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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 16
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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14. Aber, sagst du, bisweilen trifft das Vorausgesagte nicht eben ein. Bei welcher Kunst ist doch Dieß nicht der Fall? ich meine solche Künste, die sich in dem Gebiete der Vermuthungen und Meinungen herumdrehen. Oder ist etwa die Arzneikunde keine Kunst? und doch ist sie so vielen Täuschungen ausgesetzt. Und täuschen sich nicht auch die Steuerleute? Ist nicht das Heer der Achiver mit seinen vielen Schiffelenkern so von Ilium abgesegelt,

Daß sie, fröhlich ob der Abfahrt, auf der Fische lustig Spiel
Niederschauten (wie Pacuvius sagt),In seinem Dulorestes. S. über dieses Stück die Schrift von H. Stieglitz: De Pacuvii Duloreste: über unsere Stelle das. S. 54. f. und ihr Auge nimmer satt des Schauens ward? 813
Da, schon bei der Sonne Sinken, kräuselt sich das Meer empor,
Doppelt breitet aus sich Dunkel, schwarz von Nacht ist's und Gewölk.

Hat darum der Schiffbruch so vieler hochberühmten Heerführer und Könige die Steuermannskunst vernichtet? Oder gibt es keine Feldherrnkunst, weil neulich ein Feldherr vom ersten Range geflohen ist, und sein Heer eingebüßt hat?Pompejus, der vier Jahre vor Abfassung dieser Bücher (nämlich im Jahre Roms 706.) von Cäsar bei Pharsalus geschlagen worden war. Oder ist darum die Kunst und Weisheit der Staatsverwaltung eine Chimäre, weil sich in so Manchem Cn. Pompejus, in Einigem M. Cato verrechnete, bisweilen auch du selbst? Auf ähnliche Weise verhält es sich mit den Antworten, die die Haruspices geben, und überhaupt mit der künstlichen Weissagung: sie beruht nämlich auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen, über welche sie nicht hinaus kann. So ein Schluß täuscht vielleicht zuweilen; aber doch führt er sehr häufig auf's Wahre; denn er beruht auf einer unendlichen Reihe von Beobachtungen; und da in dieser fast unzähligemale die Ereignisse auf dieselbe Weise, auf dieselben vorangegangenen Zeichen zutrafen, so ist durch die häufige Bemerkung und Aufzeichnung derselben Erfolge eine Kunst geschaffen worden.

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