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Wanderjahre in Italien

Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 59
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Der Laienbruder führte mich herum und machte den Erklärer. Der Merkwürdigkeiten gab es in der Kartause wenige, denn leider ist alles Altertümliche verschwunden, so daß ich für meine Wißbegierde nicht viel zu verzeichnen fand. Die Lage im Gebirge, die Lebensweise der Mönche in ihrer einsamen Republik, ihre praktische Wirkung auf die Gesellschaft, die Geschichte dieses seltsamen Ordens gaben indes reichen Stoff zu Betrachtungen. Bruno, einer jener Heiligen, welche die Epoche der Kreuzzüge erzeugte, hatte die Regel der Kartäuser gestiftet, gegen das Ende des 11. Jahrhunderts. Dieser Orden, geselliges Mönchtum und Anachoretenleben in sich vereinigend, zur äußersten Strenge der Entsagung verdammt, erhielt seinen Namen von dem Ort la Chartreuse bei Grenoble, wo er seine Anfänge nahm. Seine Statuten (Consuetudines Cartusianae) sind vom Jahre 1134, seine Bestätigung durch den Papst erlangte er im Jahre 1170. Die Kartäuser breiteten sich bald in vielen Ländern aus. Schon im Jahre 1208 siedelten sich diese Väter in Trisulti an, welchen Ort ihnen Innocenz III. übergab. Sie fanden hier ein verfallenes Kloster vor, das ehedem den Benediktinern gehört hatte, und errichteten aus dessen Trümmern im Jahre 1211 die ursprüngliche Kartause. Man sagt, ein Kastell Trisalto habe jener Gegend den Namen gegeben, welcher gewöhnlich «a tribus saltibus», von drei waldbewachsenen Höhen, erklärt wird.

Obwohl das Gelübde der Armut den Mönchen durch die Regel auferlegt wird, schließt sie dennoch den Reichtum des Klosters nicht aus, und Trisulti wurde mit der Zeit in Besitz großer Landgüter in der Provinz Frosinone gesetzt, die es noch heute behauptet. Es prangt freilich nicht, wie jenes bei Pavia, durch Schönheit der Gebäude und Kunstwerke, vielmehr hat es einen durchaus ländlichen Charakter. Auch werden nicht so glänzende Räume in ihm gefunden, wie sie die Kartause Roms in den Thermen Diocletians aufzuweisen hat, welche übrigens eine junge Stiftung des 16. Jahrhunderts ist und diese alte und ehrwürdige Certosa Trisulti als ihre Mutter anerkennt. Die kleine Klosterkirche, von Innocenz III. im Jahre 1211 gebaut, endlich im Jahre 1768 völlig erneuert, ist mit buntem Marmor und vielen Bildern geschmückt. Über dem Eingange erinnert ein Gemälde an die Stiftung der Certosa, da Innocenz III. dargestellt ist, wie er die Kartäuser in den Besitz derselben setzt. Auf beiden Seiten im Innern ist das Martyrium der Makkabäer und ihm entsprechend die Verfolgung zu sehen, welche die Kartäuser in England unter Heinrich VIII. erlitten. Im prachtvoll geschmückten Priesterchor sieht man Moses die Quelle aus dem Felsen schlagen, und ihm gegenüber Bruno, der dasselbe erquickende Wunder wiederholt.

