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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 26
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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24. Doch zurück zu den Träumen. Von Hannibal erzählt der Geschichtschreiber CäliusEr heißt L. Cälius Antipater, und lebte um das Jahr Roms 620 im zweiten Punischen Kriege., er habe die goldene Säule, die im Tempel der Juno Lacinia stand, mit fort nehmen wollen: um sich aber zu überzeugen, ob sie von massivem Golde, oder nur übergoldet sey, habe er sie durchbohren lassen. Als es sich nun gezeigt, daß sie massiv sey, und er den Entschluß gefaßt habe, sie wirklich wegzunehmen, sey ihm Juno im Traume erschienen, und habe ihn gewarnt, es zu unterlassen, mit der Drohung, sie werde, wofern er es thue, ihn auch noch um das eine Auge bringen, mit dem er noch gut sehe. Das habe sich denn der besonnene Mann zu Gemüthe gezogen, aus dem ausgebohrten Golde ein kleines Rind gießen und oben auf die Säule stellen lassen. Folgende auch den Hannibal betreffende Anekdote steht in der Griechischen Geschichte des Silenus, an den sich Cälius hält: Es habe dem Karthagischen Feldherrn nach der Einnahme von Saguntum geträumt, er werde von Jupiter in die Versammlung der Götter gerufen. Als er sich dort 828 eingefunden, habe ihm Jupiter den Befehl ertheilt, Italien anzugreifen; zu welchem Zwecke ihm ein Führer aus der Versammlung gegeben worden. Unter dessen Leitung sey er denn mit seinem Heere vorgerückt: der Führer aber habe ihm verboten, sich umzusehen. Er habe Das aber in die Länge nicht aushalten können, sondern von Neugier hingerissen, umgeschaut. Da habe er denn ein gewaltig großes und gräßliches mit Schlangen umwundenes Ungeheuer erblickt, unter dessen Tritten Baumpflanzungen, Gebüsche und Häuser zusammenbrachen. Voll Verwunderung habe er seinen göttlichen Führer gefragt, was denn das für ein Ungethüm sey: worauf er zur Antwort erhielt, das sey die Verheerung Italiens; er solle nur ununterbrochen vorwärts gehen; was hinter ihm in seinem Rücken vorgehe, darum solle er sich nichts kümmern. Bei dem Geschichtschreiber Agathokles findet sich die Nachricht, der Karthager Hamilkar habe, als er Syrakus belagerte, im Traum eine Stimme zu hören geglaubt, die ihm zurief, er werde morgen zu Syrakus seine Mahlzeit halten. Als es Tag geworden, sey zwischen den Punischen und Sikulischen Soldaten eine heftige Entzweiung ausgebrochen. Dieß hätten die Syrakusaner bemerkt, seyen unversehens auf Hamilkar's Lager herausgestürmt, und hätten den Feldherrn selbst lebendig mit sich fortgeführt. So hat der Erfolg das Traumgesicht zur Wahrheit gemacht. Die ganze Geschichte, so wie das alltägliche Leben, ist voll von dergleichen Ereignissen. Von dem berühmten P. Decius, dem Sohne des Quintus Decius, der zuerst aus der Familie der Decier Consul war, weiß man ja, daß, wie er unter den Consuln M. Valerius 829 und A. Cornelius Kriegstribun war, und unser Heer von den Samnitern bedrängt wurde, er mit fast allzugroßer Kühnheit sich den Gefahren der Schlachten entgegenwarf; und daß er, als man ihm größere Behutsamkeit empfahl, die Aeußerung that, die wir in den Annalen aufgezeichnet lesen: es habe ihm geträumt, er werde eines höchst rühmlichen Todes mitten in den feindlichen Schlachtreihen sterben. Damals befreite er nun zwar, ohne auch nur verwundet zu werden, das Heer von der feindlichen Umzingelung. Drei Jahre darauf aber, als er Consul war, weihte er sich dem Tode, und stürzte sich mit den Waffen in der Hand in die Reihen der Latiner. Diese That hatte die Niederlage und Vernichtung des Latinerheeres zur Folge. Und wirklich war dieses Mannes Tod so rühmlich, daß sein Sohn sich dadurch angefeuert fühlte, denselben Tod zu sterben. Doch kommen wir jetzt, wenn es dir recht ist, auf die Träume der Philosophen.

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