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Vor der Ehe

Ida Boy-Ed: Vor der Ehe - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorIda Boy-Ed
titleVor der Ehe
publisherVerlag Ullstein & Co
firstpub1915
year1915
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Die Herren traten in ein Zimmer, das vielleicht der Salon der Hausfrau sein konnte. Es schien übervoll von zierlichen Möbeln, und helle Himbeerfarbe drängte sich dem Auge auf. In einem winzigen Sofa und einem Lehnsessel, dessen niedere Rundlehne kaum bis zu den Schulterblättern des Sitzenden ging, nahmen sie Platz, ein Tischchen zwischen sich, auf das Raspe die Mappe legte.

»Die Angelegenheit, Herr Kamerad, ist für Sie und die Ihren nicht ohne Interesse. Ich habe Ihnen etwas zu bringen, das man wohl als Hinterlassenschaft Ihres Herrn Vaters ansprechen darf.«

»Meines Vaters? Sie kannten ihn?«

»Ja. Wenig. Doch meine Mutter hatte die Freude, ihn näher zu kennen ...«

»Ihre Frau Mutter?«

»Sie trafen sich seit Jahren da und dort bei gemeinsamen Freunden, vornehmlich auch seinerzeit bei dem Vetter meiner Mutter, Exzellenz von Eggebeck ...«

»Ach, das ist Ihr Vetter?«

»Gelegentlich sprach Ihr Vater wohl auch bei meiner Mutter vor, die als namhafte Porträtmalerin ja mannigfach das Interesse ihres Kreises genießt.«

»Porträtmalerin?«

Diese Art, rasch hervorgestoßene Fragen ins Gespräch zu streuen, die manche Menschen haben, war Raspe immer unleidlich. Es machte ihn aber nicht nervös, sondern nur ein wenig förmlicher in der Haltung und vielleicht auch etwas trockener im Ton. »Vorigen Montag – ja, gestern vor acht Tagen, besuchte Herr Geheimrat meine Mutter. Er sprach mit ihr davon, daß sie seine Tochter porträtieren solle ...«

»Ach nee? Tulla?«

»Sobald sie das Bild der Fürstin Siegstein vollendet haben würde.«

»Was? Die Fürstin Siegstein?«

»Im Laufe des Besuchs wurde Ihr Herr Vater ganz offenbar von einem ernsten Uebelbefinden befallen. Er bat, daß man ihm ein Auto hole. Ob er nun das Gefühl hatte, ihm könne unterwegs etwas zustoßen – genug, er schien ungern diese Mappe mitnehmen zu wollen und bat meine Mutter, sie ihm aufzubewahren. Gewiß hoffte er, sie am nächsten Tag abholen zu können.«

Der Leutnant Rositz verließ jetzt seine Fragemanie und diesen Tonfall, der etwas Zweifelndes hatte, der immer zu unterstellen schien, daß der andere doch nicht ganz glaubwürdig sei.

»Papa ist dann in der Tat im Auto bewußtlos geworden. Als sein Fahrgast hier vor dem Gittertor nicht ausstieg, sah der Chauffeur mal nach ... na, und alarmierte dann das Haus –«

»Also war seine Vorsicht leider nur zu gerechtfertigt. Wie leicht hätte die Mappe ihm entgleiten, unbeachtet liegen bleiben, abhanden kommen können. Meine Mutter befand sich aber dann in einer peinlichen Lage ...«

»Wieso? In einer peinlichen Lage?«

»Sie wartete. Vielleicht konnte eine Nachricht kommen. Jemand konnte die Mappe holen. Aber niemand kam. Und Donnerstag hörte sie: es sei zu Ende. Sie wartete noch bis zum Tage der Bestattung. Und dann berief sie mich, damit ich der Familie die Mappe übergäbe.«

»Deswegen? Gott, wie umständlich! Warum nicht einfach per Post schicken?«

Und er streckte die Hand nach dem verschnürten und versiegelten Paket aus, das zwischen ihnen auf dem Tisch lag.

