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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 115
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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54. Was für eine Gewährleistung hat aber jene Raserei, die ihr eine göttliche [weissagerische] nennt, so daß, was ein Weiser nicht sieht, ein Verrückter sehen soll, und Der, welcher den Menschensinn verloren hat, einen göttlichen bekommen habe? Vor den Versen der Sibylle haben wir Achtung, die sie im Wahnsinn ausgesprochen haben soll. Ihr Ausleger sollte ja neulich (einem falschen Gerüchte zu Folge) im Senat haben sagen wollen: »wenn wir gerettet seyn [nicht zu Grunde gehen] wollten, so müßten wir Den, den wir wirklich zum Könige hätten, auch König nennen.Jener Ausleger hieß L. Cotta, S. Sueton im Cäsar C. 79. Steht Dieß in den (Sibyllinischen) Büchern; auf welche Menschen und aus welche Zeit geht es? denn Der, welcher jene Weissagungen abgefaßt hat, hat, schlau genug, durchaus Namen und Zeiten weggelassen, damit Alles, was nur immer geschehe, prophezeit scheinen möchte. Dazu bediente er sich noch des Kunstgriffes der Dunkelheit, so daß man denken muß, es 956 lassen sich dieselben Verse unter andern Umständen einem andern Ereignisse anpassen. Daß aber das Gedicht selbst kein Werk eines Rasenden ist, zeigt sowohl das Gedicht an sich [denn es blickt mehr Kunst und Sorgfalt, als Begeisterung und innere Bewegung daraus hervor], als auch besonders die (Künstelei mit) der sogenannten Akrostichis, wenn nach der Reihe aus den ersten Buchstaben der Zeilen ein Sinn herauskommt, wie bei einigen von Ennius verfaßten Gedichten. So etwas ist offenbar mehr Produkt der Besonnenheit, als der begeisterten Wuth. In den Sibyllinischen Büchern ist wirklich mit dem ersten Verse jeder Sentenz die Reihe der ersten Buchstaben derselben Sentenz bis zum Ende verbrämt. So macht es Einer, der seine Gedichte (mit kleinlicher Künstlichkeit) aufschreibt, nicht ein Verrückter. Lassen wir also die Sibylle ruhen und schlafen, so daß ihre Bücher, wie es von unsern Vorfahren hergebracht ist, ohne Befehl des Senats nicht einmal gelesen werden; mögen sie noch gelten als ein (obwohl verschollenes) religiöses Vermächtniß, aber nicht um uns dort religiöse Verpflichtungen und Aussprüche zu holen. Laß uns die Bewahrer (dieser heiligen Reliquien) angehen, daß sie eher alles Andere aus jenen Büchern zu Tage fördern, als einen König, den fernerhin weder Götter noch Menschen zu Rom dulden mögen.

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