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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 29
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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27. Und Wer kann wohl jene beiden Träume verachten, die so häufig von den Stoikern angeführt werden? Der eine betrifft den Simonides. Dieser hatte den Leichnam eines Unbekannten liegen sehen, und ihn begraben. Als er nun einmal eine Reise zu Schiffe vorhatte, kam ihm Der, den er begraben hatte, im Traume vor, und rieth ihm, sich nicht einzuschiffen, weil er sonst Schiffbruch leiden, und umkommen würde. Da sey denn, heißt es, Simonides zurückgeblieben, die Uebrigen, die abgesegelt waren, seyen im Schiffbruch umgekommen. Der andere Traum, der ganz besonders berühmt ist, wird so erzählt. Zwei Arcadier, gute Freunde, machten einmal zusammen eine Reise, und kamen auf derselben nach Megara. Da kehrte der Eine bei einem Gastwirthe 833 ein, der Andere bei einem Gastfreunde. Nachdem Beide zu Nacht gespeist und sich zur Ruhe begeben hatten, kam es Dem, der bei dem Gastfreunde übernachtete, im Schlafe um Mitternacht vor, als bitte ihn sein Reisegefährte, er möchte ihm zu Hülfe kommen, weil der Gastwirth ihn zu ermorden vorhabe. Da sey denn Jener anfangs über den Traum erschrocken vom Schlafe aufgefahren; als er aber recht zu sich gekommen und das Traumgesicht als etwas Bedeutungsloses betrachten zu müssen geglaubt, habe er sich wieder hingelegt. Nun sey ihm derselbe Freund, als er wieder eingeschlafen, zum zweitenmale erschienen, und habe ihn gebeten, er möchte wenigstens seinen Tod nicht ungerächt lassen, da er ihm im Leben nicht zu Hülfe gekommen sey; der Wirth habe ihn wirklich ermordet, auf einen Wagen geworfen und mit Mist zugedeckt; er bitte ihn nun, früh morgens am Thore sich einzufinden, ehe noch ein Wagen zur Stadt hinaus fahre. Dieser zweite Traum habe nun Jenen aufmerksam gemacht, er habe in aller Frühe auf den Knecht mit dem Wagen gewartet, und ihn gefragt, Was er auf dem Wagen habe? Da sey der Mensch erschrocken und davon gelaufen, der Leichnam unter dem Mist hervorgezogen, und der Wirth, als die Sache dadurch an den Tag gekommen, bestraft worden.

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