche enthält außer einem weißgetünchten Schnitzaltar, der das Würfeln der Kriegsknechte um Christi Mantel darstellt, ein großes, sehr interessantes Bild, das, zu Ehren eines Quilitzer Pfuel gemalt, ursprünglich auch der Quilitzer Kirche zugehörte. Nachdem indes diesem Zweige der Familie das letztgenannte Dorf verlorengegangen und nur Schulzendorf noch geblieben war, hatten die späteren Repräsentanten der Quilitzer Linie den Wunsch, das Ehrenbild ihres Ahnherrn nicht mehr in einer ihnen fremd gewordenen Kirche zu sehen. Sie kauften daher das Bild und stellten es in der Schulzendorfer Kirche auf. Es ist sehr groß, wenigstens sechs Fuß zu vier, und stellt eine Kreuzigung Christi dar. Zu Füßen des Kreuzes kniet in blanker Rüstung der alte Pfuel, dem zu Ehren das Bild gestiftet wurde, und blickt betend zu dem Gekreuzigten auf. Weiter unterhalb die Donatoren: vier weibliche und zwei männliche Figuren. Dies wäre das Herkömmliche. Wodurch sich aber das Bild von ähnlichen unterscheidet ist das, daß die Gestalten des Heilands und des in blanker Rüstung knienden Pfuel nicht gemalt, sondern basreliefartig in Holz geschnitten und nun erst an der ihnen zukommenden Stelle auf dem Bilde befestigt sind. Es ist dies das erste und einzige Vorkommnis der Art, dem ich begegnet bin. Mehr eigentümlich als schön. Man könnt es praktisch nennen, indem es die Aufmerksamkeit des Beschauers auf die beiden Gestalten hinzwingt, auf die es ankommt: auf den Gekreuzigten und den betenden Pfuel. Die blanke Rüstung des letzteren ist – ganz wie es sich für eine kleine Relieffigur geziemt – nicht durch Auftragen von Farbe, sondern durch Belegen mit Silberschaum hergestellt.

Das Bild hat drei Inschriften: eine erste, die von dem »alten Pfuel« selber, eine zweite, die von dem Donator in Quilitz, und eine dritte, die von der Übersiedlung des Bildes nach Schulzendorf spricht.

Die erste Inschrift am obersten Rande des Bildes ist unleserlich geworden.

Zweite Inschrift: »Dies Epitaphium ist von dem edlen und ehrenfesten Jürgen Pfulenn seinem seligen Vater zum Gedächtnis gesetzet worden. Welchen auch (den ehrenfesten Jürgen Pfuel) der allmächtige Gott in wahrer Erkenntnis seines allerliebsten Sohnes Jesu Christi bis an sein Ende erhalten wolle. Amen.«

Dritte Inschrift: »Aus schuldiger Hochachtung vor dem Stammvater der anitzo im Segen lebenden dreien Gebrüder, als Heine Friedrich Wilhelm, Georg Ludwig Ditloff und Carl Christoph August von Pfuhll, königlich preußischer Lieutenants, ist dies Epitaphium von ihnen aus der Quilitzschen Kirche erkaufet und allhier zum beständigen Andenken aufgerichtet worden den 20. September 1747.«


Garzin

Garzin war bis vor kurzem noch reich an Erinnerungsstücken aus der Pfuelschen Zeit. Die Mehrzahl dieser Gegenstände hat indessen der gegenwärtige Besitzer von Jahnsfelde, ältester Sohn des 1846 verstorbenen Generallieutenants von Pfuell käuflich an sich gebracht und sie seiner höchst interessanten Familiengalerie eingefügt.

Das Bemerkenswerteste, was der Garziner Kirche geblieben, ist eine 1654 in Hamburg gegossene Glocke. Dieselbe ist einerseits durch ein tellergroßes, in die Glockenwandung eingeschmolzenes Medaillon, das » Urteil des Paris« darstellend, andrerseits durch ihre plattdeutschen Inschriften interessant. Diese sind freilich nur zum Teil verständlich. Die untre, einreihige Inschrift lautet: »Gegaten tho Hamborch Anno Domini 1654 Junius.« Dazu:

In Gades Namen bin ick geflaten (geflossen),
Hans vam Damme het mi gegaten.

Die obere Inschrift ist viel länger und schwer zu entziffern.

