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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 41
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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39. Das ist die Beweisführung des Chrysippus, des Diogenes und des Antipater. Haben wir also Grund, in die vollkommenste Wahrheit meiner bisherigen Darstellung einen Zweifel zu setzen? Wenn die Vernunft auf meiner Seite ist, überdieß die Ereignisse, die Völker, die Nationen, die Griechen so gut, wie die Barbaren, ferner unsere Vorfahren: wenn überhaupt Dieß immer für wahr gegolten hat, und zwar bei den größten Philosophen, bei den Dichtern, bei den weisesten Männern, welche Staaten gegründet und Städte erbaut haben; wollen wir dann noch warten, bis selbst die 850 Thiere reden? begnügen wir uns nicht mit dem übereinstimmenden Vorgange der Menschheit? Auch bringt man wirklich sonst keine Gegengründe vor, warum die von mir angegebenen Arten der Weissagung nichtig seyen, außer, daß sich eben der Grund und die Ursache jeder Weissagung nicht wohl angeben lassen. Denn was hat der Haruspex für einen Grund, warum ein Schnitt in der Lunge auch bei sonst günstigen Zeichen der Eingeweide, ein Vorhaben hemmt und es aufzuschieben nöthigt? was der Augur, daß von der rechten Seite ein Rabe, von der linken eine Krähe ein Unternehmen begünstigt? was der Sternkundige, daß der Jupiter oder die Venus, mit dem Monde vereinigt, bei der Geburt der Kinder günstig, die Vereinigung des Saturnus oder des Mars mit demselben ungünstig seyn soll? Warum sollte aber die Gottheit die Menschen, wenn sie schlafen, über die Zukunft belehren, und, wenn sie wachen, sie vernachläßigen? Und wie kommt es denn endlich, daß Cassandra im Wahnsinn die Zukunft voraussieht, und Priamus mit seiner Weisheit Dieß nicht vermag? Du willst also wissen, warum das Alles geschehe? Vernünftige Frage. Aber darum handelt sich's jetzt nicht. Das ist die Frage, ob diese Dinge wirklich geschehen oder nicht. Wie wenn ich z. B. sage, der Magnet sey ein Stein, der Eisen an sich locke und anziehe, und dir den Grund dieser Erscheinung nicht angeben könnte, würdest du darum die Thatsache überhaupt läugnen? Aber so machst du es bei der Weissagung, die wir doch selbst üben sehen, von der wir hören, lesen, und die von unsern Vätern auf uns vererbt ist. Auch hat in der Welt, ehe die Philosophie, eine Erfindung der neuern 851 Zeit, aufgekommen ist, Niemand daran gezweifelt: und selbst seit die Philosophie in's Leben getreten ist, hat kein Philosoph von einiger Bedeutung eine andere Ansicht davon gehabt. Von Pythagoras, von Democritus, von Socrates habe ich gesprochen, außer Xenophanes habe ich von den Alten Keinen ausgenommen; ich ließ dann die alte Academie, die Peripatetiker, die Stoiker auftreten. Epicurus allein widerspricht. Was verschlägt Das? Das ist eine Kleinigkeit für einen Mann, der schändlich genug war, zu behaupten, daß alle Tugend auf Eigennutz beruhe?

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