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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 47
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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45. Oft ließen auch in Schlachten Frauen ihre Stimme vernehmen, und bei gefährlichen Umständen soll man prophetische Stimmen aus verborgenen Orten vernommen haben. Von der Art sind folgende zwei sehr wichtige Fälle, die ich aus einer großen Zahl anderer aushebe. Kurz vor der Einnahme der Stadt ließ sich vom Haine der Vesta aus, der sich vom Fuße des Palatinischen Berges gegen die neue Straße herabzieht, eine Stimme hören; man solle Mauern und Thore ausbessern; ohne diese Vorsichtsmaßregel werde Rom eingenommen werden. Man beachtete Dieß nicht, als das Unglück noch verhütet werden konnte; brachte aber dafür, erst nach jenem so verderblichen Schlage, Sühnopfer. Es wurde nämlich dem Ajus Loquens der noch stehende umzäunte Altar jenem Orte gegenüber geweiht. Der zweite Fall ist die Nachricht, die sich bei vielen Schriftstellern findet, es habe sich einmal bei einem Erdbeben eine Stimme aus dem auf dem Capitolischen Berge stehenden Junotempel hören lassen: man soll zum Sühnopfer ein trächtiges Schwein darbringen. Davon habe denn die in jenem Tempel verehrte Juno den Beinamen Moneta [Warnerin] erhalten. Doch nicht nur 860 auf [warnende] Götterstimmen achteten die Pythagoreer, sondern auch auf Menschenstimmen, und diese heißen sie omina. Und weil unsere Vorfahren sie für bedeutsam hielten, so brauchten sie bei'm Anfange jeder Unternehmung die Formel: Möge das zum Guten, zum Segen, zum Heil und zum Glücke gereichen: bei öffentlichen Opfern wurde die Formel ausgesprochen: Wahret die Zunge! und wenn Ferien angesagt wurden: Man enthalte sich alles Streites und Haders! Bei der Lustration einer Colonie pflegte Der, welcher sie zu führen hatte, so wie, wenn der Heerführer dieselbe religiöse Feierlichkeit bei dem Heere, der Censor bei'm Volke verrichtete, zu Führern der Opferthiere Leute mit glückbedeutenden Namen zu wählen. Gerade darauf sehen die Consuln bei der Truppenaushebung, daß der zuerst aufgerufene Soldat einen günstigen Namen habe. Und du weißt wohl, daß du selbst als Consul und Oberfeldherr diese Sitte mit der größten Gewissenhaftigkeit beobachtet hast. Auch beobachteten unsere Vorfahren den Namen der Tribus, die zuerst zum Stimmen kam, als ein Omen bei gehörigen Auspicien.

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