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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 19
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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17. Und sprich, wo habt ihr denn jenen Lituus her, die so berühmte Auszeichnung des Augurats? Nicht wahr, Romulus hat damit, als er die Stadt gründete, die Himmelsgegenden bezeichnet? Dieser Lituus des Romulus [ein krummer und von oben an sanft gebogener Stab, der von seiner Aehnlichkeit mit einem Krummhorn, auf dem man bläst, den Namen erhalten hat,] lag in der Curie der Salier, die auf dem Palatinischen Berge steht, und ist, als diese abbrannte, nach dem Brande unversehrt gefunden worden. Ferner, welcher alte Schriftsteller erzählt nicht, was für eine Eintheilung der Himmelsgegenden viele Jahre nach dem Romulus, unter der Regierung des Tarquinius Priscus, von dem Attius Navius durch den Lituus geschehen sey? Dieser [so lautet die Sage] hütete aus Armuth als Knabe Schweine; und als ihm eins verloren gegangen, gelobte er, wenn er es wieder bekäme, wolle er der Gottheit die größte Traube schenken, die sich im Weinberge befinde. Als er das Schwein gefunden, stellte er sich, heißt es, mitten in den Weinberg, das Gesicht gegen Mittag gekehrt; theilte den Weinberg in vier Theile ab, und als die Vögel bei dreien verneinende Zeichen gegeben, fand er (so lesen wir) im 818 vierten noch übrigen Theile der eingetheilten Gegend eine Traube von außerordentlicher Größe. Das Gerücht davon kam bald unter die Leute; alle Nachbarn erholten sich bei ihm Raths über ihre Angelegenheiten, und er gewann dadurch einen großen Namen und Berühmtheit. Dieß gab Veranlassung, daß ihn auch der König Priscus vor sich rufen ließ, und, um seine Kenntniß des Augurenwesens zu erproben, ihn fragte, ob wohl Das, was er im gegenwärtigen Augenblicke denke, möglich sey. Attius stellte sein Augurium an, und sagte darauf: Ja. Nun, sprach Tarquinius, ich habe gedacht, man könne einen Wetzstein mit einem Scheermesser abschneiden. Gut, soll Attius erwiedert haben, man versuche es einmal. Da habe man denn einen Wetzstein in das Comitium gebracht, das Scheermesser vor den Augen des Königs und des Volkes angesetzt, und ihn zerschnitten. In Folge dessen habe sich dann Tarquinius und das Volk bei ihren Angelegenheiten des Attius Navius als eines Augurs bedient. Der Wetzstein aber und das Scheermesser seyen (sagt man) im Comitium verscharrt und ein PutealEin steinernes Denkmal, von der Aehnlichkeit mit einem Brunnen so genannt. S. Wieland zu den Briefen des Horatius I, 19. Note 3. S. 314. f. darauf gesetzt. Laß uns Alles läugnen, laß uns die Jahrbücher verbrennen, laß uns das für erdichtet erklären, und eher Alles zugestehen, als daß die Götter sich um die menschlichen Angelegenheiten bekümmern: aber was sogar du selbst über den Tiberius Gracchus geschrieben hast, bestätigt Dieß nicht offenbar die Augurenkunst und die Haruspicin? Ohne es zu wissen hatte Dieser in der Einnehmung des Standpunkts bei den Auspicien gefehlt, weil er 819 ohne Befragung derselben durch das Pomörium gegangen war, und hatte doch Comitien zur Consulwahl gehaltenDas Ereigniß fällt ins Jahr Roms 591. Es ist ausführlicher erzählt in den Büchern de Nat. Deor. II, 4.. Die Sache ist bekannt und von dir selbst als historische Nachricht aufgezeichnet. Doch hat auch Tiberius Gracchus, seinerseits gleichfalls Augur, das Ansehen der Auspicien durch das Geständniß seines Irrthums bekräftigt; und andererseits haben auch die Haruspices und ihre Kunst bedeutend an Gewicht gewonnen, da sie, als kaum die Comitien vorbei waren, vor dem Senat, in welchen sie eingeführt wurden, damals gleich erklärten, der Umfrager bei den Comitien sey dazu nicht religiös ermächtigt gewesen.

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