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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 49
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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47. Soll ich mich auch noch über die Auguren verbreiten? Das steht dir zu; ja du mußt eigentlich dich zum Vertheidiger der Auspicien aufwerfen. Hat dir ja, als du Consul warst, der Augur Appius Claudius gemeldet, als das Augurium über die [Staats-] Wohlfahrt zweideutig ausgefallen war, es werde ein einheimischer Krieg, voll Jammer und Verwirrung entstehen: und dieser brach wirklich nach wenigen Monaten aus, wurde jedoch von dir in noch wenigern Tagen gedämpft. Auf dieses Augurs Aussprüche 862 halte ich sehr viel. Denn er allein seit einer langen Reihe von Jahren besaß die Kunst, nicht blos das Augurium herabzuleiern, sondern wirklich die Zukunft zu erschauen. Zwar verlachten ihn deine Collegen, und hießen ihn bald einen Pisidischen, bald einen Soranischen Augur: und da ihnen vorkam, als liege in den Augurien oder Auspicien keine Ahnung des künftig Zutreffenden, so sagten sie, diese religiösen Gebräuche seyen von schlauen Köpfen ersonnen worden, um die Unkundigen am Gängelbande ihres Aberglaubens zu leiten. Daran ist aber gar nicht zu denken. Denn weder jene Hirten, an deren Spitze Romulus stand, noch Romulus selbst, waren solcher Schlauköpfigkeit fähig, daß sie, um das Volk irre zu leiten, religiöse Gaukelspiele ersonnen hätten. Aber die Schwierigkeit und die Anstrengung, die es kostet, diese Kunst zu lernen, hat Die, welche sie vernachläßigen, zu ihren beredten Gegnern gemacht. Denn sie wollen sich lieber breit darüber herauslassen, es sey gar Nichts an den Auspicien, als lernen, was denn an ihnen ist. Oder gibt es ein prophetischeres Auspicium, als das, welches du selbst in deinem Marius schilderst? Ich lasse dich am liebsten selbst für die Sache sprechenAußer dieser Stelle hat man von dem Gedichte Cicero's, Marius, nur noch ein Paar Verse.

Sieh, der beschwingte Trabant des hochherdonnernden Gottes,
Schnell von dem Stamme des Baums; durch den Biß der Schlange verwundet,
Würget das Unthier gleich, es mit grimmigen Krallen durchbohrend,
Wie es sich windet, zerfleischt er es ganz mit dem Schnabel zerhackend;
863 Als er den Grimm nun gekühlt und die quälenden Schmerzen gerächt hat,
Wirft er es weg, wie es stirbt, und schleudert zerfetzt es ins Meer hin;
Hebt dann vom Abend sich weg zu der strahlenden Seite des Aufgangs,
Als ihn mit eilendbedeutsamem Flug, und in sinkendem Schweben
Marius sah, ein Augur von göttlichbegeisterter Sehkraft,
Eigenen Ruhms Vorzeichen erkennend darin und der Heimkehr:
Donnerte Jupiter selbst zur linken Seite des Himmels,
Also bestätigt der Vater des Adlers herrliches Omen.

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