Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Marcus Tullius Cicero >

Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 45
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

43. Wer bemerkt aber nicht, daß gerade in den am besten eingerichteten Staaten die Auspicien und die übrigen Gattungen der Weissagung den meisten Einfluß gehabt haben? War je ein König oder ein Volk, die nicht göttliche Weissagungen zu Rathe gezogen hätten? und Dieß nicht blos im Frieden, sondern weit mehr noch im Kriege, je mehr im Kampfe das Staatswohl bedroht war. Ich übergehe Fälle aus unserer Geschichte, da man ja bei uns von je her im Kriege Nichts unternimmt, ohne die Eingeweide der Opferthiere zu befragen, Nichts ohne vorher Auspicien zu haltenNach der Lesart des Uebersetzers. Nach der gewöhnlichen kommt dazu: Nichts von innern Staatsverhandlungen.. 856 Werfen wir einen Blick auf das Ausland. Die Athener haben bei allen öffentlichen Berathungen immer weissagende Seher zugezogen, die sie Mantis [μάντεις] nennen; die Lacedämonier gaben ihren Königen einen Augur zum Beisitzer, und auch im Rathe der Alten (so hieß bei ihnen die berathende Behörde) mußte ein Augur sitzen, überdieß holten sie auch in Angelegenheiten von besonderer Wichtigkeit jedesmal den Rath des Orakels zu Delphi, oder des Jupiter Hammon, oder zu Dodona ein. Lykurgus, der die Lacedämonische Staatsverfassung einrichtete, ließ sogar seine Gesetze durch das Ansehen des Delphischen Apollo bestätigen; und als Lysander sie ändern wollte, scheiterte sein Plan an der religiösen Achtung vor diesem Ausspruche. Ja die obersten Staatsbehörden der Lacedämonier begnügten sich nicht, blos wachend für den Staat zu sorgen, sondern schliefen auch [zuweilen] in dem Tempel der PasiphaeUeber die Pasiphae S. Creuzers Symbolik und Mythologie IV. p. 85–88. des Uebersetzers Auszug S. 742. f. Nitschs Mytholog. Wörterb. umgearb. von Klopfer II. S. 424., der in der Nähe der Stadt auf dem Felde steht, um [prophetische] Träume zu erhalten, weil sie die Eingebungen, die sie [dort] im Schlafe bekamen, für zuverläßig hielten. Doch zurück auf Rom. Wie oft mußten nicht die Decemvirn auf Befehl des Senats in den [Sibyllinischen] Büchern nachschlagen. In was für wichtigen Fällen und wie oft befolgte nicht der Senat, was die Haruspices ausgesprochen hatten! Dieß geschah ja, als man einmal zwo Sonnen erblickt hatte, als sich drei Monde, als sich Fackeln am Himmel zeigten. als man die Sonne bei Nacht sah, als man am Himmel ein Getöse vernommen 857 hatte, als einmal der Himmel sich zu spalten schien, und man an ihm [Feuer-] Kugeln gewahr wurde. Auch wurde dem Senat der Erdfall im Gebiete von Privernum vorgetragen, als sich dort der Boden in eine ungeheure Tiefe gesenkt hatte, und Appulien von gewaltigen Erdstößen erschüttert worden war: lanter Vorzeichen, die dem Römischen Volke schwere Kriege und verderbliche Bürgerzwiste verkündigten. Und in allen diesen Fällen traf, was die Haruspices antworteten, genau mit den Versen der Sibyllinischen Bücher zusammen. Und als das Apollobild zu Cumä schwitzte, das der Victoria zu Capua; als ein Zwitter geboren wurde: war Das nicht eine Ankündigung großen Mißgeschickes? Als ein Strom von dunkelem Blute geschwärzt floß, zuweilen ein Blutregen, ein anderesmal ein Erdregen, einmal auch ein Milchregen sich ergoß; als der Centaur auf dem Capitolium vom Blitze getroffen wurde, auf dem Aventinischen Berge Thore und Menschen, zu Tusculum der Tempel des Castor und Pollux, zu Rom der der Pietas: prophezeiten da nicht die Haruspices Das, was wirklich erfolgte, und fanden sich nicht in den Büchern der Sibylla dieselben Weissagungen?

 << Kapitel 44  Kapitel 46 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.