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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 52
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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50. Vieles merken die Aerzte, Vieles die Steuerleute, Vieles auch die Landleute voraus: aber das Alles nenne ich keine Weissagung, nicht einmal den Fall, als der Naturforscher Anaximander die Lacedämonier warnend ermahnte, sie sollten ihre Stadt und ihre Häuser verlassen und im Freien campiren, weil ein Erdbeben bevorstände: zu der Zeit nämlich, als wirklich die ganze Stadt zusammenstürzte, und von dem Berge Taygetus das äußerste Ende, wie das Hintertheil eines Schiffes, losbrach. Auch dem berühmten Pherecydes, dem Lehrer des Pythagoras, gebührt nicht sowohl der Name eines Sehers, als eines Naturforschers, weil er aus der Betrachtung des aus einem lebendigen Brunnen geschöpften Wassers ein bevorstehendes Erdbeben prophezeite. Auch regt sich in der menschlichen Seele nie die natürliche Weissagungsgabe, außer wenn sie so ganz fessellos und ledig ist, daß sie außer aller Verbindung mit dem Körper steht. Dieß ist der Fall bei [begeisterten] Sehern oder bei Schlafenden. Deswegen läßt auch Dicäarchus diese zwo Gattungen [der Weissagung] gelten, und, wie gesagt, unser Kratippus. Thun sie Dieß deswegen, weil beide unmittelbar natürlich sind, so mögen diese Arten für die bedeutendsten gelten; nur behaupte man nicht, sie seyen die einzigen. Glauben sie aber der Beobachtung gar keinen Werth [in dieser Hinsicht] beilegen zu 867 dürfen, so heben sie Vieles auf, das mit dem wirklichen Leben in der engsten Verbindung steht. Es sehen also auch Diejenigen, deren Seelen sich mit Gewalt vom Körper losreißen, und sich ganz außer ihn versetzen, von einer gewissen innern Glut entflammt und aufgeregt, wirklich Das, was sie prophetisch voraus verkündigen; und solche Seelen, die außer Verbindung mit dem Körper treten, werden von manchen Dingen in Begeisterung versetzt, wie Diejenigen, welche durch die Wirkung gewisser Töne oder durch Phrygische Musik außer sich gesetzt werden. Viele fühlen sich in Hainen und Wäldern, Viele auf Strömen und Meeren aufgeregt, und ihr von Begeisterung ergriffener Geist, sieht das Künftige lange zuvor voraus. Zu dieser Art von Weissagungen gehört folgendeAus einem unbekannten Römischen Tragiker.:

Seht, seht! O weh! entschieden hat ein großer Spruch:
    Drei Göttinnen stritten um Schönheitsrang.
    Der Spruch führt eine Spartanerin her:
    Bald kommt sie, und wird zur Furie uns.

Auf gleiche Weise nämlich ist von Begeisterten oft Vieles vorausgesagt worden, und nicht blos mit Worten, sondern auch in

Versen, wie vormals Faunen und Schicksalsprecher gesungenIst der zweite Vers aus dem 7ten Buche der Annalen des Ennius..

Auf ähnliche Weise sollen auch die Seher Marcius und Publilius geweissagt haben. Von dieser Art von Orakelsprüchen sind die Geheimnisse des Apollo, die man bekannt gemacht hat. Ich glaube, es hat auch gewisse Aushauchungen der 868 Erde gegeben, durch welche begeistert die Seelen [der Seher] Orakel ergossen.

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