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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 30
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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28. Gibt es etwas prophetischeres, als diesen Traum? Doch wozu suchen wir mehrere oder entferntere auf? Oft habe ich ja dir meinen Traum erzählt, oft du mir den deinigen. Ich sah dich, da ich als Proconsul in Asien stand, im Traume an das Ufer eines großen Flusses hinreiten, 834 plötzlich mit einem Schritte in den Fluß hinabsinken, und unsichtbar werden. Da bebte ich vor Schrecken zusammen; aber auf einmal kamst du freudig wieder zum Vorschein, rittest auf demselben Pferde an's andere Ufer hinauf, und wir umarmten einander. Die Bedeutung dieses Traumes ist leicht zu errathen; auch haben mir geschickte Erklärer in Asien vorausgesagt, es werden sich die Ereignisse so gestalten, wie sie wirklich erfolgt sind. Ich komme jetzt auf deinen Traum, den du mir zwar auch selbst erzählt hast, öfter aber unser Sallustius. Als du auf jener für uns ehrenvollen, für das Vaterland unheilvollen Flucht auf einem Landhaus des Atinischen Gebietes übernachtetest, und einen großen Theil der Nacht durchwacht hattest, seyest du endlich gegen Tag in einen tiefen und schweren Schlaf gefallen. Er (der Freigelassene, Sallustius) habe deßwegen, wiewohl die Reise Eile hatte, doch Alles still seyn heissen und dich nicht aufwecken lassen. Als du aber um die zweite Stunde nach Sonnenaufgang erwacht seyest, habest du ihm erzählt, es habe dir geträumt, du seyest in einer einsamen Gegend traurig umhergeirrt. da sey dir C. Marius erschienen, Fasces, mit einem Lorbeerkranze umwunden, in der Hand, und habe dich gefragt, warum du traurig seyest. Auf deine Antwort, du seyest gewaltsam aus dem Vaterlande vertrieben worden, habe er dich bei der Rechten gefaßt, dir Muth zugesprochen, und dich von einem Lictor, der in der Nähe war, an sein Denkmal führen lassen, mit den Worten, dort sey dir Heil beschieden. Da habe er, erzählt Sallustius, gleich ausgerufen, das bedeute dir eine glänzende und ruhmvolle Zurückkunft in's Vaterland, und auch dir habe der Traum Freude zu machen geschienen. 835 Ich selbst erhielt wirklich bald die Nachricht, du habest, als du vernommen, daß bei dem Denkmale des Marius durch jenen dich so hoch ehrenden Senatsbeschluß deine Rückkehr auf den Antrag des Consuls, eines edeln und mit Ruhm bedeckten Mannes, beschlossen, und dieser Beschluß von einer ausserordentlichen im Theater versammelten Volksmenge mit dem freudigsten Zuruf und Beifallklatschen gutgeheissen worden, selbst erklärt, jener Atinische Traum sey im vollesten Sinne des Worts prophetisch gewesen.Im Jahre Roms 697. Der Consul, welcher oben genannt ist, ist P. Cornelius Lentulus Spinther.

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