»Der wichtige Inhalt verbot es, denn ...«

»Ihre Frau Mutter hat sich mit dem Inhalt beschäftigt?«

»Ich bitte Sie, die Maßnahmen meiner Mutter durchaus zu respektieren,« sagte scharfen Tones Raspe, »sie sind in jedem Fall die richtigen gewesen.«

Leutnant Rositz verbeugte sich höchst verbindlich.

»Die Mappe war nicht verschlossen. Der Inhalt konnte einen Anhalt geben, wohin der Verstorbene sie hatte bringen wollen. Aber es fand sich keinerlei Anhalt, keine Notiz. Nichts. Nicht einmal beweisen kann meine Mutter, daß diese Mappe Ihrem Herrn Vater gehörte. Der Inhalt ist der unpersönlichste von der Welt. Aber er hat doch auch Beweiskraft in sich, durch seine Art ...«

»Beweiskraft?«

»Ja. Es ist nämlich Geld. Preußische Konsols. Dreißig Stück. Im Gesamtwert von einundachtzigtausend Mark.«

Nun öffnete Leutnant Rositz leicht den Mund. Aber keine hastige Frage kam heraus. Er schien ganz verdutzt. Raspe ließ ihm Zeit und setzte förmlich hinzu: »Sie begreifen, daß meine Mutter Wert darauf legte, mich mit dieser Mission zu betrauen.«

»Aber gewiß! Gott, wir sind Ihnen enorm dankbar! Wir hatten schon gesehen aus Abrechnungen, Bankzetteln und so – da mußte noch Geld sein, von dem wir nichts wußten. Ein Depotschein war da – über eine annähernde Summe – Deutsche Bank – ja – aber da mußte mehr sein. – Offenbar – Papa hat die Papiere irgendwo weggeholt, um sie anderswo zu verwahren – Gott ja – wir sind Ihnen enorm dankbar – Ihrer Frau Mutter natürlich in erster Linie auch.«

Das kam alles in raschestem Tempo heraus. Raspe hörte – ein freudiger Ton klang mit und wurde im Laufe der Rede immer deutlicher.– – Wie ihn das verletzte! Seine Aufgabe war zu Ende. Sie hatte sich leicht erledigen lassen. Er erhob sich. Viktor Rositz begleitete ihn hinaus – über den prächtigen Korridor bis zur Garderobe neben der Eingangstür, und Raspe hatte noch eine Menge rasch heruntergehaspelter Verbindlichkeiten hören können, und wie der jüngere Kamerad sich freue, durch diese so ernste und ungewöhnliche Angelegenheit einen scharmanten Kameraden kennen gelernt zu haben. Aber Raspe dachte nur: ob die Schwester nicht noch einmal zufällig des Weges käme ... Nichts rührte sich im Korridor. Da war nur der Diener, den Viktor mit einer Handbewegung in den Hintergrund gescheucht hatte, um Raspe selbst in den Mantel zu helfen.

Mit einer seltsamen Empfindung verlieh er das Haus. Versonnen ging er, fast zögernd, auf die Pforte zu. Und als er am Gitter entlang schritt, sah er sich noch einmal die stattlich heitere Front des weißen Barockbaues an. Da bemerkte er oben an einem Fenster ein weißes Gesicht ... Er grüßte hinauf ... Und er konnte sich selbst nicht begreifen. – Das war ja wie etwas Erwartetes und Schönes.