Ick bin gegaten in Gottes Ehr;
.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
Wenn ick klinge, so denk zur Stundt,
Daß Christ mit der Baß dir bassunen kumpt,

Zu fordern alles vor Gericht –
Drumb halte di und sundige nicht.
.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .
Vor alle Sunde, de du begahn,
Lath Christum den Vorloser (Erlöser) stahn.

Die Zeile: »daß Christ mit der Baß dir bassunen kumpt«, erscheint mir voll origineller Kraft.

In Garzin lebte Anfang des siebzehnten Jahrhunderts »Melchior von Pfuel, der Nekromant«, dessen Bildnis wir später begegnen werden. Es heißt, daß er vorzugsweise in Garzin seine alchimistischen Versuche machte.


Buckow

Die Stadt Buckow und ihre schönen Umgebungen habe ich an andrer Stelle (vergleiche Seite 101 etc.) ausführlich beschrieben. Das Schloß – gräflich Flemmingsch – enthält neben andern Sehenswürdigkeiten einen bemerkenswerten Speisesaal, eine Jugendarbeit Schinkels. Dieser Saal zieht sich, nach Art einer rundgewölbten Halle, quer durch die Mitte des Schlosses, das nun, an den beiden ausmündenden Stellen, nach vorn und hinten zu, um einige Fuß vorspringt. Kassetten schmücken die Decke des Saals, der mittelst einer großen, den Bau nach der Gartenseite hin abschließenden Glaswand das nötige Licht empfängt. Über der Halle, in einem Saal von gleichen Dimensionen, befindet sich die Bildergalerie.

Schloß Buckow, wie alles, was es enthält, ist aus verhältnismäßig später Zeit, und nur die Buckower Kirche, die sich malerisch auf einem der Hügel am Ausgange der Stadt erhebt, weist noch einzelne Pfuelsche Reminiszenzen auf. Links neben dem Altar, an einem der hohen Wandpfeiler Gegenüber dem Wandpfeiler, der diese Trophäe trägt, befindet sich, in gleicher Höhe mit den Emporen der Kirche, der ehemalig Pfuelsche Chor- oder Kirchenstuhl, groß und geräumig, nach Art eines Zimmers. An seiner Vorderwandung bemerken wir drei oder vier ineinander verschlungene Goldbuchstaben, die aller Entzifferung spotten, höchstwahrscheinlich aber einen Pfuelschen Namenszug darstellen. Der Kirchenstuhl selber hat etwas unheimlich Geheimnisvolles. Die Fenster sind ausgenommen, und wenn man auf die Brüstung einer der Nebenemporen steigt, um von der Seite her hineinzulugen, so gewahrt man nichts als einen rostigen Kamin, Spinnweb und verstaubte Gewölbekappen, die unter den aufgerissenen Dielen sichtbar werden. Der Aufgang zu diesem Chorstuhl ist vermauert (man erkennt noch die Stelle, wo die Treppe mündete), und wie die Jahre wachsen, so wächst auch der Reiz der Frage: Wer hat diese Dielen aufgerissen? Wer bangte vor diesem Platz? Wer hat ihn vermauert? , befindet sich eine große, sieben bis acht Fuß hohe »Trophäe«, die sich aus in Holz geschnitzten Kanonen, Trommeln, Fahnen, Standarten etc. zusammensetzt und in seiner Mitte das Pfuelsche Wappen trägt. Das Ganze eine ziemlich rohe, bunt bemalte Arbeit mit folgender Inschrift: »Der hochedelgeborne Herr, Herr George Adam von Pfuel, Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg hochwohlbestallter Generalmajor, Gouverneur und Oberhauptmann der Veste Spandau, auch Obrister zu Roß und Fuß, auf Groß und Klein Buckow, Obersdorf, Möschen, Garzin, Sieversdorf, Hasenholz, Dahmsdorf und Münchehofe, geboren den 15. November 1618, gestorben im Juli Anno 1672, seines Alters vierundfünfzig Jahr weniger fünf Monat.«

Dieser Georg Adam von Pfuel, der in der noch zugänglichen Gruft der Buckower Kirche ruht, machte während des Dreißigjährigen Krieges unter seinem berühmteren Oheim Adam von Pfuel die Kriegsschule durch. Er kommandierte später selbständig, war ein Zeitgenosse Sparrs, Görtzkes, Derfflingers und zeichnete sich während des Polnischen Krieges und bald darauf während des Zuges nach Holstein aus. Die glänzendste Zeit des Großen Kurfürsten erlebte er nicht mehr. Außer der Herrschaft Buckow besaß er die Dörfer Dahlem und Marzahn in der Nähe von Berlin. Sein Bildnis befindet sich in Jahnsfelde.

