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Walhall

Felix Dahn: Walhall - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
titleWalhall
booktitleWalhall ? Germanische Götter- und Heldensagen
authorFelix Dahn und Therese Dahn
created20030919
sendernoname@abc.de, hille@abc.de
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IV. Sinfiötlis und Sigmunds Ende.

Nach dem Siege Helgis über Hödbrod war Sinfiötli mit seinen Kriegern zu seinem Vater heimgekehrt; der weilte damals in Dänemark, dem Erbe Borghilds. Nicht lange ruhte Sinfiötli, bis er abermals auf Heerfahrten ausfuhr. Auf einer solchen sah er Swintha, die schöne Königin der Warnen, und begehrte sie zur Gattin. Seiner Stiefmutter Bruder, Gunther (auch Noarq), warb um dieselbe Jungfrau; sie stritten um dieses Weib im Kampf, und Gunther fiel auf grünem Holm. Er zog dann weiter auf Heerfahrt, gewann Sieg auf Sieg und kam zur Herbstzeit ruhmvoll, mit vielen schatzbeladenen Schiffen, zu seinem Vater zurück. Da erfuhr Borghild ihres Bruders Tod und gebot Sinfiötli, aus dem Lande zu weichen, denn sie wollte ihn nicht sehen. Aber Sigmund mochte den Sohn nicht von sich ziehen lassen und erbot sich, seiner Frau Busse zu leisten mit Gold und Gut; und hatte er doch nie zuvor jemandem Busse geleistet. Borghild antwortete: "Entscheide du, Herr; – das geziemt sich."

Sie veranstaltete mit Sigmunds Zustimmung ein Leichenmahl zu ihres Bruders Gedächtnis und lud dazu viele edle Männer. Sie selbst schenkte ihren Gästen den Met und kam auch vor Sinfiötli mit einem vollen Horn: "Trink nun, Stiefsohn." Sinfiötli nahm das Horn, blickte hinein und sprach: "Der Trank ist trüb." "Gib ihn mir," rief Sigmund und trank ab; ihm schadete ja kein Gift.

"Warum sollen andre für dich trinken?" fragte Borghild und kam abermals mit dem Horn: "Trinke nun." "Der Trank ist gefälscht," sprach er, das Horn nehmend; und wieder trank Sigmund für ihn. Und zum dritten Mal kam die Königin: "Trinke, wenn du den Mut der Wölsungen hast!" "Gift ist im Trank!" rief Sinfiötli, das Horn haltend. Aber Sigmunds Gedanken waren müde vom Mettrinken, darum antwortete er: "Lass es durch den Bart rinnen, mein Sohn." Sinfiötli verstand nicht die Warnung, trank und fiel tot um.

Sigmund sprang auf, sein Gram brachte ihn dem Tode nahe. Er nahm die Leiche in seine Arme und trug sie lange Wege durch den Wald, suchend, wo er sie betten solle, bis er an eine tief ins Land einspringende Meeresbucht kam. Er konnte nicht hinüber; da sah er einen Mann in einem kleinen Kahn; der erbot sich, ihn über die Bucht zu fahren. Als aber Sinfiötli im Boot lag, war kein Raum mehr darin; die Leiche ward nun zuerst übergefahren und der König ging die Bucht entlang. Alsbald entschwand der Mann mit dem Nachen seinen Augen; da erkannte Sigmund, dass Odin selbst Sinfiötlis Leiche in Empfang genommen hatte.

Er kehrte heim und verstiess Borghild; bald darauf starb sie.

Hiördis, des Königs Eylimi Tochter, war die schönste und weiseste alter Frauen. Sigmund hörte von ihr und machte sich auf die Reise zu Eylimi. Boten gingen ihm mit seiner Werbung voraus. Eylimi rüstete sich, den Gast geziemend zu bewirten, und soweit er herrschte, befahl er, Sigmund und seine Gefolgen freundlich aufzunehmen.

Als sie nun in Eylimis Halle zum Mahle niedersassen, war König Lyngi, aus Hundings Geschlecht, gekommen und begehrte Hiördis ebenfalls zum Weibe.

Da sprach Eylimi zu Hiördis: "Du bist eine weise Jungfrau; wähle! Wen zu zum Manne willst, den sollst du haben." Sie antwortete: "Ich wähle den Gewaltigsten; das ist Sigmund, obgleich er bejahrt ist." Und Hiördis ward Sigmund gegeben. König Lyngi aber fuhr hinweg. Mehrere Tage wurde die Hochzeit gefeiert; darauf kehrte Sigmund heim, sein Schwäher Eylimi zog mit, und Sigmund waltete nun seines alten Erbes in Hunenland. König Lyngi aber und seine Gesippen sammelten ein grosses Heer; eingedenk ihrer alten und steten Niederlagen im Kampfe mit den Wölsungen, wollten sie nun endlich Sigmund alles heimzahlen. Sie zogen nach Hunenland und sandten Sigmund Kriegsbotschaft; denn sie wollten sich nicht zu ihm stehlen und wussten, dass der Wölsung zum Kampfe kommen würde. Sigmund zog seine Scharen zusammen und ritt in die Schlacht.

