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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 94
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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33. Genug über die Wunderzeichen. Noch sind uns die Auspicien übrig, und diejenigen Loose, die gezogen werden, nicht die (auch sortes [Loose] genannten Weissagesprüche) die in prophetischer Begeisterung ausgesprochen werden, die wir richtiger Orakel nennen, und über die wir dann sprechen werden, wenn wir auf die natürliche Weissagung kommen. Auch ist noch über die Chaldäer zu sprechen. Doch wir wollen erst über die Auspicien in's Reine kommen. Ein Augur, der gegen sie sprechen will, hat einen harten Stand. Doch vielleicht nur ein Marsischer, ein Römischer ganz und gar nicht. Denn wir Auguren sind keine Leute, die aus der Beobachtung der Vögel und übrigen Vorzeichen die Zukunft prophezeien. Und doch glaube ich, Romulus, der nach Auspicien die Stadt gründete, war wirklich der Meinung, es gebe für die Vorausschauung der Dinge eine Augurenwissenschaft [denn das Alterthum hatte in vielen Stücken falsche Ansichten], die wir nun freilich gegenwärtig durch den Gebrauch, die 931 (gesteigerte) Bildung oder durch das Alter in anderer Gestalt erblicken. Man behält aber, theils um die Vorurtheile des Volkes zu schonen, theils weil es wirklich dem Staate sehr vortheilhaft ist, die Sitte, die religiöse Achtung, die Schule und das Recht der Auguren, nebst dem Ansehen ihres Collegiums bei. Und ich erkläre bestimmt, daß die Consuln P. Claudius und L. Junius allerdings die strengste Bestrafung verdient haben, weil sie gegen die Auspicien absegelten. Denn sie hätten der religiösen Warnung gehorchen, und nicht die vaterländische Sitte so frech verhöhnen sollen. Recht ist also dem Einen geschehen, daß ihm das Volk das Urtheil gesprochen hat, und der Andere hat sich mit Recht selbst den Tod gegeben. Flaminius gehorchte den Auspicien nicht. Darum kam er mit dem Heere um. Aber das Jahr darauf gehorchte Paullus. Ist er darum nicht dennoch in der Schlacht bei Cannä gefallen? Denn gesetzt, es wären auch Auspicien möglich, was ich läugne, so ist wenigstens Das, was bei uns üblich ist, sey es das Tripudium, oder Beobachtungen am Himmel, ein bloßer Schatten von Auspicien, Auspicien keinesweges.

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