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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 108
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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47. Siehst du, daß ich nicht Das sage, was Carneades, sondern was Einer der vorzüglichsten Stoiker, Panätius, gesagt hat? Ich füge aber auch noch die Frage bei, ob wohl Alle, die in der Schlacht bei Cannä fielen, unter Einer Constellation geboren worden sind? Das Ende wenigstens war bei dem Einen wie bei dem Andern. Und sind etwa die an Talent und Gemüthsart ganz Ausgezeichneten auch unter gleichem Gestirn geboren? Vergeht denn eine Zeit, in der nicht Unzählige geboren werden? Und doch gibt es wahrhaftig keinen zweiten Homer. Und wenn es darauf ankommt, bei welcher Beschaffenheit des Himmels und Stellung der Gestirne jedes lebende Wesen entstehe, so muß Dieß doch nothwendig auch bei leblosen Dingen gelten. Gibt es aber eine abgeschmacktere 948 Behauptung als diese? Freilich, mein guter Freund, L. Tarutius Firmanus, der besonders in den Chaldäischen Rechnungen sehr bewandert war, rechnete auch den Geburtstag unserer Stadt von dem PalesfesteDas Fest der Hirtengöttin Pales im April. her, an welchem sie der Sage nach von Romulus gegründet seyn soll, und sagte, Rom sey geboren, als der Mond im Zeichen der Wage war, woraus er denn unbedenklich die Schicksale der Stadt prophezeien zu können glaubte. Was für Kraft haben nicht verkehrte Ansichten! Also auch der Geburtstag einer Stadt fällt in den Kreis des Einflusses der Gestirne und des Mondes? Angenommen, es komme bei einem Kinde darauf an, bei welcher Beschaffenheit des Himmels es den ersten Athemzug gethan; konnte Das auch eine Wirkung haben auf den Ziegelstein oder auf den Mörtel, die bei'm Bau der Stadt gebraucht wurden? Doch was bedarf's Weiteres, da jeder Tag sie widerlegt? Wie oft wurde (ich erinnere mich's wohl) dem Pompejus, wie oft dem Crassus, wie oft gerade dem Cäsar von den Chaldäern geweissagt, Keiner von ihnen werde anders, als in den Greisenjahren, als zu Hause, als im Genusse seines Ruhmes sterben! so daß ich es wirklich höchst wunderbar finde, daß sich nur noch ein Mensch findet, welcher Leuten glaubt, deren Weissagungen er täglich durch That und Erfolg widerlegt sieht.

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