Hiördis liess er mit einer Magd und vielen Schätzen in einem Wald in der Nähe der See verbergen. Dort blieben die Frauen während des Kampfes. Ein unermessliches Heer stieg aus den Schiffen Lyngis ans Land, Sigmund hatte ein weit kleineres. Die Banner wurden aufgerichtet, die Hörner gellten! Sigmund liess das Horn, das schon seinem Vater gehört hatte, erschallen. In seinen grauen Haaren stand er stets im Vorderkampf; weder Schild noch Panzer hielt gegen ihn, er schritt kämpfend mitten durch das Heer seiner Feinde. Und so viele Speere und Pfeile auch auf ihn zielten, – ihn traf nicht ein Geschoss. Denn Spâ-Disen (d. i. Schutzgöttinnen) schirmten ihn und man mochte nicht zählen, wie viele Männer vor ihm fielen. Er hatte beide Arme blutig bis an die Achseln.

Da kam ein Mann in die Schlacht, im breiten Hut und dunkelblauen Mantel, einäugig, den Speer in der Hand; der trat Sigmund entgegen und schwang seinen Speer gegen ihn. Kräftig hieb Sigmund zu; sein Schwert traf auf den Speer und – sprang in zwei Stücke. Der Mann verschwand und nun wich der Sieg von dem Wölsung; sein Kriegsvolk fiel in grosser Zahl, auch Eylimi ward erschlagen und an der Spitze seiner Schlachtreihen sank auch König Sigmund wie tot.

Lyngi zog eilends in die Königsburg und dachte, Hiördis zu fangen. Doch weder Frau noch Gut fand er dort. Er verteilte nun Hunenland an seine Mannen und wähnte alle Wölsungen tot und dass er sich nicht mehr vor ihnen zu fürchten hätte.

Hiördis aber ging in der Nacht nach dem Kampf auf die Walstatt und suchte, bis sie Sigmund fand; sie fragte ihn, ob er nicht zu heilen wäre?

"Mancher lebt wieder auf," antwortete er, "bei geringerer Hoffnung, ich aber will sterben. Mir ist das Glück entwichen, seit mein Schwert zerbrochen ist; ich habe gekämpft, so lang es Odin gefiel."

"Lebe! Und räche meinen Vater," antwortete sie.

"Das ist einem andern bestimmt, Hiördis; unserm Sohn, den du unterm Herzen trägst. Und er wird der Herrlichste unsers Geschlechts sein; bewahre die Schwertstücke wohl auf; davon wird ein gutes Schwert geschmiedet, das wird Gram heissen und unser Sohn wird es tragen und sein Name wird leben, solange die Welt steht; das sei dir Trost."

Hiördis sass über ihm, bis er starb; da begann der Tag zu leuchten und sie sah, dass viele fremde Schiffe ans Land kamen. Sie ging zurück in den Wald und vertauschte die Kleider mit ihrer Magd und diese musste sich für die Königin ausgeben. Die Wikinge, die aus den Schiffen ans Land stiegen, sahen die Frauen in den Wald eilen, kamen auf die Walstatt und fanden die vielen Toten. Sie brachten eilig die Kunde ihrem König Alf, dem Sohn Helferichs von Dänemark, der an der Küste vorbeigefahren kam. Er hiess die Frauen aufsuchen und vor sich führen. Die Magd antwortete als Königin und erzählte ihm alles. Und als er nach dem im Walde verborgenen Gut fragte, führte sie ihn an die Stelle. Er liess alles auf sein Schiff tragen, auch die Frauen mussten ihm folgen und er segelte heim in sein Reich.

Nach einiger Zeit fragte ihn seine Mutter: "Warum geht die schönere der fremden Frauen in geringen Kleidern? Mich deucht, dass sie die edlere ist." Alf hegte denselben Verdacht und versuchte sie. Er setzte sich einmal beim Trinken neben die falsche Königin und fragte sie: "Was hattet ihr daheim zum Merkmal für den Tagesanbruch, falls die Nacht zögerte und kein Stern am Himmel stand?"

Sie antwortete: "Ich war gewöhnt in der Jugend, früh morgens Met zu trinken; seitdem wach ich auf um diese Zeit."

Der Königssohn lächelte: "Übel gewöhnt war die Königstochter," und ging zu Hiördis, sie dasselbe fragend. Sie gab den Bescheid: "Mein Vater schenkte mir einen Goldring, der erkaltete mir am Finger bei Tagesanbruch; daran erkenn’ ich die Stunde."

"Da gab es Goldes genug, wo Mägde Gold trugen! – Ihr habt euch lange genug vor mir verstellt; nun will ich dich deiner würdig halten, Hiördis, Königskind; – denn du sollst mein Weib werden." Da gestand sie die Wahrheit und wurde in hohen Ehren gehalten.

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