Durch die Tochter Georg Adams, die den später in sächsischen und preußischen Diensten so berühmt gewordenen Feldmarschall Heino Heinrich von Flemming heiratete, kam Buckow an die Flemmings, die es also seit ungefähr zweihundert Jahren besitzen. Nach andrer Angabe war der Feldmarschall von Flemming ein Sohn aus der Ehe der Pfuelschen Erbtochter mit einem Flemming.


Wilkendorf

Wilkendorf, eine halbe Meile nördlich von Strausberg, ist seit vor 1536 im Besitze der Pfuels. Das reizend am Abhang gelegene, auf eine Talwiese niederblickende Herrenhaus ist neu, und unter den mannigfachen Kunstschätzen desselben befindet sich nichts, was bis in frühere Jahrhunderte zurückreichte. Einige ältere Familienportraits sind ohne Belang.

Die Kirche ist alt und zeichnet sich durch einen mit Geschmack und Pietät restaurierten Schnitzaltar aus. Interessanter noch als dieser ist der aus einem großen Granitblock ausgemeißelte Taufstein, der vor dem Altar steht. Er ist ungewöhnlich groß und hat über drei Fuß Höhe bei zwei Fuß Durchmesser. Solche granitnen Taufsteine waren in der ersten Zeit der Christianisierung des Landes sehr häufig; allerorten auf den Feldern umherliegende Rollsteine, wie sie das Material zu den Kirchen selber boten, wurden ausgehöhlt, und die »Taufe« war fertig. Die Bearbeitungskunst bleibt aber unter allen Umständen erstaunenswert, wenn man erwägt, wie geringe technische Hülfsmittel damals zu Gebote standen. Jetzt begegnet man solchen »Taufen« nur sehr selten noch.


Gielsdorf

Gielsdorf – durch den schönen Ihland-See von Wilkendorf getrennt – ist seit 400 Jahren im Besitze der Familie. In einen der alten Kirchenpfeiler wurde, mit Bezugnahme darauf, eine Steintafel eingemauert, die folgende Inschrift trägt: »Zur Erinnerung an die 1460 unter Kurfürst Friedrich geschehene Belehnung des Werner Pfuel mit Gielsdorf und an den vierhundertjährigen Besitz seiner Erben. Gustav von Pfuel, 1860.«

Auch in der Gielsdorfer Kirche befindet sich ein ausgemeißelter Taufstein, doch ist derselbe ersichtlich aus spätrer Zeit, nicht so groß wie der Wilkendorfer und, statt in Granit, in bloßem Kalkstein (wahrscheinlich aus dem benachbarten Rüdersdorf) ausgeführt. In Front trägt der Stein ein flach gearbeitetes Kreuz und als Umschrift um dasselbe, in Form eines Kranzes, die Worte: » non glorior nisi in cruce domini

Die Emporen der alten Kirche ruhen auf kurzen, grobgeschnitzten Holzpfeilern; in einen derselben sind die Worte eingeschnitten: » Bertramb v. Pfuel. anno MDCX.« Dieser Bertramb von Pfuel war ein Vetter Kurt Bertrams von  Pf., der während des Dreißigjährigen Krieges eine Rolle spielte und auf den wir weiterhin zurückkommen.

Unter dem Altar der Gielsdorfer Kirche soll ein anderer Pfuel (Christian Friedrich) bestattet sein. Eine Stückkugel riß ihm, beim Sturm auf Kaiserswerth, den Kopf weg, und Rumpf und Glieder wurden in Gielsdorf begraben. Das war 1702. Er war Oberst in einem Infanterieregiment. Sein Bild befindet sich in Jähnsfelde. Ein Spruch in der Jahnsfelder Kirche gedenkt sein. Dieser von Friedrich la Motte Fouqué herrührende Spruch lautet:

Italien hat und Niederland
Den edlen Kämpfer oft geschaut.
In vieler wilden Schlachten Brand
Hat er das Feld mit seinem Blut betaut.
Als letzter Kranz ward ruhmvoll ihm beschert
Zu sterben, vorbewußt, im Sturm auf Kaiserswerth.

