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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 119
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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58. Ein ähnlicher Irrthum findet bei den Träumen Statt. Wie weit hergeholt ist nicht ihre Vertheidigung. Unsere Seelen, behaupten sie, seyen göttlich und von aussen in uns gekommen, und die Welt sey mit einer Menge übereinstimmender [harmonirender] Seelen angefüllt. Durch diese theils ursprüngliche Göttlichkeit der Seele selbst, und durch 961 die Verbindung mit den äussern Seelen werde nun erschaut, was künftig sey. Es ziehe sich aber, sagt Zeno, die Seele zusammen und sinke und falle (in sich) zusammen, und das eben sey schlafen. Pythagoras aber und Plato, gewichtvolle Vorgänger, geben die Vorschrift, man soll, um im Schlafe zuverläßigere Traumgesichte zu erblicken, durch eine bestimmte Leibespflege und Nahrung vorbereitet, sich zum Schlafen begeben. Der Bohnen enthielten sich die Pythagoräer gänzlich, als ob diese Speise in der Seele, und nicht im Unterleibe Blähungen bewirkte. Aber (so seltsam es ist, so wahr ist es) es läßt sich wirklich nichts so Abgeschmacktes sagen, das nicht von irgend einem Philosophen behauptet würde. Nehmen wir also an, die Seelen der Schlafenden werden im Träumen durch sich selbst in Bewegung gesetzt, oder, wie Democritus behauptet, durch einen von aussen kommenden Anstoß angeregt? Sey es nun auf diese oder jene Weise, es kann den Träumenden gar viel Falsches als Wahres vorkommen. Denn auch den Schiffenden scheint sich Das zu bewegen, was fest steht, und wenn man die Augen auf eine gewisse Weise stellt, sieht man in einer Laterne zwei Lichter, statt eines. Was brauche ich noch anzuführen, wie Vieles den Wahnsinnigen, wie Vieles den Trunkenen falsch erscheint? Ist nun solchen den Augen vorkommenden Dingen nicht zu trauen, so begreife ich nicht, warum man Träumen Glauben schenken soll. Denn wenn man will, kann man bei jenen Irrthümern so gut wie bei Träumen philosophiren; z. B. wenn sich Etwas, das steht, zu bewegen scheint, kann man daraus ein Erdbeben oder eine plötzliche Flucht prophezeien; und, wenn man das Licht in einer Laterne doppelt sieht, Zwiespalt und Aufruhr weissagen.

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