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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 25
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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23. Nun zurück zu fremden Beispielen. Der gelehrte Heraklides von Pontus, ein Zuhörer und Schüler Plato's, 826 erzählt von der Mutter des Phalaris, es seyen ihr im Traume die von ihr selbst in ihrer Wohnung aufgestellten und geweihten Götterbilder vorgekommen; da habe sie denn den Mercurius aus der Schaale, die er in der rechten Hand hielt, Blut ausgießen sehen; und wie das Blut die Erde berührt, habe es aufgebraust, so daß das ganze Haus von Blut zu überwallen schien. Dieser Traum der Mutter ist durch die unmenschliche Grausamkeit ihres Sohnes in Erfüllung gegangen. Soll ich nun auch noch aus Dinon's Persischer Geschichte ausheben, wie die Magier dem Gründer des Perserreiches, Cyrus, seinen Traum deuteten? Er hatte im Traume die Sonne zu seinen Füßen gesehen, und nach jenem Berichte, dreimal vergebens nach ihr gegriffen, denn sie sey ihm entwischt und davongerollt. Da hätten ihm denn die Magier (das waren die Weisen und Gelehrten in Persien) gesagt: daß Cyrus dreimal nach der Sonne gegriffen, bedeute, daß er dreißig Jahre regieren werde. Und das traf zu: denn er wurde siebzig Jahre alt, und hatte mit vierzig Jahren den Thron bestiegen. Ja es liegt wahrhaftig auch in den Barbarenvölkern ein Ahnungs- und Weissagungsvermögen. Wie der Inder Calanus zum Tode ging, und den brennenden Scheiterhaufen bestieg, sagte er: Wie herrlich ist das Scheiden vom Leben, wenn nach Verbrennung des sterblichen Körpers, die Seele, wie es dem Herkules zu Theil ward, zum Lichte sich aufschwingt! Und wie dann Alexander zu ihm sagte, wenn er noch einen Wunsch habe, so solle er ihn aussprechen; erwiederte er. »Ich danke: ich sehe dich ohnedieß nächster Tage wieder.« Und das traf ein: denn wenige Tage darauf starb Alexander zu Babylon. Doch ich 827 wende mich auf einige Augenblicke von den Träumen ab, werde aber gleich auf sie zurückkommen. In der Nacht, in welcher der Dianentempel zu Ephesus abbrannte, ist bekanntlich Alexander von der Olympias geboren worden: und wie es darauf Tag geworden, riefen, wie die Geschichte einhellig meldet, die Magier laut, in der verflossenen Nacht sey die Pest und das Verderben Asiens geboren worden.

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