Dieses »vorbewußt« bezieht sich auf folgenden Vorfall, der als Tradition in der Familie fortlebt. Am Tage vor dem Sturm auf Kaiserswerth will Pfuel in sein Zelt treten. Die vor dem Zelt stehende Schildwacht salutiert nicht, erblaßt aber und zeigt nur auf das Innere des Zelts. Pfuel tritt jetzt ein und sieht sich selber, schreibend, am Tische sitzen. Er tritt hinter die Gestalt, blickt dem ruhig Weiterschreibenden über die Schulter und liest sein Testament. Dann verschwindet die Gestalt. Pfuel wußte jetzt, daß er andern Tages sterben werde. Er setzte sich auf den Feldstuhl, auf dem eben sein Doppelgänger gesessen, schrieb an seine Frau und nahm Abschied von ihr. Andren Tages fiel er an der Spitze seiner Sturmkolonne.

Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Geschichte zu Chamissos schönem Gedichte »Die Erscheinung« Veranlassung gegeben hat. Wenigstens ist die Situation dieselbe. Chamisso war mit Fouqué befreundet, und Fouqué seinerseits kannte die Familientradition des ihm verwandten Pfuelschen Hauses.

Jahnsfelde

Jahnsfelde ist seit 1449 in der Pfuelschen Familie, also noch elf Jahre länger als Gielsdorf. Die hübsche Inschrift über der Tür des Herrenhauses nimmt Bezug darauf und lautet:

Glück herein, Unglück heraus,
Dies ist der Pfuel ritterlich Haus
Seit vierhundert Jahren –
Gott wolle bewahren
Geschlecht und Haus.

Dies Herrenhaus selbst ist neu, doch ruht es auf den Fundamenten eines alten Gebäudes, das hier stand. Der Park, der das Herrenhaus von allen Seiten malerisch umschließt ist eine Neuschöpfung. Auch der unmittelbar angrenzende Friedhof konnte mit in den Park hineingezogen werden, da die Herstellung eines neuen Begräbnisplatzes ohnehin geboten war. War doch schon seit 1244 an derselben Stelle begraben worden. Grab über Grab.

Der gegenwärtige Besitzer von Jahnsfelde hat, voll historischen Sinnes und zugleich in Pietät gegen die ruhmreiche Vergangenheit seines Geschlechtes, die untren Räume des Hauses nach Art eines Familienmuseums eingerichtet. Erinnerungsstücke aller Art, Wappenschilde, Waffen, besonders aber Bildnisse, finden sich hier auf engstem Raume zusammen. Sie alle namhaft zu machen liegt außerhalb der Zwecke dieses Buchs, und nur der ältesten und interessantesten möge kurz Erwähnung geschehen.

1. Anna von Pfuel. Ein interessantes Bild aus der Garziner Kirche. Es stellt eine junge, reichgeschmückte Frau dar, lebensgroß, ganze Figur. Im Haar scheint sie eine Brautkrone zu tragen. Ort und Jahreszahl lauten: Garzin, 1594. Dies ist das älteste Bild der Sammlung. Die Behandlung, besonders der Gewandung, ist noch steif und faltenlos.

2. Heino von Pfuel im Jahre 1602. Aetatis suae 58. Eine kriegerische Gestalt in Eisenrüstung und hoher Halskrause, dazu rot und weiße Schärpe. Die Unterschrift des Bildes, vom alten Maler selbst herrührend, lautet:

Heino von Pfuhl ich ward genannt,
Ein Obrister über Reuter und Knecht,
In Ungarland
Und mannigen Orts sonst wohlbekannt.

Es heißt von ihm, daß er ein brandenburgisches Hülfscorps gegen die Türken kommandiert und sich überhaupt im Felde wie bei Hofe ausgezeichnet habe. Auch er hat ein Schild in der Jahnsfelder Kirche und auf demselben einige Fouquésche Reimzeilen.

3. Erneste Friedrich von Phull. Wenn ich nicht irre, ebenfalls aus der Garziner Kirche nach Jahnsfelde gebracht. Stellt einen ältren Mann mit weißem Bart, von ernstem, fast schwermütigem Gesichtsausdruck, dar. Auf dem Bilde das Pfuelsche und Bismarcksche Wappen. Spruch:

Wer Gott allezeit vertrauen kann,
Der bleibt ein unverdorbner Mann.

