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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 38
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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36. Es werden auch wirklich auf Muthmaßung gegründete Weissagungen von Kundigen ertheilt. Jenem Phrygier Midas trugen einmal, als er noch Knabe war, wie er schlief, Ameisen Weizenkörner in den Mund. Da wurde ihm geweissagt, er werde ausserordentlich reich werden. und Dieß traf auch ein. Dem Plato wurde, als sich ihm in frühester Kindheit Bienen auf die Lippen gesetzt hatten, prophezeit, er werde sich durch Anmuth der Rede auszeichnen. So wurde schon an dem Kinde die künftige Beredsamkeit zum voraus erblickt. Und was sagst du von deinem Lieblinge Roscius, den du so über Alles hochschätzest; hat er, oder ihm zu Liebe ganz Lanuvium gelogen? Als Dieser noch ein Wiegenkind war, und in Solonium, einer Gegend des Lanuvinischen Gebietes, erzogen wurde, bemerkte seine Amme des Nachts bei'm Lichte, wie sich um den schlafenden Knaben eine Schlange gewickelt hatte. Vor Schrecken über diesen Anblick schrie sie laut auf. Der Vater des Roscius befragte die Haruspices über den Vorfall; und Diese erwiederten ihm, der Knabe werde einmal ganz vorzüglich berühmt und ausgezeichnet werden. Diesen Vorfall hat Pasiteles in Silber in erhobener Arbeit vorgestellt, und unser Freund ArchiasEin Dichter. Auch für ihn hielt Cicero eine Rede. Man hat unter seinem Namen noch eine Anzahl Griechischer Epigramme. in einem Gedichte verewigt. Worauf warten wir denn nun noch? Etwa bis die unsterblichen Götter mit uns auf dem Forum 847 oder gar auf den Straßen umherwandeln, oder uns zu Hause besuchen? Persönlich erscheinen sie uns freilich nicht: aber ihre Wirksamkeit verbreiten sie waltend überall hin, sie schließen sie theils in die Tiefen der Erde ein, theils verweben sie sie mit Menschennaturen. Denn die Kraft aus der Erde begeisterte sonst die Pythia zu Delphi; die Naturanlage die Sibylle. Sehen wir denn nicht offenbar, was für verschiedene Arten des Bodens es gibt? Die (Dünste des) einen sind gar tödtlich, wie zu Ampsanctus im Hirpinerlande und in Asien die Plutonien,S. Chandlers Reisen in Kleinasien, Cap. 69. die ich selbst gesehen habe. Dann gibt es wieder Gegenden, die ungesund, andere, die heilsam sind; einige bringen talentvolle Köpfe hervor, andere stumpfe. Von Allem dem ist Ursache die Verschiedenheit des Clima's und die verschiedene Ausdünstung der Erde. Oft wird auch der Geist durch irgend eine Erscheinung, oft durch bedeutungsvolle Stimmen und Musik in ausserordentliche Bewegung gesetzt, oft auch durch Sorge und Furcht; wie jene,

Erregt im Herzen, sinnverwirrt, von bacchischer Wuth
Ergriffen, unter Gräbern rufend: Teucer,Aus dem Teucer des Pacuvius. komm.

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