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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 75
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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14. Das hat sich doch wahrhaftig nicht beobachten lassen, wie ich oben bewiesen habe. Es sind folglich Erfindungen der Kunst, nicht der langen Erfahrung, wenn es je in Beziehung auf unbekannte Dinge eine Kunst gibt. Was haben sie aber für eine Verwandtschaft mit der Natur? Ist diese, wie ich von den Physikern behaupten höre, besonders von Denen, welche eine gänzliche Einheit der Dinge annehmen, durch eine allgemeine Uebereinstimmung in Zusammenhang gesetzt und verbunden, was kann das Weltall für einen Zusammenhang mit dem Finden eines Schatzes haben? Denn deutet mir das Opfereingeweide eine Vergrößerung meines Vermögens an, und ist Dieß ein durch die Natur bewirktes Ereigniß, so stehen erstlich die Eingeweide mit dem Weltall in Verbindung, und dann hängt wieder mein Vortheil mit der Natur der Dinge zusammen. Schämen sich Naturforscher nicht, diese Behauptung auszusprechen? Mag immerhin irgend eine Verwandtschaft der Dinge mit einander in der Natur Statt finden, ich gebe Das zu (denn die Stoiker stellen vieles dergleichen zusammen, sie sagen z. B. um die Zeit des kürzesten Tages wachse den Mäuschen die Leber, der trockene Polei blühe gerade an diesem Tage, es zerplatzen die angeschwollenen Blasen, und die darin eingeschlossenen Samen wenden sich auf entgegengesetzte Seiten; berühre man die Saiten eines Instruments, so klingen andere mit; bei den 904 Austern und allen Schaalthieren treffe es zu, daß sie mit dem Monde zu- und abnehmen, und daß man annimmt, es sey der Winter die beste Jahrszeit um Bäume zu fällen, weil sie zugleich mit dem Mondlicht altern und dann am saftlosesten seyen. Was soll ich noch weiter von Meerengen, von Ebbe und Fluth reden, deren Andrang und Rückgang unter dem Einflusse der Bewegung des Mondes steht? Dergleichen Dinge lassen sich zu hunderten vorbringen, um die natürliche Verbindung von Dingen darzuthun, die mit einander gar nicht in Berührung stehen). All' Das zugegeben, denn dieser Folgerung steht Nichts im Wege; liegt aber in dem in einer gewissen Richtung laufenden Spalt der Leber eine Andeutung, daß ich Etwas gewinnen werde? Aus welcher natürlichen Wahlverwandtschaft, oder Harmonie oder Zusammenstimmung [Griechen nennen Das Sympathie] kann ein Leberschnitt mit meinem elenden Gewinn, oder mein kleiner Gelderwerb mit Himmel, Erde und der Natur zusammenhängen?

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