Seine Mutter war dann wehmütig glücklich, als sie vom Verlauf des Besuches hörte. Raspe verschwieg ihr nicht, daß er die Tochter gesehen und gesprochen habe. Und das feine Ohr der Mutterliebe hörte wohl: es war Interesse in seinem Ton – fast Befangenheit. Sie seufzte in sich hinein. Möglichkeiten stiegen vor ihr auf, die zugleich schon vergingen. – Wünsche blitzten und erloschen. – Ja, wenn der Tod nicht dazwischen gekommen wäre. – Wenn der teure Freund ihr noch die Tochter hätte bringen können – vielleicht, daß Tulla und Raspe sich kennen gelernt hätten – kennen und lieben.– –

Wenn Menschenhänden Macht und Recht würde, die‹ Leben zusammenzuknüpfen, die eine schöne Verbindung bedeuten könnten. –

Aber so geht oft und oft ein Wesen am andern vorüber – man streift sich – staunt einander an – im raschen Blick leuchtet ein Verstehen und Erkennen auf – und schon ist es vorbei. – Man hat keine Möglichkeit und Form, dem andern zu sagen: warte, damit wir uns näher in die Augen sehen können. –

Raspe meinte, die ganze Angelegenheit habe fast etwas Romanhaftes gehabt.

»Ach nein,« sagte seine Mutter, »das Leben bringt so viel seltsamere Dinge zustande, als die Phantasie eines Dichters erfinden darf. Von ihm fordert man unaufhörlich das Wahrscheinliche, Begründete, und die Begrenzung durch Form. Und das Leben selbst ist ein Komponist, der sich in bizarren Anhäufungen von Unwahrscheinlichkeiten und Grausamkeiten gefällt. Bedenk' allein das sinnlose Geben und Nehmen, darin das Schicksal förmlich wie toll ist! Und wie es uns erbittert. Im Roman findest Du doch noch immer etwas, das die Erbitterung lindert und löst – das trägt die Kunst hinein – im Leben ist es nicht.«

Es erging ihr wie allen, die nicht klagen und nicht schwach sein wollen – dann erleichtert es doch das Gemüt ein wenig, wenn man dem Leben seine Grausamkeiten im allgemeinen anschreibt.

Kaum eine Stunde nach Raspes Heimkehr fuhr schon Leutnant Rositz vor. Aber Therese sagte eigenmächtig, aus ihrem Spürsinn heraus, daß die Herrschaften nicht zu Hause seien. Als sie dann die beiden Karten hereinbrachte, nachträglich doch ein wenig besorgt über ihr Handeln, war Sophie zufrieden. Sie sagte sich, es wäre ein qualvoll konventionelles Begegnen gewesen. –

Sie verbrachten dann einen stillen Nachmittag und Abend. Raspe brauchte erst am andern Morgen in seine Garnison zurückzukehren. Und es tat der Mutter doch wohl, sich über ihre nächsten Pläne auszusprechen. Sie wollte ja nach Hamburg, schon in wenigen Tagen. Da hatte sie dann Arbeit und ihren Sohn Allert. Wenn die Hoffnung der Senatorin Amster sich verwirklichte, würden sich in Hamburg mehr Aufträge finden, vielleicht genug für den ganzen Winter. Und Raspe mußte zu Weihnachten hinkommen. Das stand fast vor der Tür – drei Wochen noch. Er sah wohl: seiner Mutter war zumut wie jemand, der sich an einer Daseinswende fühlt. Mit einer unendlichen Melancholie gedachte sie des Verlorenen, aber der neue Abschnitt, karger an Reizen, wie er sein würde und immer bleiben mußte, forderte volle Sammlung von ihr, und sie war entschlossen, sich dazu emporzuringen.

Ja, das ist eine merkwürdige und eigentlich eine furchtbare Stimmung: man steht mit leeren Händen und weiß nicht, ob das Schicksal jemals wieder etwas hineinlegen will, das wert ist, festgehalten zu werden. Man steht ganz einsam, die Welt empfindet man als eine undeutliche Oede um sich herum. Man hat das Gefühl: hoch oben irgendwo ist doch noch Licht und Freude – aber wie soll man da je hinauf gelangen, ohne Hilfsmittel als die eigene Kraft, die ermüdet ist? ...

Dergleichen empfand Sophie.