Dann folgende Unterschrift: »Der edle, feste Erneste Friedrich von Phull, ein Bruder Heinonis auf Garzin, Trebnitz und der Neuen Langenwische Erbherr, starb allhier den 8. Oktober Anno 1613 früh, seines Alters vierundsechzig Jahr. Ward den folgenden 4. Novembris in das Begräbnis gesetzet und wartet der fröhlichen Auferstehung.«

4. Melchior von Phull. Ein vortreffliches Bild, das einen Mann in besten Jahren, in schwarzer Kanzler- oder Geheimeratstracht, darstellt mit großem, schönem Spitzenkragen, Handmanschetten und Kanzlerkette. Links oben das Pfuelsche Wappen, rechts das Wappen der alten Familie von Menlishoff. Unter dem Pfuelschen Wappen lesen wir: »Melchior von Phull, Consilarius Brandenburgensis. In Garzin, Garzo, Hasenholz et Trebnitz. Pie obit. 18. November Anno 1609.« Unter dem Menlishoffer Wappen steht: »Ist Gott mit uns, wer mag wider uns sein.« Melchior selbst legt seine rechte Hand auf ein aufgeschlagenes Buch mit rotem Rand; auf der weißen Seite steht: »Wer meine Gebote hat und hält etc. Johannes 14, Vers 21. Anno Domini 1610.« An andrer Stelle nochmals: »Melchior von Phull. Aetatis suae 35. Anno 1609. Discite mortales fugitivam noscere vitam.« Dieser Melchior von Pfuel ist derselbe, der sich auch als Nekromant einen Namen machte.

5. Adam von Pfuel. Brustbild. Ein älterer Mann, ernst, prononciert martialisch. Er zählt zu den bekanntesten Mitgliedern der Familie. Adam von Pfuel wurde 1604 geboren. Er folgte 1620 seiner Schwester, einer Hofdame Marie Eleonorens, bei Vermählung dieser mit Gustav Adolf, nach Stockholm. Diese Schwester heiratete später den berühmten Banér und wurde die Ahnmutter des gleichnamigen Geschlechts. Ihr Bruder, unser Adam von Pfuel, trat als Page bei Gustav Adolf in Dienst, begleitete ihn nach Deutschland und brachte, nach der Lützener Schlacht, des Königs Leiche von Weißenfels nach Stettin, von wo sie nach Stockholm eingeschifft wurde. Seine nahen, schon angedeuteten verwandtschaftlichen Beziehungen zu Banér machten es, daß er auch in der Folge der Partei dieses wüsten, aber genialischen Feldherrn zugehörte. 1634 führte er zuerst, als Kommandeur eines Regiments, einen selbständigen Zug nach Thüringen hin aus und deckte die Flanke des Heeres. Auf diesem Zuge war es, wo sich der damals noch jugendliche Derfflinger seine ersten Sporen im Pfuelschen Regiment verdiente. Später stieg Pfuel zum Avantgardenführer des schwedischen Heeres auf und eroberte sich als solcher den allerdings zweifelhaften Ruhm, 800 böhmische Dörfer niedergebrannt zu haben. Nach Banérs Tode war es Pfuel, der, in Gemeinschaft mit einigen andern Kriegsobersten, die Schlacht bei Wolfenbüttel schlug. Er stand damals hoch genug in Ansehn, um hoffen zu dürfen, das Oberkommando werde ihm übertragen werden. Er scheiterte aber, weil er Ausländer war, und Torstenson (ihm freilich hoch überlegen) erhielt den Oberbefehl. Als ihm auch Lilienhoek vorgezogen wurde, nahm er den Abschied. Dies war 1642. Wo er von da ab bis 1652 war, ist unbekannt. In spätren Jahren kaufte er sich die Güter Helfta und Polleben im Mansfeldischen und gründete eine neue Linie. Auf seinem Bilde in Jahnsfelde trägt er die goldne Kette, die ihm Gustav Adolf geschenkt hatte. Er starb als schwedischer Generallieutenant 1659 zu Polleben. Hat auch in der Jahnsfelder Kirche Schild und Spruch.

