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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 132
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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71. »Allein langwierige Beobachtung [dieser eine Theil nämlich ist noch unerörtert] hat durch Aufzeichnung des Bemerkten eine Kunst geschaffen.« Wirklich? Lassen sich denn über Träume Beobachtungen anstellen? auf welche Weise? Da kommen ja zahllose Abwechselungen vor. Es läßt sich nichts so Verkehrtes, so Regelloses, so Ungeheures erdenken, was wir nicht träumen könnten. Wie können wir nun dieses Unendliche und immer Neue entweder mit dem Gedächtnisse erfassen, oder unsere Beobachtungen darüber aufzeichnen? Die Astronomen haben die Bewegungen der (sogenannten) Irrsterne aufgezeichnet. Man entdeckte nämlich bei ihrem Laufe eine vorhin nicht vermuthete Regelmäßigkeit. So nenne mir aber doch eine Regelmäßigkeit oder ein Zusammentreffen der Träume. Wie aber lassen sich die wahren Träume von den falschen unterscheiden, da dieselben Träume bei den Einen diesen, bei Andern jenen Erfolg haben, und bei denselben Menschen nicht immer den gleichen? Um so seltsamer kommt es mir vor, da wir einem Lügner nicht einmal glauben, wenn er auch (einmal) die Wahrheit spricht, daß Jene [die Stoiker], wenn irgend einmal ein Traum eingetroffen ist, nicht wegen der vielen (nicht eingetroffenen) dem einen den Glauben versagen, als aus einem (eingetroffenen) auf die Glaubhaftigkeit der zahllosen andern schließen. Wenn also weder die Gottheit die Träume veranlaßt, noch zwischen ihnen und 977 der Natur ein Zusammenhang Statt findet, noch durch Beobachtung eine wissenschaftliche Erkenntniß zu gewinnen war, so ist erwiesen, daß auf Träume gar nicht zu achten ist. Besonders da gerade Die, welchen sie vorkommen, Nichts weissagen; Die, welche sie deuten, auf Vermuthungen, nicht auf Naturgründe, bauen, der Zufall aber in fast unzähligen Jahrhunderten in Allem mehr Wunderbares, als in den Traumgesichten, hervorgebracht hat; und endlich es nichts Ungewisseres gibt, als die Vermuthung, die sich auf mancherlei, oft auch auf ganz entgegengesetzte Seiten wenden läßt.

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