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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 67
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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6. Läßt sich nun von den Dingen, für die es keinen Grund gibt, warum sie erfolgen sollten, irgend ein Vorausahnen annehmen? Denn was Anderes heißt Ungefähr, Zufall, Schicksal, Glück oder Unglück, als wenn Etwas sich so zuträgt, so ereignet, daß es sich entweder hätte nicht zutragen und ereignen, oder anders zutragen und ereignen können? Wie läßt sich nun Das, was ohne Grund geschieht, durch blinden Zufall oder den Unbestand des Glückes vorausahnen oder voraussagen? Ein Arzt sieht durch Vernunftschlüsse voraus, wenn eine Krankheit gefährlicher wird; ein Feldherr feindliche Nachstellungen, Stürme der Steuermann; und doch 893 täuschen sich eben Diese oft, ungeachtet sie Nichts ohne Gründe, deren sie sich recht gut bewußt sind, thun. Der Landmann z. B. erwartet, wenn er den Oehlbaum blühen sieht, er werde auch Früchte sehen, und nicht ohne Grund; aber doch täuscht er sich zuweilen. Täuschen sich nun Diejenigen, die Nichts ohne einen wahrscheinlichen Vermuthungsschluß und ohne Grund sagen, Was muß man von der Vernunft Derjenigen halten, die aus Opfereingeweiden oder Vögeln, oder Vorzeichen, oder Orakelsprüchen, oder Träumen Künftiges vorausdeuten? Ich sage noch nicht einmal, wie so ganz nichtig diese Zeichen sind, ein Schnitt in der Leber, das Gekrächz eines Raben, der Flug eines Adlers, das Schießen eines Sterns, Stimmen [Worte] von Rasenden, Loose, Träume. Ueber jedes dieser Dinge will ich mich am gehörigen Orte verbreiten. Jetzt hierüber im allgemeinen Folgendes: Wie läßt sich voraussehen, daß sich Etwas ereignen werde, was weder irgend einen Grund hat, noch ein Kennzeichen, warum es geschehen werde? Sonnen- und Mondsfinsternisse werden auf viele Jahre von Denen vorausgesagt, welche die Bahnen und Bewegungen der Gestirne berechnen. Denn sie sagen Das voraus, was die Natur in ihrem nothwendigen Gange gewiß zur Erscheinung bringen wird. Sie sehen aus der sich vollkommen gleich bleibenden Bewegung des Mondes, daß er, wenn er der Sonne gegenüber in den dunkeln Schattenkegel der Erde tritt, nothwendig verfinstert werden muß; daß dagegen der Mond, wenn er unmittelbar vor der Sonne und ihr gegenüber steht, unsern Augen ihr Licht verdunkelt; sie sehen in welchem Zeichen und zu welcher Zeit jeder Planet darin seyn, was an jedem Tage für ein Gestirn aufgehen oder 894 untergehen werde. Was aber Die, welche Dieß voraussagen, für einen Grund dazu haben, ist dir klar.

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