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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 82
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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21. Da stellst du sehr ungleiche Dinge zusammen. Die Prognostica und ihre Ursachen hat der Stoiker Boëthus, den du genannt hast, und auch unser Posidonius untersucht, und wenn auch die Ursachen jener Dinge sich nicht ausfinden lassen, so lassen sich doch die Sachen selbst beobachten und wahrnehmen. Aber das Standbild des Natta oder die ehernen Gesetztafeln, die der Blitz getroffen hat, dieses Ereigniß an ihnen ist doch wahrhaftig kein Gegenstand langer Erfahrung und Beobachtung. Die Pinarii Nattä sind von Adel, folglich – droht Gefahr von Seiten des Adels! Das war fein ausgesonnen von Jupiter. Der säugende Romulus ist vom Blitz getroffen, also – droht der von ihm gegründeten Stadt Gefahr. Wie feinsinnig setzt uns Jupiter durch Andeutungen (von der Zukunft) in Kenntniß! »Aber (sagst du) zu derselben Zeit wurde das Standbild des Jupiter aufgestellt, als die Verschwörung angezeigt wurde.« Und du willst dieses Zusammentreffen lieber einer göttlichen Einwirkung, als dem Zufall zuschreiben? Und der Unternehmer, dem jene Säule von den Consuln (Cotta und Torquatus) fertigen zu lassen übertragen war, zögerte damit nicht etwa aus Mangel an Eifer oder an Mitteln, sondern es haben jenen Aufschub bis auf jene Stunde die unsterblichen Götter veranstaltet? Daß Dieß wahr seyn könne, halte ich nicht geradezu für unmöglich; allein ich begreife es nicht, und möchte gern von dir belehrt seyn. Denn da mir schien, als sey Einiges gerade so, 913 wie die Weissagenden es verkündet, eben durch Zufall eingetroffen, sprachst du gar Vieles über den Zufall, z. B. ein Venuswurf könne durch Zufall mit vier Würfeln geworfen werden, aber mit vierhundert Würfeln hundert Venuswürfe – Das sey durch bloßen Zufall nicht möglich. Erstlich begreife ich nicht, warum es nicht möglich seyn sollte. Doch ich streite nicht, denn dir steht eine Menge ähnlicher Fälle zu Gebote. Du bringst auch das Anspritzen von Farben herbei und den Schweinsrüssel und noch gar vieles Andere. So Etwas soll denn auch, nach deiner Angabe, Carneades mit dem Panskopfe vorgegeben haben. Als ob Das sich nicht durch Zufall ereignen könnte, und nicht nothwendig in jedem Marmorblocke Praxiteleische Meisterstücke von Köpfen steckten! denn diese kommen eben durch das Weghauen (von Marmorsplittern) heraus, und hingemacht wird vom Praxiteles nicht das Geringste, sondern wenn recht viel weggehauen ist, und man nun an der Bildung des Gesichtes steht, dann ist wohl klar, daß, was nun in's Feine herausgehauen ist, eigentlich schon darin gewesen. Es kann also so Etwas auch ohne Zuthun der Kunst in den Steinbrüchen auf Chios entstanden seyn. Doch sey Dieß immerhin erdichtet. Aber sage mir, hast du nie Wolken gesehen, die Aehnlichkeit mit einem Löwen oder einem Hippocentauren hatten? Es kann also, was du eben läugnetest, der Zufall mit der Wahrheit zusammentreffen.

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