Das Refektorium, passend geschmückt mit einem Gemälde, welches die Brot- und Fischvermehrung darstellt, ist ein geräumiger Saal. Hier versammeln sich die Brüder zu einem gemeinschaftlichen Mahle an Festtagen, denn sonst schreibt die Regel das einsame Essen in der Zelle vor. Man zeigte mir die saubere Küche und die Bäckerei, wo ein schmackhaftes Brot von feinerer und gröberer Qualität in Menge bereitet wird. Ein Wasserbecken, aus dem sich ein Kanal ergießt, versorgt die Mühle in einem nahen Hof. Das Sehenswürdigste jedoch, was man mir mit dem gerechtesten Stolz zeigte, ist die Apotheke, und ich betrat sie mit größerer Andacht, als mir die Kirche eingeflößt hatte. Die Vereinigung des medizinischen Heils mit der Sorge für die Seele ist eine natürliche und uralte Aufgabe dieser Klosteranstalten in einsamen Gegenden; die Mönche, welche der Arzneiwissenschaft obliegen, üben eine Tätigkeit aus, die weithin wirksam und wahrhaft preiswürdig ist. Die Natur der Berge ladet sie zu unausgesetztem Studium der Heilkräuter ein, die hier in Fülle wachsen, und welche angenehmere Beschäftigung kann es geben, als in diesen Gebirgen an Fels und Fluß zu botanisieren, wunderwirkende Balsampflanzen zu sammeln und medizinisch zu bereiten?

Ein schöner Mönch, mit einem langen rötlichen Bart, so daß er einen Magier des Mittelalters trefflich darstellte, empfing mich in dem saubersten Tempel Äskulaps, den man sich vorstellen mag. Dieses Haus liegt nicht weit vom Eingange zum Kloster innerhalb der Ringmauer. Vor seiner offenen Galerie erfreut Auge und Sinn ein wohlgepflegter botanischer Garten voll von frischen duftigen Gewächsen mannigfaltiger Art, unter denen es auch nicht an Zierblumen fehlt. Blühende Stauden in großen Vasen schmücken die Terrasse. Tritt man durch die Glastüre in das Innere, so sieht man sich in einem reichen Apothekerladen. Der gelehrte Mönch zeigte mir mit Zuvorkommenheit seine Schätze in Flaschen und Gefäßen und machte mich bedauern, daß ich ihn nicht durch medizinische Teilnahme zu unterhalten verstand. Mittlerweile erschienen Landleute, sich Medikamente zu holen, welche unentgeltlich gereicht werden. Die Apotheke Trisulti ist weit und breit als eine Heilanstalt in diesen Bergen verehrt, so daß ihre Wohltat bis tief hinein in die fiebervolle Campagna Latiums empfunden wird.

Wenn nun die Orte der Umgegend vielfachen Gebrauch von den Heilkräften dieser Apotheke machen, so wird sie von den Klosterbrüdern selbst wenig in Anspruch genommen. Ich erinnere mich nicht leicht, Mönche so kräftigen Aussehens gefunden zu haben. Die Ruhe des Gemütes, eine immer gleich strenge Diät, und vor allem andern die köstliche Bergluft erhalten sie im Wohlsein, und ihre Nächte und Tage, durch wiederholtes Gebet und Kirchendienst unterbrochen oder ausgefüllt, werden sonst nicht in geistigen Anstrengungen hingebracht. Das Kloster besitzt zwar eine kleine Bibliothek, und es gibt Mönche, welche gelehrte Studien betreiben, aber im ganzen gedeihen solche in dieser Wildnis nicht. Ich überzeugte mich davon, als ich mit dem Bibliothekar, im großen Hof umherspazierend, mich unterhielt, und da meine Fragen diesen würdigen Mann in Verlegenheit zu setzen schienen, so hielt ich es für passend, dergleichen Gespräche nicht fortzuführen. Ich verabschiedete mich von ihm, setzte mich in einem der Höfe nieder und betrachtete die Gestalten der umherwandelnden Brüder. In ihren schneeweißen Kutten nahmen sie sich stattlich aus. Es fiel mir auf, daß sie weder Bart noch Haare tragen. Denn jeden Monat wird zweimal auch das Haupt geschoren, bis auf die Korona oder den Haarkranz, welcher stehenbleibt. Nur die Laienbrüder tragen einen langen Bart, wie die Kapuzinermönche. Überhaupt gibt es hier manche Abstufungen unter den Brüdern, gleich jenen des mystischen Bundes der Pythagoräer.

