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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 63
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2. Das ist das Verzeichniß meiner bisherigen Schriften. Rüstigen Muthes eile ich vorwärts zu dem noch nicht Bearbeiteten, mit dem festen Vorsatze, wofern nicht ein Hinderniß von Wichtigkeit eintritt, keinen Zweig der Philosophie übrig zu lassen, daß er nicht, in die Lateinische Literatur verpflanzt, (meinen Landsleuten) zugänglich würde. Kann ich denn (in meiner gegenwärtigen Lage) ein größeres und besseres Geschenk auf den Altar des Vaterlandes legen, als wenn ich dessen heranwachsende Jugend belehre und bilde? besonders bei dem gegenwärtigen Sittenverderbniß und in einer Zeit, wo sie so tief gesunken ist, daß Vereinigung aller Kräfte nöthig ist, wenn sie gezügelt und gebändigt werden soll. Doch ich rechne gar nicht auf die Möglichkeit (wie denn auch ein solcher Erfolg gar nicht zu verlangen ist), daß alle Jünglinge diese Studien lieb gewinnen. Fänden sich doch nur Wenige! Ihre Thätigkeit wird im Vaterlande einen weiten Spielraum finden. Ich, für meine Person, finde mich für meine 886 Anstrengung auch durch Diejenigen belohnt, welche in schon vorgerücktem Alter meine Schriften genügend finden. Ihr Eifer, mit dem sie sie lesen, spornt meine Lust zum Schreiben täglich mehr; und ich finde, daß deren Mehrere sind, als ich vermuthete. Auch Das gereicht uns zur Ehre, und erhöht den Ruhm der Römischen Nation, wenn sie es einmal dahin gebracht hat, die Griechischen Schriften im Fache der Philosophie entbehren zu können. Und dahin bringe ich es sicher, wenn ich meinen Plan vollends ausführe. Mich hat nun einmal das große Unglück unseres Vaterlandes auf die Philosophie und deren schriftliche Darstellung geworfen, da ich während der Bürgerkriege weder dem Staate auf meine gewohnte Weise mit Erfolg dienen, noch müßig bleiben konnte, und doch auch nichts Besseres, das meiner würdig wäre, zu thun wußte. Meine Mitbürger werden mir also verzeihen, oder vielmehr es mir Dank wissen, daß ich, da der Staat in der Gewalt eines Einzigen war, mich nicht ganz zurückzog und alle [Thätigkeit für das Gemeinwohl] aufgab, daß ich nicht ganz trostlos wurde, und mich nicht so betrug, als wäre ich über den Mann und die Zeiten erbittert, und daß ich doch dabei weder irgend Jemanden geschmeichelt oder sein Glück so herrlich gefunden habe, daß ich das meinige nicht hätte gern ertragen wollen. Denn so viel hatte mich mein Plato und das Studium der Philosophie gelehrt, daß es im Leben der Staaten nach dem Gange der Natur gewisse Perioden gibt, so daß sie das einemal die Vornehmen an der Spitze haben, dann wieder die Regierung in den Händen des Volkes, ein anderesmal in den Händen Einzelner ist. Da sich nun der letztere Fall in unserem Vaterlande ereignet hatte, 887 begann ich, da es in meinem frühern Wirkungskreise für mich nichts mehr zu thun gab, mich auf's neue auf diese Studien zu legen; theils, weil ich gerade sie für am besten geeignet hielt, mein Gemüth vom Gram zu entlasten, theils weil ich zugleich meinen Mitbürgern auf diese mir allein noch mögliche Weise nützen zu können gedachte. Hatte ich vorher mündlich abgestimmt und Reden an das Volk gehalten, so mußten für das nun meine Bücher einstehen, und ich betrachtete jetzt die Philosophie als mein eigentliches Geschäft, statt der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten. Gegenwärtig, da man mich über den Staat (wieder) zu Rathe zu ziehen begonnen hat, muß ich dem Staate meine Thätigkeit widmen, oder vielmehr all' mein Denken und Sorgen auf ihn richten, und diesem Studium (der Philosophie) darf ich nur die mir von öffentlichen Geschäften und meinem Amte frei bleibende Zeit widmen. Doch hierüber ein andermal ausführlicher; jetzt zurück zu der begonnenen Untersuchung.

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