»Die einzige Freude« sagte sie, »die mir noch werden kann, wäre, wenn Ihr mir liebe Schwiegertöchter brächtet – Allert und Du. Schwiegertöchter, die Glück und Wohlstand ins Haus tragen, ihm neue Blüte und Bestand geben.«

»Wie gern, Mutter,« sprach Raspe lächelnd, »wie gern! Wenn Du mir das Mädchen bringen kannst, das mir Glück garantiert.«

»Garantiert?« rief sie. »Oh – ein Mann wagt. Und erzwingt sich's.«

»Läßt sich Glück erzwingen, Mutter? – Du – Du hattest doch den Willen zum Glück in Deiner Ehe und die tägliche Selbstaufopferung, zu versuchen, ob es sich denn nicht erzwingen lasse ...«

»Still! – Das soll Euch kein Beispiel sein – es gibt doch auch, gottlob, noch schöne, innige Ehen – eine solche ist doch wie vollendetes Menschentum. – Wie sollte es mich beseligen, Euch darin zu sehen! Und über den Wunsch hinaus, über das Verlangen, das Recht, das Eigenleben so voll ausgestalten zu können, gibt's noch viel andere Gründe zum Heiraten. Gibt's die nicht? Denke doch! Der Staat! Jawohl, Dir, mir und dem Volk bist Du's schuldig, zu heiraten.«

Nun mußte Raspe lachen.

»Mutter, geh nicht ins Volkswirtschaftliche! Der Staat – Du kommst mir sozusagen mit Tabellen – schielst nach Frankreich.« –

Wie ihn das amüsierte. »Hast Du schon mal einen Menschen gesehen, der aus Pflichtgefühl gegen den Staat geheiratet hätte?«

Sie mußte auch lächeln. Aber weil sie doch auch gern das letzte Wort haben mochte, sagte sie:

»Das gesteht sich natürlich selten ein Mensch ein und andern wohl nie. Aber als halbbewußte Unterströmung –«

Sie unterbrach sich. Therese kam herein. Und sie hatte schon an der Tür jene ihr eigentümliche Handbewegung, die zugleich Neugier zu wecken und diskret zu beschwichtigen schien. Dann streckte sie auch lächelnd das etwas geneigte Gesicht vor, und Sophie sah es ihr an der Nasenspitze an, daß draußen etwas Ungewöhnliches los sei. Ein verlumpter »Kollege«, der Unterstützung wollte, oder ein ganz hoher Besuch – jedenfalls etwas über, unter oder außer Theresens Taxe vom Normalen.

Ganz nah an den Tisch vorm Ecksofa, wo Mutter und Sohn gemütlich saßen, kam sie heran und berichtete fast flüsternd:

»Es ist 'ne Dame da. Karte hat se keine. Ich sagte, daß jnä Frau woll nicht annimmt – wo wir doch jleich zu Abend essen sollen, – Aber sie bat – ich soll mal fragen – tiefe Trauer trägt sie – ja und dann – es hinge mit Herrn Jeheimrat zusammen, sagt se.« Mutter und Sohn sahen sich an. Sophie dachte: seine Frau?!

Kam sie vielleicht, um ihr selbst noch zu danken? – Wollte sie Fragen stellen? Sich von der letzten Stunde erzählen lassen, die der Verstorbene außerhalb seines Hauses verbrachte?

Aber Raspe dachte: Sie!

»Sie!«

Denn in seiner Gedankenwelt spielte eine Frau des Verstorbenen gar keine Rolle – er kannte nur eine Tochter. –

Was gab es da zu besinnen! Sophie sagte:

»Laß mich allein mit ihr – zuerst – aber komm nach zehn Minuten. – Ich möchte, daß Du sie sähest – mir Dein Urteil sagtest – also ja, Therese, führen Sie die Dame hier herein.«

Herzklopfend stand sie mitten im Zimmer. Oh, sie wußte, nun würde gleich eine sehr, sehr schöne Frau hereinkommen, wunderbar jugendlich erhalten, mit köstlichem braunen Haar, dem in den letzten zwei, drei Jahren ein kupferroter Schimmer gegeben worden war. Sie sah ja diese Frau in ihrer rauschenden, geschmeidigen Eleganz, mit ihren weißen Schultern und dem bandartigen Halsschmuck von Perlen zuweilen auf ganz großen Festen.

