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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 87
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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26. Alle Vermuthung aber, auf die sich die Weissagung stützt, nimmt durch die Individualität der Menschen oft vielerlei und verschiedene oder auch widersprechende Richtungen. Denn wie bei gerichtlichen Verhandlungen die Vermuthung des Anklägers eine andere ist, als die des Vertheidigers, und doch Beide Recht haben können, so findet in allen Dingen, denen man durch Vermuthung auf den Grund zu 918 kommen sucht, etwas Schwankendes und Zweideutiges Statt. Bei Dingen aber, die die Natur oder der Zufall herbeiführt (zumal da auch die Aehnlichkeit zuweilen zu Mißgriffen verleitet), ist es höchst thöricht, die Götter zu deren Urhebern zu machen, ohne nach ihren Ursachen zu fragen. Du glaubst, die Böotischen Seher haben zu Lebadia aus dem Geschrei der Hähne, den bevorstehenden Sieg der Thebaner erkannt, weil die Hähne, wenn sie besiegt seyen, zu schweigen, als Sieger zu krähen pflegen. Also durch Hühner gab Jupiter einem so bedeutenden Staate so ein Zeichen? Schreien denn jene Vögel nie, außer wenn sie gesiegt haben? Aber gerade damals schrien sie, und hatten doch nicht gesiegt. Das ist eben, wirst du erwiedern, das Wunderzeichen. Wahrhaftig ein auffallendes. als ob Fische, nicht Hähne gekräht hätten! Gibt es denn eine Zeit, wo jene nicht krähen, sey es bei Nacht oder bei Tage? Und werden sie, wenn sie Sieger sind, durch Siegesfreude und Lust zum Schreien aufgeregt, so konnten sie auch wohl durch eine andere Lust zum Krähen aufgeregt worden seyn. Democritus erklärt wirklich am besten, warum die Hähne vor Tag krähen. Wenn nämlich die Speise ihnen nicht mehr auf der Brust liege, sondern in den Körper vertheilt und verdaut sey, da lassen sie, wenn sie ausgeruht hätten, ihre Stimme erschallen, und im Schweigen der Nacht, wie Ennius sagt,

Tönen sie günstig aus röthlichem Halse, drücken die Flügel schlagend an.

Da also dieses Thier von selbst so sanglustig ist, wie konnte es dem Callisthenes in den Sinn kommen, zu sagen, die Götter haben den Hähnen den Wink zum Singen gegeben, da Dieß entweder die Natur oder der Zufall hatte bewirken können?

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