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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 72
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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11. Du sagtest nämlich, es gebe zwei Gattungen der Weissagung, die natürliche und die künstliche; die letztere fuße theils auf Vermuthung, theils auf langer Beobachtung; die natürliche erfasse oder bekomme der Geist von aussen unmittelbar von der Gottheit, woher wir Alle unsere Seelen, gleichsam Tropfen aus einem Urquell, bekommen hätten. Als Gattungen der künstlichen Weissagung zähltest du ungefähr folgende auf: die Kunst der Opfereingeweide-Schauer und Deren, welche aus Blitzen und Vorzeichen weissagen; dann die der Auguren und Deren, welche aus Anzeichen und Mahnzeichen schließen, und rechnetest hierher 900 überhaupt alle in das Gebiet der Vermuthung laufende Prophezeiung. Die natürliche nahmst du als ein Produkt, gleichsam als einen Erguß, entweder einer Gemüthsaufregung, oder als einen Blick in die Zukunft durch den Traum, bei einer von sinnlichen Eindrücken freien und von Sorgen nicht verstimmten Seele. Du leitetest dabei alle Weissagung aus drei Quellen ab, der Gottheit, dem Schicksal, der Natur. Da du indessen Nichts (theoretisch) zu erklären vermochtest, kämpftest du mit einer Staunen erregenden Masse von Beispielen, die auf Nichts als Erdichtung beruhen. Hierüber vorerst nur Dieß: ich halte es für unphilosophisch, Zeugen zu gebrauchen, die entweder blos zufällig wahr, oder aus böser Absicht falsch und grundlos zeugen können. Mit Beweisen und Gründen muß man lehren, warum jeder Satz wahr sey, nicht aus Ereignissen, besonders (nicht) aus solchen, deren Wirklichkeit ich meinen Glauben zu versagen berechtigt bin.

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