Die in ihre Zellen verschlossenen Heiligen des äußersten Grades sah ich nicht. Das Schweigen, in welches diese sich hüllen, muß als das Höchste von selbstquälerischer Entsagung betrachtet werden, wozu der fanatische Mensch es gebracht hat. Indem sie das Wort, den Schlüssel des Lebens und der Dinge, von sich werfen, bannen sie die Seele in eine entsetzliche Geistesstille, welche völliger Blindheit gleichkommt. Ein Memento mori unterbricht sie nur als schauerlicher Gruß, den sie, einander begegnend, sich zurufen. Man sagt, daß diesen wandelnden Toten, oder Gespenstern bei lebendigem Leibe, gestattet sei, ihre Zellen mit einigen Liebhabereien zu schmücken; der eine erzieht sich Blumen in Scherben, mit denen er schweigende Gespräche führt; der andere weidet seinen Blick an einem geliebten Heiligenbild, oder er pflegt einen Vogel im Bauer und horcht seinem Gesange, wenn überhaupt ein Vogel in solcher Geisterzelle singen mag. Bisweilen durchbricht die empörte Natur gewaltsam den Bann, der ihre göttlichste Lebensoffenbarung verschließt, und der Schweigende beginnt zu reden; dann wird er öffentlich mit Geißelschlägen gestraft. Es mag sein, daß in diesen ernsten, stummen Bergen die Qual des Schweigens erträglicher ist; denn hier scheint die Stimme Gottes allein zu reden, im Rauschen des Waldes, im Brausen der wilden Cosa, im Sturm und Donner der Wetterwolken, die sich um die Berggipfel rollen. Und welch düstere Gemüter mag hier die Natur, die Zelle und die Klosterregel erziehen? Vermöchte der Blick in diese verschlossenen Seelenzustände hinabzudringen, er würde wohl das Ungeheuerste gewahren.

Aus solchen Betrachtungen erlöste mich glücklich das Abendessen. Mein flinker Diener meldete mir, daß es angerichtet sei, und Appetit wie Neugierde waren gleich groß. Keine Fleischspeise wird im Kloster genossen, der Gast muß sich eben der Regel fügen; Öl und Essig mag er dagegen zum Überdruß haben. Nun bestand mein Tisch aus folgenden Speisen: in Öl gesottene Makkaroni, vortrefflich zubereitet und mit Bergkräutern statt des Parmesankäses gewürzt; kalte grüne Bohnen in Öl und Essig; eine Flasche ungenießbaren essigsauren Weins; zur Nachkost ein Stück in Öl gebackener Torte. Obwohl ich meinen Wirten alle Ehre zu machen suchte, konnte ich doch nur wenig von diesen Speisen zu mir nehmen; ich begnügte mich mit Makkaroni und dem vortrefflichen Brot. Ich ging gesättigt hinaus, nachzusehen, wie mein Campagnole versorgt worden sei; er sagte mir, man habe ihm ein Brot und einen kalten Fisch zu essen gegeben.

Es war tiefe Nacht geworden, der volle Mond stand an dem klarsten blauen Himmel und erleuchtete das herrliche Bergtheater ringsumher. Die in Licht getauchten Bäume, die schwarzen Schatten der Felsen, schimmernde Dämpfe in den Tälern, das schauerliche Schweigen, durchbrochen vom melancholischen Ruf des Upupa, der großen Bergeule, oder von dem dumpfen Rauschen der Cosa – all das wirkte magisch um das Kloster her.

