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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 22
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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20. Doch genug von den Orakeln: wenden wir uns zu den Träumen. Auch über sie spricht Chrysippus, und gibt eine Sammlung von einer Menge und dabei höchst unbedeutender Träume, gerade wie Antipater, die Antiphon 823 gedeutet hat; sie beweisen den Scharfsinn des Erklärers: aber seine Wahl hätte auf großartigere Beispiele fallen sollen. Der Mutter des Dionysius, des bekannten Tyrannen von Syrakus, träumte, nach dem Berichte des kenntnißreichen und genauen Philistus, der in jenem Zeitalter gelebt hat, als sie mit jenem Dionysius schwanger ging, sie habe einen jungen Satyr geboren. Die Traumdeuter (Galeoten hießen sie damals in Sicilien) erklärten, der Erzählung des Philistus zu Folge, das Kind, das sie gebären würde, werde in Griechenland höchst berühmt werden, und in langem Glücke leben. Soll ich dich in die Sagengeschichte unserer oder der Griechischen Dichter hinaufführen? Da erzählt nämlich jene Vestalin beim Ennius:Im ersten Buche seiner Annalen V, 40–56. S. die neue Ausgabe seiner Fragmente (Lips. Hahn. 1825.). S. 12–14. Diese Vestalin ist die Mutter des Romulus und Remus, Rhea Sylvia oder Ilia.

Licht bringt, zitternd an Gliedern die Alte, vom Schrecken erschüttert,
Und aus dem Schlafe geweckt. Da spricht mit Thränen die Jungfrau:
Du der Eurydica Tochter, die einst mein Vater geliebt hat,
Kraft und Leben hat, ach, mir ganz den Körper verlassen;
Siehe, ein schöner Mann hat durch liebliche Weidengebüsche,
Rasch und durch fremde Räume im Traum mich entführet: und einsam,
Schwester, Traute, sodann war mir, als irrt' ich, verlassen,
Suchte dich langsam auf, und spürte dir nach, und vermochte
Nicht dich, Ersehnte, zu finden: mein Fuß fand sicheren Pfad nicht.
D'rauf war mir, als spräche zu mir mein Vater und sagte
Folgende Worte: Du mußt, o Tochter, zuvor noch ein Unglück
824 Tragen: doch später wird aus dem Strome das Glück dir erstehen.
Also der Vater, o Schwester, und schnell dann wieder entschwand er;
Nicht mehr ließ er sich schau'n, so sehr mein Herz ihn ersehnte;
Ob ich auch vielfach die Hände zum blauen Raume des Himmels
Weinend erhob, und ihn mit schmeichelnder Stimme zurückrief.
Endlich verließ mich der Schlaf, doch es blieb mir der Kummer im Herzen.

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