Nun kam eine schmale schwarze Gestalt herein, deren Kopf durch einen runden großen Hut von Krepp und einen dichten Schleier ganz versteckt war. Aber gleich wurde der Schleier zurückgeschlagen, und Sophie erriet auf der Stelle: seine Tochter!

Warm wallte in Sophiens Gemüt eine Bewegung auf – Rührung – fast Freude. Am liebsten hätte sie diesem jungen, von Trauerfloren umwallten Geschöpf ihre Arme entgegengebreitet.

Tulla stand und sah sich, noch von der Schwelle her, rasch um – sah, daß der Gobelin, der vor der Türöffnung hing, die zu einem andern Zimmer führte, sich noch ein wenig bewegte, so, als sei dort eben jemand hinausgegangen.

Schon aber war die Frau neben ihr und erfaßte ihre Hand und führte sie förmlich ins Zimmer.

Tulla fühlte ein liebevolles Entgegenkommen.

»Schickt Ihre Mutter Sie zu mir?« fragte Sophie in jenem schonenden Klang, den die Stimme Leidenden und Trauernden gegenüber annimmt.

»Nein – ach Gott – nein – ich bin heimlich hier – ganz allein bin ich gekommen – zu Fuß,« sagte Tulla und nahm den Platz im Ecksofa ein, dabei sah sie unverwandt Frau Sophie ins Gesicht. Und dachte: ach ja – sie sieht gut aus –

»Allein auf der Straße? Heimlich? Und wenn man Sie vermißt?«

»Kein Mensch vermißt mich. Ich hab' Mademoiselle mein rosa Chiffonkleid geschenkt – sie soll Mama sagen, ich liege mit Kopfweh zu Bett – wenn Mama überhaupt nach mir fragt – aber sie wird schon nicht – sie liegt selbst zu Bett – aus Langerweile und liest, und vielleicht muß Mademoiselle ihr Karten legen – das kann Mademoiselle großartig« –

Sie sprach wie ein unreifes Kind – aber nicht im Ton der Klage, sondern in vollkommener Einfachheit, wie von den gewohntesten Zuständen.

»Und was führt Sie her?« fragte Sophie, etwas zurückhaltender – weniger liebevoll – ohne es selbst zu wissen – abwartend und erstaunt.

»Ich mußte Sie etwas fragen. – Ihr Herr Sohn hat heute Viktor was gebracht – ich hab' Ihnen vielleicht auch was zu bringen«– – Sie zögerte einen Augenblick – in einer plötzlichen Verlegenheit – fingerte an dem Bügel ihrer Handtasche – und stieß endlich heraus: »Gehört das Ihnen? Sind die von Ihnen?«

Und sie öffnete ihre Tasche und nahm ein Päckchen heraus ...

Sophie fühlte sich erblassen.

Ihre Briefe. In der Hand seiner Tochter. Tausend Fragen überstürzten sich in ihrem Kopf.

Mit zitternder Hand nahm Sophie das Päckchen.

»Wie kommen Sie dazu, liebes Kind? Und woher wissen Sie ...?«

Das junge Mädchen besann sich ein wenig. Es war so schwer, anzufangen. Sie saß mit geneigtem Kopf. Und da fiel der schwere Krepp wieder herab und hing wie eine Trauerfahne vor ihrem Gesicht. Sophie wollte ihr dann behilflich sein, all diese Schleierüberfülle auf den Hut zurückzuschlagen – dabei waren sich die beiden Gesichter sehr nahe – sie blickten sich in die Augen – in einer scheuen, zärtlichen Neugier ...

Sophie sagte: »Nehmen Sie doch den Hut ab – diesen schrecklichen Hut ...«

Und das junge Mädchen zog gehorsam sofort die Nadeln heraus und legte den Hut auf den nächsten Stuhl, den ihre ausgestreckte Hand erreichen konnte.

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