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Walladmor

Willibald Alexis: Walladmor - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
booktitleWalladmor
authorWillibald Alexis
firstpub1824
year1967
publisherEdition Leipzig
addressLeipzig
titleWalladmor
created20050618
sendergerd.bouillon
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Dritter Band.

 

                        ου γὰρ οι πλατει̃ς,
ουδ' ευρύνωται Φω̃τες ασφαλέστατοι.
Soph. Ajas. V. 1250

 

Walter Scott, Baronet,

widmet

diese Uebersetzung seines neuesten Werkes

ehrfurchtsvoll

 

                                          der Uebersetzer.

 

 

Sir!

Ungewöhnlich mag es zwar sein, aber doch nicht unerhört, daß der Übersetzer dem Autor des Originals die Übersetzung dedicirt; und da vorliegende Übersetzung, wie er sich schmeichelt, nicht zu den gewöhnlichen gehört, so nimmt auch der Übersetzer des Walladmor sich diese ungewöhnliche Freiheit.

Ach, Sir – wüßten Sie, welcher Noth ein armer Uebersetzer Walter Scottscher Romane in Deutschland ausgesetzt ist, würden Sie auch noch größere Freiheiten verzeihen. Der Buchhändler feilscht umher nach dem wohlfeilsten, der die Uebersetzung dann auch zugleich am besten liefern soll. Demnächst müssen die naß aus der Edinburger Presse Post um Post kommenden Bogen ohne Sinn und Zusammenhang übersetzt werden; ja, es trifft sich oft, daß wir, wenn der Originalbogen mit zwei Sylben schließt, ein unvollendetes Wort übersetzen müssen, und wenn der nächste Bogen ankommt, erst einsehen, auf welche Holzwege wir im Rathen gerathen sind. Nomina sund odiosa, aber ich erinnere nur an den Gastwirth zum guten Braunbier in der Übersetzung des Kenilworth. Ein ander Mal schloß unglücklicher Weise der Bogen mit dem Satze: to save himself from those disasters, he became an agent of Smith- und wir übersetzten auf gutes Glück Um sich aus diesen Trübseligkeiten zu erretten, wurde er Agent bei einem Schmiedemeister. Unglücklicher Weise begann aber der nächste Bogen mit der Fortsetzung des letzten Wortes field-Matches, und der ganze Satz hätte nun eine kleine Veränderung, etwa dahin erleiden müssen: Er negocirte, um sich aufzuhelfen, die sogenannten Smithfieldsheirathen oder Ehen, welche des Gewinnstes wegen geschlossen werden, wenn – es nicht schon zu spät gewesen wäre!

Sie sehen, Sir, in welche Trübseligkeiten wir armen Übersetzer gerathen, und in welche Trübsal wir Ihre eigene Ehre mit hinein zu ziehen verführt werden. Aber es ist nur ein kleiner Theil der allgemeinen Leiden. Hören Sie in Deutschen Buchläden die stehenden Klagen über das kaufunlustige Publikum, über die Gewinn entziehenden Lesebibliotheken, kurz alle Gründe des geringen Absatzes, und zunächst dem die Präventionssucht der sich überbietenden Uebersetzer, wer seine Waare quam citissime zu Markte bringt; dann werden Sie sehen, daß unser altes Deutsches Sprüchwort: Eile mit Weile, hier, wo die Eile die beste Eigenschaft des Übersetzers ist, durch die reellere Tendenz der andern Redensart: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, ganz in den Hintergrund gedrängt ist.

Ich schlug, um nicht diesem Despoten, der Eile, ganz zu unterliegen, einen andern Weg ein, und Sie verweigerten mir nicht Ihre gütige Unterstützung. Aber welche neue Noth entspringt daraus für den unglücklichen Übersetzer? Man zweifelt, ob der Roman von Ihnen herrühre; man nennt Ihren Freund Washington Irving, und Gott weiß, wen sonst, als Verfasser! Als ob irgend ein Mensch, – geschweige denn ein Dichter – eine so mühsame Selbstverleugnung üben könnte, einen Roman von drei Bänden im Namen eines Freundes zu schreiben! O Kritik! Zu welchen Resultaten führt dein neuestes Bestreben, alle Heroen des Alterthums, einen zu allegorisirten Begriffen zu machen! Ein gelehrter Freund erbot sich, innerhalb funfzig Jahren nach den Grundsätzen der heutigen Kritik darzuthun, daß nie ein Banquier gelebt habe, und der Name nur das Symbol der Geldanleihen unserer Zeit sei, worauf auch das Wort, auf seine Wurzeln zurückgeführt, selbst hindeute. – Sollte es vielleicht auch jemandem gefallen, dereinst zu beweisen, daß nie ein Dichter Walter Scott existirt habe, wie man schon jetzt die mystische Person des Waverley-Autors zu einer Congregation der verschiedenartigsten Poeten und Historiker macht? – Heißt das nicht, uns jeden Muth benehmen? Aber ich rufe mir in meiner Dachstube zu: Odi profanum – wenn ich auch nicht et arceo hinzu zu setzen vermag. Ich hoffe, von Ihrer Gewogenheit mit Nächstem einige Zeilen der Anerkenntnis zu erhalten. Sollten sie auch nicht coram notario duobusque testibus ausgestellt sein, so wird, wenn Sie mir dieselben nur gefälligst durch die Gesandtschaft zukommen lassen, dieser Weg allein schon ihre Echtheit bekunden.

Dennoch fürchte ich, daß mir die Eile einige Streiche gespielt hat, denn von drei Buchhandlungen fürchteten wir zugleich die Androhung dreier Uebersetzungen des Walladmor; und Sie können nicht glauben, wie die Angst, daß ein Anderer uns zuvorkomme, auch das festeste unserer Uebersetzer-Herzen erschüttern kann. Die Namen Lindau, Methusalem Müller, Dr. Spieker, von Halem, Lotz, klingen für uns von der Profession – mit Ausnahme dessen, der etwa mit einem dieser Namen identisch ist, – furchtbar. Und jetzt drängt sich leider noch so mancher, wie die Übersetzung Ihrer letztern Romane beweist, in dieses Quinquevirat.

Sollten Ihnen diese letztern Uebertragungen oder Bearbeitungen nicht gefallen, dagegen die meinige Ihnen zugesagt haben, so würde ich mich sehr geschmeichelt fühlen, wenn Sie etwa von Ihrem nächsten Romane wiederum eine Abschrift des Manuskriptes mir durch diese Buchhandlung zusendeten, für welchen Fall ich hier vor männiglich in bester Form Rechtens bekenne, und mich verpflichte:

  1. die Copialien pünktlich zu erstatten;
  2. nach bester Kraft Prosa und Poesie zu übersetzen, daß Ihr großer Name nicht durch den Übersetzer in Unehre gerathe;
  3. zu aller möglichen Liebe, Freundschaft oder Hochachtung, in so fern oder je nachdem Sie selbige anzunehmen würdigen
von
dem Uebersetzer
des Walladmor.
       
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