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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 92
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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31. Die Gattungen von Wunderzeichen aber haben gar nichts Wunderbares, die, wenn sie geschehen sind, auf irgend eine Weise durch eine Vermuthung gedeutet werden, wie 928 z. B. jene Weizenkörner, die in den Mund des jungen Midas zusammen getragen worden; oder die Bienen, von denen du erzählt hast, sie seyen auf den Lippen des Knaben Plato gesessen. Das sind nicht sowohl wunderbare Erscheinungen, als artige Vermuthungen: die indessen entweder an sich falsch seyn konnten, oder wobei das Vorausgesagte auch reiner Zufall seyn kann. Was vom Roscius erzählt wird, nämlich, daß er von einer Schlange umwunden gewesen, das kann erdichtet seyn; allein daß in der Wiege sich eine Schlange gefunden hat, ist so wunderbar eben nicht, besonders im Solonium, wo sich die Schlangen häufig als Heerde einzufinden pflegen. Denn daß die Haruspices daraus prophezeiten, er werde ein ausserordentlich berühmter und ausgezeichneter Mann werden, da muß ich mich doch sehr wundern, daß die unsterblichen Götter einem künftigen Schauspieler Berühmtheit voraus andeuteten, dem Scipio Africanus aber nicht. Doch du hast ja auch die Flaminianischen Wunderzeichen zusammengestellt. Daß er mit seinem Pferd auf einmal gestürzt ist, darin finde ich nichts Wunderbares. Daß das Feldzeichen des ersten Zuges der Lanzenträger sich nicht herausreissen ließ – nun, da zog eben vielleicht der Adlerträger etwas ängstlich (an dem Schaft) den er recht muthig hineingesteckt hatte. Denn was war denn an dem Pferde des Dionysius zu verwundern, daß es aus dem Flusse wieder herauskam? und daß Bienen an seiner Mähne waren? Aber weil er kurze Zeit darauf zur Alleinherrschaft gelangte, so galt, was zufällig geschehen war, für ein Wunderzeichen. »Aber zu Lacedämon tönten die Waffen im Herculestempel und die Thürflügel [im Tempel] desselben Gottes zu Thebä, die 929 verschlossen gewesen waren, öffneten sich plötzlich von selbst; die hoch oben befestigten Schilde fand man auf dem Boden.« Da von allem Diesem nichts ohne irgend eine Erschütterung geschehen konnte, welchen Grund haben wir denn, hier vielmehr einen göttlichen Einfluß, als einen Zufall anzunehmen?

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