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Von der Weissagung

Marcus Tullius Cicero: Von der Weissagung - Kapitel 103
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVon der Weissagung
pages789-979
created20080518
sendergerd.bouillon@t-online.de
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42. Wir gehen zu den Erscheinungen der Chaldäer über, von welchen Eudoxus, ein Zuhörer des Plato, ein Mann, der nach dem Urtheile der Kenner vom ersten Range in der Sternkunde schwerlich seines Gleichen hatte, die Ansicht hatte, die er auch schriftlich hinterließ: die Chaldäer verdienen mit ihrer aus dem Geburtstage eines Menschen berechneten Prophezeiung und Angabe seines Lebensgeschickes gar keinen Glauben. Namentlich sagt auch Panätius, der einzige Stoiker, der die Prophezeiungen der Astrologen verworfen hat, vom Archelaus und Cassander, den größten Astrologen seiner Zeit, sie hätten sich in allen übrigen Theilen der Sternkunde ausgezeichnet, aber von dieser Art der Weissagung nie Gebrauch gemacht. Auch Skylar von Halicarnassus, ein vertrauter Freund des Panätius, dabei ein in der Sternkunde ausgezeichneter Mann, der zugleich an der Spitze der Verwaltung in seinem Vaterlande stand, verwarf das ganze Chaldäische Weissagungswesen. Doch, um methodisch zu verfahren und nach Gründen, wollen wir mit 942 Beiseitsetzung der Zeugen, die Beweisführung Derjenigen vornehmen, welche die Nativitätstellerei der Chaldäer in Schutz nehmen.

Es sey, sagen sie, in dem Gestirnkreise, der Griechisch Zodiacus heißt, eine Kraft, vermöge welcher jeder Theil dieses Kreises, jeder auf eigene Weise, die Bewegung des Himmels veranlasse und bestimme, je nachdem jeder Stern zu jeder bestimmten Zeit zwischen ihnen und den benachbarten Theilen stehe, und diese Kraft werde wieder auf manchfache Weise durch diejenigen Sterne modificirt, welche Irrsterne heissen. Wenn sie aber gerade in den Theil des Kreises kommen, in welchen die Entstehung Desjenigen falle, der geboren wird, oder in den, welcher in einem Verhältnisse mit ihnen oder einer Art von Verwandtschaft steht, so nennen sie das Gedrittscheine und Geviertscheine.Man setze, ein Mensch sey in einem gewissen Zeichen des Thierkreises, z. B. im Sternbilde des Widders, geboren, und der Planet Jupiter stände dann im Löwen, so würde derselbe um den dritten Theil des ganzen Kreises von dem Widder entfernt (Gedrittschein); stände er im Krebs, so wäre die Entfernung so viel als der vierte Theil des Kreises (Geviertschein). Denn da die so bedeutenden Abwechslungen und Veränderungen der Jahrszeiten und der Lufttemperatur durch das Zusammen- und Auseinanderrücken der Sterne bewirkt werden, und da durch den Einfluß der Sonne Das geschieht, was wir gewahr werden, so betrachten sie es nicht blos als wahrscheinlich, sondern als gewiß, daß, je nach Beschaffenheit der Lufttemperatur die Kinder bei ihrem Entstehen eine Seele und 943 Gestaltung bekommen, und sich dem zu Folge, die Anlagen, der Character, die Gemüthsart, der Körper, die Lebensführung und Alles, was ihnen Schlimmes und Gutes widerfährt, entfalte.

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