6. Kurt Bertram von Pfuel. Brustbild. Dieser Kurt Bertram war kurbrandenburgischer General-Kriegskommissar während des Dreißigjährigen Krieges und wurde von seiten George Wilhelms mehrfach zu diplomatischen Sendungen verwandt, namentlich an Wallenstein, als dieser zuerst an den Grenzen der Mark erschien. Unser Kurt Bertram war damals »Kammerjunker«. Seine erste Mission an Wallenstein fällt in das Frühjahr 1626. Es scheint, daß er den Friedländer in Halberstadt traf und ihn, im Auftrage des Kurfürsten, zu bitten hatte, nicht in die Mark einzurücken. Wallenstein antwortete: »So wahr ich ein ehrlicher Mann bin, will ich dem Kurfürsten kein Widriges erweisen, nur bitte ich ihn um Gottes willen, die Mansfeldsche Armee (die in der Prignitz hauste) auszuschauen, sonst muß ich nachrücken, um den Feind zu suchen, wo ich ihn treffe.« Im August traf Wallenstein mit sechzehn Regimentern in Cottbus ein. Der Kurfürst hatte den später so berühmt gewordenen Konrad von Burgsdorf zum Marschall bei ihm bestellt, und es verlautet nicht, daß unser Kurt Bertram bei dieser Gelegenheit weitere Verhandlungen mit Wallenstein gehabt habe. Er war indessen einige Wochen vorher in Cottbus gewesen, um, gemeinschaftlich mit einem von Rochow, die Empfangsvorbereitungen zu regeln. Kurt Bertram sah den Friedländer erst später wieder und, wie es scheint, unter ziemlich mißlichen Umständen. In Prag, als er dem Gefürchteten eine Vorstellung zu überreichen hatte, fuhr ihn dieser an: »Ich werde schiefericht (etwa das, was wir heute »nervös« nennen würden), wenn ich solche Schriften sehe«, und im Juni 1628 berichtete Pfuel von Frankfurt a. O. nach Berlin: »er habe den General nicht sprechen können, denn dieser habe just seinen Schiefer gehabt und nicht nur kurz vorher den Secretair, den Kammerdiener und Edelknaben abprügeln lassen, sondern auch das Glockenläuten verboten und zugleich befohlen, alle Hunde von der Gasse zu schaffen«. Diese Missionen, wie wir hieraus genugsam ersehen können, waren verantwortungsvoller Natur und forderten ihren Mann.

Kurt Bertram, dessen Bruder (Adam) und Neffe (Georg Adam) direkt in schwedischen Diensten standen, gehörte selbstverständlich der Anti-Schwarzenbergschen Partei zu. Schwarzenbergs Einfluß setzte es schließlich durch, daß Kurt Bertram seiner Ämter enthoben und seine Güter eingezogen wurden. Nach dem Tode Kurfürst George Wilhelms aber wendete sich das Blatt; er erhielt seine Güter zurück und wurde ausersehn, den Adam Schwarzenberg gefangenzunehmen. Später kaufte er sich in Sachsen an und wurde, durch weitere Verzweigung, der Stammvater der noch blühenden württembergschen Linie. Das Bild Kurt Bertrams befindet sich in Jahnsfelde. Er ist ein schöner Mann, blühend, noch jung, voll klugen und energischen Ausdrucks. Seine Tracht, in Koller und Klapphut, ist im wesentlichen die eines schwedischen Kriegsobersten.

 

Was der Jahnsfelder Portraitgalerie einen Reiz verleiht und ihr unterscheidendes Merkmal bildet, ist, daß sie das Frostige eines sogenannten »Ahnensaals« vermeidet. Man steigt nicht erst treppauf, man zieht nicht erst die verschossenen Gardinen zurück, man sorgt nicht erst, abstaubend und Fenster öffnend, für Luft und Licht, in Jahnsfelde lebt man mitten unter ihnen. Diese alten Herren in Rüstung oder Perücke, hier sind sie nicht zu steifer Repräsentation da, sind nicht Fremde am eigenen Herde, nein, man hat sich häuslich-familiär mit ihnen eingerichtet, kennt sie und liebt sie. Ein täglicher Verkehr hat Platz gegriffen zwischen denen, die waren, und zwischen denen, die sind; Ältestes und Neustes reichen sich die Hand, und wie ein ununterbrochener Strom wandert das Leben weiter von Geschlecht zu Geschlecht. Wohl mahnen auch hier die Bilder berühmter Ahnen an das Vergängliche alles Irdischen, aber sie predigen zugleich auch den Sieg des Geistes über den Leib und entfalten still die Fahne, auf der als Zuruf und Richtschnur das Dichterwort geschrieben steht:

»Und ein berühmter Name nach dem Tode!«

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