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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 55
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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53. Dasselbe Walten des göttlichen Geistes bewirkt auch bei den Vögeln, daß die mit bedeutsamem Fluge bald daher bald dorther ihren Flug nehmen, bald auf dieser bald auf jener Seite sich entfernen, und die, deren Stimmen bedeutsam sind, sich bald von der rechten, bald von der linken Seite hören lassen. Denn wenn jedes Thier mit vollkommener Freiheit seinen Körper bewegt, vorwärts, schräg, rücklings; wenn es seine Glieder in jeder ihm beliebigen Richtung biegt, dreht, streckt, einzieht; und das fast eher verrichtet, als es den Vorsatz dazu faßt: um wie viel leichter ist Dieß Gott, dessen mächtigem Winke Alles gehorcht? Er sendet uns theils Vorzeichen der Art, dergleichen uns die Geschichte viele aufbewahrt hat: wie wir denn z. B. lesen, wenn kurz vor Sonnenaufgang der Mond im Zeichen des Löwen verfinstert würde, so werde Darius und die Perser von Alexander und den Macedoniern überwunden werden, und Darius das Leben verlieren; und wenn ein Mädchen mit zween Köpfen geboren würde, so werde eine Entzweiung im Volke entstehen, Verführung und Ehebruch im Hause; und wenn ein Weib im Traume einen Löwen gebären würde, so werde der Staat, in dem es sich ereigne, von fremden Nationen überwunden werden. Hierher gehört auch der Fall, den wir bei Herodotus lesen, daß der stumme Sohn des 872 Krösus auf einmal gesprochen habe: durch welches Vorzeichen die gänzliche Vernichtung des Reiches und des Hauses seines Vaters verkündigt worden sey. Und steht nicht in allen unsern Geschichtschreibern, daß sich einmal um das Haupt des Servius Tullius ein Feuerschein gezeigt habe? Wie nun Dem, welcher sich mit einem durch gute Gedanken vorbereiteten Gemüthe, und wenn sonst Alles so beschaffen ist, daß es die ruhige Stimmung begünstigt, zur Ruhe begibt, im Schlafe wahre und zuverläßige Gesichte vorkommen; so ist auch ein unbeflecktes und reines Gemüth eines Wachenden zur Erkenntniß der wahren Bedeutung der Gestirne, der Vögel und der übrigen Anzeichen, auch der Opfereingeweide, aufgelegter.

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