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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 54
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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52. Allein man muß meines Erachtens unterscheiden, auf welche Weise es geschieht. Die Stoiker nämlich lassen nicht gelten, daß bei jedem einzelnen Leberspalt, bei jeder Stimme eines Vogels, die sich hören läßt, sich eine göttliche Einwirkung offenbare. Dieß wäre weder schicklich, noch der Götter würdig, noch auf irgend eine Weise möglich. sondern [sie sagen], es liege in der ursprünglichen Einrichtung der Welt, daß bestimmten Ereignissen bestimmte Andeutungen vorangehen, theils bei den Opfereingeweiden, theils bei den Vögeln; andere bei den Blitzen, andere bei Erscheinungen, 870 andere bei den Sternen, andere in den Gesichten der Träumenden, andere in den Aussprüchen der Rasenden. Wer diese Dinge richtig versteht, täuscht sich selten. Fehlerhafte Vermuthungen und schlechte Deutungen trügen freilich, nicht weil die Andeutungen falsch, sondern weil die Ausleger ungeschickt sind. Ist aber Dieß zugestanden, und steht es fest, daß es eine göttliche Kraft gebe, die über dem Menschenleben waltet; so hat es keine Schwierigkeit, bei Dem, was wir nun einmal wirklich sich ereignen sehen, auf das Wie und Warum zurückzuschließen. Denn schon bei der Wahl des Opferthieres kann ein gewisses durch die ganze Welt verbreitetes Allgefühl leiten; und dann kann, wenn man nun zu opfern im Begriff ist, gerade eine Veränderung in den innern Theilen des Thieres vorgehen, so daß entweder etwas fehlt, oder zu viel ist: denn es kostet nur einen kleinen Anstoß, so bildet die Natur Manches an, gestaltet es um oder nimmt etwas weg. Um uns hierüber allen Zweifel zu benehmen, mag uns schon Das als ein höchst auffallender Beweis dafür gelten, was kurz vor Cäsars Ermordung sich ereignet hat. Als Dieser nämlich an dem Tage, an dem er zum erstenmale auf dem goldenen Sessel saß, und im Purpurgewande ausging, opferte, fand sich in dem fetten Opferstiere kein Herz. Meinst du nun, es sey möglich, daß irgend ein Thier, das Blut in sich hat, ohne Herz leben könne? Das Ungewohnte dieses Ereignisses fiel ihm auf, und Spurinna sagte, es sey zu besorgen, daß Rath und Leben miteinander ausgehe: denn Beides gehe vom Herzen aus. Am folgenden Tage fand sich an der Leber [des Opferthiers] kein Kopf. Diese Winke gaben ihm die unsterblichen Götter, 871 um ihm seinen bevorstehenden Untergang anzukündigen, nicht um ihn zu veranlassen, demselben zu entgehen. Wenn sich nun solche Theile in den Opfereingeweiden nicht finden, ohne welche das Thier nicht hätte leben können, so ist nichts Anderes zu denken, als daß die fehlenden Theile gerade unter dem Opfern verschwunden sind.

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