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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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2. Es beschränkte sich aber der Gebrauch der Weissagekunst im öffentlichen Leben und im Privatleben nicht blos auf einen Zweig derselben. Denn wie viele Arten (um jetzt der übrigen Völker nicht zu gedenken) hat nur unser Volk bei sich eingeführt! Gleich bei der Gründung Roms soll ja der Stifter unseres Staates, Romulus, nicht blos unter Leitung von Auspicien die Stadt gegründet haben, sondern selbst ein ausgezeichneter Augur gewesen seyn. Der Augurien bediente sich darauf die ganze Reihe der Könige nach ihm, und seit der Ausrottung des Königthums [durch Verbannung der letzten Königsfamilie] wurde keine 798 Staatsangelegenheit abgethan, es mochte im Frieden oder im Kriege seyn, ohne daß man die Auspicien zu Rathe zog. Und da man die vermittelst derselben veranstalteten und berathenen Geschäfte, so wie die Auslegung und Sühne bedrohlicher Vorzeichen besonders durch die Kunst der Haruspicien bedeutend gefördert glaubte, so nahm man diese Kunst in ihrem ganzen Umfange von den Hetruriern an, um nur überzeugt seyn zu können, auch nicht eine Gattung der Weissagekunst vernachläßigt zu haben. Da nun nach der Ansicht unserer Vorfahren, die Seele auf eine gedoppelte Weise, ohne Zuthun einer Verstandesthätigkeit oder wissenschaftlichen Erkenntniß, durch von ihr selbst ausgehende und unabhängige Bewegung oder Anregung sich ergriffen fühlt, nämlich durch eine an Wahnsinn gränzende Begeisterung und durch das Träumen, so betrachteten sie als begeisterte Weissagung vorzüglich die in Versen abgefaßten Sibyllinischen Sprüche, und bestimmten zur Deutung derselben zehen auserlesene Bürger. Als zu derselben Gattung gehörend glaubten sie auch oft die im Zustande der Raserei ausgesprochenen Prophezeiungen der Wahrsager und Seher berücksichtigen zu müssen, z. B. die des Cornelius Culleolus im Octavianischen KriegeIm Jahre Roms 666. Der Consul Octavius von der Sullanischen Partei kämpfte, während Sulla gegen den Mithridates zu Felde lag, gegen den Cinna und Marius.. Aber auch bedeutsame Träume, wenn sie in Beziehung mit dem Staate zu stehen schienen, wurden von der obersten Staatsverwaltungsbehörde nicht unbeachtet gelassen. Hat doch noch in neuerer Zeit, deren wir sogar uns erinnern, 799 L. Julius, als er neben dem P. Rutilius die Consulwürde bekleidete, dem Ansinnen des Senats zu Folge aus Veranlassung eines Traumes der Tochter des Balearicus, Cäcilia, den Tempel der Juno Sospita wiederhergestellt.

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