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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 21
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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19. Doch verspotten wir immerhin die Haruspices, nennen wir sie eitle, windige Schwätzer; verachten wir sie, ungeachtet ihre Kunst ein höchst einsichtsvoller Mann, überdieß der Erfolg und die Thatsache für wahr erklärt hat: verachten wir auch die Babylonier, die meine ich, welche vom Caucasus aus die Gestirne beobachten, und die Bewegungen der Sterne und ihre Bahnen berechnen. Ja verurtheilen wir diese Leute als Thoren, oder als Prahler, oder als Unverschämte, welche nach ihrer Angabe in 470,000 Jahren angestellte Beobachtungen schriftlich verzeichnet haben, und nennen wir sie geradezu Lügner, die das Urtheil, das die kommenden Jahrhunderte über sie fällen werden, nicht scheuen. Immerhin seyen die Barbaren Prahler und Betrüger; wollen wir auch die Geschichte der Griechen Lügen strafen? Oder sollte Jemand nicht wissen, was der Pythische Apollo dem Crösus (um von der natürlichen Weissagung zu sprechen), den Athenern, was er den Lacedämoniern, den Tegeaten, den Argivern, was er den Korinthern geantwortet hat? Zahlllose Orakelsprüche hat Chrysippus gesammelt, keinen ohne einen gehaltvollen Gewährsmann und Zeugen; ich übergehe sie aber, weil du sie kennst. Nur Folgendes verfechte ich. Nie wäre jenes Orakel zu Delphi so vielbesucht und so berühmt geworden, noch mit so vielen Geschenken aller Völker und Könige angefüllt, hätte nicht jedes Zeitalter die Wahrheit jener Orakelsprüche erprobt. Schon lange thut es Nichts mehr der Art. So wie es nun darum gegenwärtig weniger geachtet ist, weil die Wahrheit seiner Aussprüche weniger hervorstechend ist; so wäre es damals nicht so berühmt gewesen, hätte es sich nicht durch die größte Wahrheit ausgezeichnet. Möglich, daß jene Kraft der Erde, welche die Pythia begeisterte, im Laufe der Zeit verdunstet ist; wie wir sehen, daß einiger Flüsse Quellen versiegt sind, andere einen ganz andern Lauf und eine veränderte Richtung genommen haben. Doch erkläre diese Erscheinung, wie du willst: denn diese Untersuchung läßt sich nicht so kurz abmachen: ich halte mich an Das, was sich, ohne alle geschichtliche Zuverläßigkeit umzustoßen, gar nicht läugnen läßt, daß dieses Orakel eine ganze Reihe von Jahrhunderten hindurch wahre Aussprüche von sich gegeben hat.

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