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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 66
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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5. Es gibt einen bekannten Griechischen Vers folgenden Sinnes:

Wer richtig schließt, der beste Seher sey er mir.Dieß ist nach Plutarch (de Orac. def. p. 432. C.) ein Vers des Euripides.

Da frage ich denn, wird ein Seher besser schließen, als ein Steuermann, was für eine Witterung bevorsteht? oder wird er die Natur einer Krankheit scharfsinniger erkennen, als ein Arzt, die Führung eines Krieges besser durch Vermuthungsschlüsse verstehen, als ein Feldherr? Allein ich habe wohl bemerkt, Quintus, daß du die Weissagung klüglich aus dem Gebiete der Vermuthungen, wo Kunst und Erfahrenheit anwendbar ist, und derjenigen Dinge, die durch die bloßen Sinne ohne Kunst aufgefaßt werden, hinausgespielt, und folgende Definition von ihr gegeben hast: »Die Weissagung sey die Vorausverkündigung und Vorausahnung derjenigen Dinge, die im Gebiete des Zufalls liegen.« Aber erstlich heißt Das sich im Kreise herum bewegen. Denn das Vorausbemerken des Arztes, des Steuermanns und des Feldherrn geht auch auf zufällige Dinge. Wird also ein Haruspex, oder ein Augur, oder ein Seher, oder ein Träumender besser schließen können, daß entweder ein Kranker davon kommen, oder ein Schiff der Gefahr, oder ein Heer dem Hinterhalte entrinnen werde, als ein Arzt, als ein Steuermann, als ein Feldherr? Nun aber sagtest du, Das gehöre nicht einmal in den Wirkungskreis eines Weissagers, bevorstehende Winde oder Platzregen an gewissen Zeichen zum 892 voraus zu erkennen (bei welcher Gelegenheit du ein Stück aus meiner Uebersetzung des Aratus aus dem Gedächtnisse hergesagt hast); wiewohl gerade diese Dinge zufällig sind, denn sie ereignen sich gemeiniglich, aber nicht immer. Was ist nun, oder in welchem Kreise bewegt sich das Vorausahnen zufälliger Dinge, das du Weissagung nennst? Denn Was sich durch Kunst oder durch Vernunftschlüsse, oder Erfahrung, oder Vermuthung voraus bemerken läßt, Das soll man nach deiner Ansicht nicht Weissagenden sondern Kundigen zutheilen. Und so bleibt denn weiter nichts, als daß man diejenigen zufälligen Ereignisse prophezeien könne, die sich durch keine Kunst noch Geschicklichkeit voraussehen lassen, so daß z. B. Derjenige, welcher dem M. Marcellus, der dreimal Consul gewesen, viele Jahre zum voraus gesagt hätte, er werde in einem Schiffbruche umkommen, wirklich geweissagt hätte. Denn sonst eine Kunst oder Geschicklichkeit hätte ihn Das nicht lehren können. Das Vorausahnen solcher Dinge also, die auf dem Zufalle beruhen, ist Weissagung.

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