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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 121
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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60. Doch das Bisherige mag von der Oberfläche geschöpft seyn; laß uns jetzt tiefer eindringen. Es ist entweder eine göttliche Kraft, die für uns sorgend die Andeutungen durch Träume gibt, oder die Ausleger verstehen zu Folge einer gewissen Harmonie und Verbindung der Natur, welche sie Sympathie nennen, was vermöge der Träume jeder Sache zukomme und jede begleite; oder es findet Kein's von beiden Statt, sondern man hat durch lange und fortgesetzte 964 Beobachtung herausgebracht, was auf jedes bestimmte Traumgesicht sich zu ereignen und zu folgen pflege. Zuerst nun muß man sich überzeugen, daß keine göttliche Kraft die Träume hervorbringe. Da ist denn zuerst Das einleuchtend, daß keine Traumgesichte durch unmittelbare Einwirkung der Götter veranlaßt werden, denn die Götter würden Dieß offenbar um unsertwillen veranstalten, damit wir für die Zukunft Maßregeln nehmen könnten. Nun aber frage ich: unter wie Vielen ist auch nur Einer, der auf Träume etwas gibt? der sie versteht? der sich ihrer annimmt? Wie Viele dagegen, die sie gar nicht beachten, und den Glauben daran für einen Beweis von Schwachköpfigkeit und altweibischem Wesen ansehen? Warum sollte nun die Gottheit diese Menschen berücksichtigend sie durch Träume warnen, da sie die Träume nicht nur keiner Beachtung, sondern nicht einmal der Erinnerung für würdig halten? Denn unbekannt kann es ihr doch nicht seyn, wie Jeder gesinnt ist, und Etwas vergebens und zwecklos thun, ist der Gottheit nicht würdig, da schon ein Mensch von Charakter ein solches Verfahren verschmäht. Wenn also die meisten Träume entweder vergessen oder vernachläßigt werden, so weiß Dieß entweder Gott nicht, oder er bedient sich der Andeutung durch Träume vergebens. Aber beides widerspricht der Idee eines Gottes. Man muß also zugestehen, daß durch die Träume von Gott Nichts angedeutet werde.

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