Um Mitternacht weckte mich die Glocke vom Turm: man läutete die Matutine – ich wußte, daß nun der Exzitator von Zelle zu Zelle ging, um die Mönche zu wecken. Nun beten sie die ersten vier Bußpsalmen, dann gehen sie hervor in die Kirche, wo sie drei Stunden lang die Matutine singen. In ihre Zellen zurückgekehrt, setzen sie auch dort noch die Gebete fort, und dann ist ihnen zur Erholung eine kleine Pause des Schlafs gestattet. So geht es Nacht für Nacht. Ich horchte den Glockenklängen, die seltsam und gespensterhaft zu klingen schienen, und gern wäre ich zur Kirche hinuntergegangen, wenn ich nicht gefürchtet hätte, die Heiligen zu stören. Ich schlief über den Gesängen ein, und als der Morgen graute, pochte mein Führer schon an meine Zelle, um mich zum Ritt nach Veroli zu wecken.

Ich verließ das Kloster, ohne dem Superior meinen Dank sagen zu können, denn keine Seele zeigte sich außer dem Pförtner und dem Gastbedienten, welcher sich entschuldigte, mir den abends vorher zugesagten Kaffee nicht bringen zu können, denn auch für das Frühstück schreibe die Regel eine bestimmte Stunde vor. Dies war mir sehr unlieb, weil der Weg durch das Gebirge bis nach Veroli lang ist, und wir Kulturmenschen fühlen uns selten am Morgen in völliger Nüchternheit wohl aufgelegt. Indes tröstete mich Francesco mit einem Stück Brot, welches er zu sich gesteckt hatte, und die schmackhaftesten Brombeeren wurden mir von einem Strauch in unmittelbarer Nähe des Klosters gastlich dargeboten.

Der Morgen in dieser Alpennatur war von einer entzückenden Schönheit, der Blick in die wechselvollen Berge immer neu belebend. Eine Stunde lang ging es neben Abgründen fort, welche die Cosa durchrissen hat, dann senkt der Pfad sich zu langen und anmutigen Alpenwiesen nieder. Dies alles ist Eigentum der Kartäuser. Die Pferde des Klosters weideten dort rudelweise, und von Zeit zu Zeit sah man Ziegenherden; die Hirtenfamilien waren ums Feuer geschäftig, die saure Milch in Käse zu verwandeln. Kleine Meiereien, von denen viele Klostergut sind, unterbrechen bisweilen die Einsamkeit; ich fand deren von so reizender Lage in grünen Tälern und an frischen Bergquellen, daß ich die Menschen glücklich pries, die dort in Frieden ihre Tage zubrachten. Sie alle sahen wohlgenährt aus, und keiner bettelte den Reisenden an.

Nach mehreren Stunden erreichte ich, das Gebirge hinter mir lassend, die fruchtbare Campagna von Veroli und sah diesen großen Ort auf einer wahrhaft bedeutenden Höhe vor mir. Er beherrscht ein erhabenes Theater, da der Blick über Latium bis ins Königreich Neapel dringt und überall auf den blauen Vorhöhen in der Ferne und Nähe weiße Kastelle und Städte sichtbar sind.

Veroli ist eine bischöfliche Stadt von einiger Betriebsamkeit; sie versorgt die Gegenden umher besonders mit Teppichen einer geringen, aber vielbegehrten Art, welche aus bunten Tuchstreifen gewebt werden – eine echt national-ciociarische Ware. Die Straßen sind eng und vielfach gewunden, manche Viertel von ganz labyrinthischer Anlage und voll von kleinen bizarren Häusern, die meist offene Galerien haben. Ich fand die Plätze mit Früchten des Sommers bedeckt, deren Wohlfeilheit hier nicht in Erstaunen setzt. Um diese Zeit bringt man hauptsächlich die großen Wassermelonen zu Markt, deren ich hier vortreffliche fand. Ein ausgedienter Soldat, Veteran noch aus napoleonischen Zeiten, hörte zufällig in dem Café, wo ich mich niedergelassen hatte, daß ich von der Certosa komme, und indem er sich zu mir setzte, brach er in eine wahrhaft begeisterte Schilderung des paradiesischen Lebens in jener Klostereinsamkeit aus; er sagte, daß es der letzte Wunsch seines Alters sei, dort als Laienbruder Aufnahme zu finden. Er würde sich, meinte er, sofort in die Pension des Klosters begeben, wenn er die Summe besäße, die man in die dortige Kasse einlegen müsse. Und hierauf nahm das Gespräch die gewöhnliche Wendung: er überschüttete das päpstliche Regiment mit all den Invektiven, die man täglich und aus aller Munde hören kann. Der ehrliche Veteran machte mich neugierig, das große Landgut der Kartäuser unterhalb Veroli zu sehen. Die Zeit drängte mich; ich beschloß demnach, die Stadt Frosinone, die mir so nahe lag, beiseite zu lassen und über jenes Gut nach Ferentino zu reiten.

Ich verließ Veroli während eines prächtigen Gewitters. Die Volskerberge und der Apennin standen in düsteres Blau gehüllt, und hastige Sonnenstreiflichter brachten auf diesem finsteren Grund eine bezaubernde Wirkung hervor, wenn sie diesen oder jenen Berg, und hier und dort ein Schloß oder Kloster, in hellstem Widerschein hervorhoben. Ich eilte, schon vom Regen erreicht, durch eine üppige und flache Landschaft, zwischen Obst- und Weingärten, und befand mich bald vor der Wirtschaft der Kartäuser. Sie würde in der Tat einem römischen Fürsten alle Ehre machen. Die Wirtschaftsgebäude sind ansehnlich, höchst sauber gehalten, und sie vereinigen das Klosterartige mit dem Schloßähnlichen. Auch hier schreibt Kartäuserregel vor, dem anpochenden Reisenden Speise und Trank zu reichen und im Notfall Herberge zu geben. Ich begehrte weder das eine noch das andere, aber ich bat um die Erlaubnis, die Wirtschaft besehen zu dürfen. Der Inspektor, ein robuster Laienbruder in weißer Kutte und langem Bart, gab mir Einlaß und führte mich selbst umher. Indem ich nun aus dem Vaterlande daran gewöhnt war, mir unter einem Gutsverwalter einen Menschen von ziemlich derbem Wesen, mit hohen Stiefeln und Sporen, die Reitpeitsche in der Hand und den Fluch im Munde, vorzustellen, so erschien mir ein Ökonom in der Mönchskutte und mit allen Manieren eines Heiligen als etwas höchst Sonderbares. Es war auch der erste Schritt, den ich in seiner Begleitung machen mußte, der Gang zur Kirche, die unmittelbar in die Wirtschaftswohnungen hineingebaut ist. Als wir in diese Kapelle traten, erkannte mein Führer nur zu bald, daß er einen Ketzer neben sich habe, und der heilige Ökonom warf sich mit einem tiefen Seufzer auf die Knie, in welchem ich mein Schicksal nach dem Tode und sein wohlgemeintes Gebet um Errettung meiner armen Seele zu vernehmen glaubte.

Das Gut der Kartäuser (Ticchiena genannt) ist eine der reichsten Besitzungen in der Campagna. Tausend Kolonen gehören ihm an, arbeitspflichtige Menschen, welche für den Genuß von Äckern einen Zins in Handdienst und Frucht zahlen. Sechs Laienbrüder bewirtschaften das Gut, ab und zu dort wohnend. Korn, Wein, Öl, Früchte werden in Menge gezogen; der Erlös fällt den Zwecken des Klosters anheim, von denen die ersten die der Wohltätigkeit sind. Und im ganzen Lande wird diese der Kartause Trisulti nachgerühmt; ja, man sagte mir, daß vor mehreren Jahren bei einer schweren Teuerung die Campagna durch eine geraume Zeit von dort aus mit Lebensmitteln versorgt worden sei. «I certosini hanno governato la campagna per moltissimo tempo», dieses Lob habe ich oft und an vielen Orten gehört. Und so will ich aus Dankbarkeit, wie einem Gast geziemt, mit ihm diese Blätter beschließen.

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