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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 20
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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18. Chrysippus aber, da er einerseits die Nothwendigkeit verwarf, andererseits jedoch nicht annehmen wollte, daß Etwas ohne vorausgesetzte Ursache geschehe, macht einen Unterschied unter den Arten der Ursachen, um auf der einen Seite der Nothwendigkeit zu entgehen, auf der andern das Schicksal beizubehalten. Er sagt nämlich: »von den Ursachen sind die einen vollkommene und hauptsächliche,Besser wäre: »urgrundliche« wenn das Wort gebräuchlich wäre. Oder nennen wir diese »Grundursachen,« die andern »Nebenursachen.« die andern unterstüzende und nächste. Wenn wir deswegen sagen, es geschehe Alles dem Schicksal zu Folge nach vorangegangenen Ursachen, so wollen wir damit nicht sagen: nach vollkommenen und hauptsächlichen Ursachen, sondern weil unterstützende und nächste vorausgehen. Demnach begegnet er jener Folgerung, die ich kurz zuvor (als einen Schluß) aufgeführt habe, auf folgende Weise: »Wenn Alles dem Schicksal zu Folge geschieht, so folgt zwar, daß Alles nach vorausgesetzten Ursachen geschehe, allein nicht nach hauptsächlichen und vollkommenen, sondern nach unterstützenden und nächsten. Sind nun selbst diese nicht in unserer Gewalt, so folgt (doch noch) 1012 nicht, daß nicht einmal die Neigung in unserer Gewalt sey. Dieß würde aber folgen, wenn wir annähmen, es geschehe Alles in Folge vollkommener und hauptsächlicher Ursachen, so daß, da diese Ursachen nicht in unserer Gewalt wären, auch die Neigung [das Begehren] nicht in unserer Gewalt wäre. Gegen Diejenigen also, welche das Schicksal in der Weise gelten lassen, daß sie die Nothwendigkeit daran anschließen, wird jene Schlußfolge gelten müssen. Die aber, welche die vorangehenden Ursachen für keine vollkommenen und hauptsächlichen erklären, werden jene Folgerung anzunehmen nicht genöthigt seyn. Denn daß man sagt, die Beistimmungen geschehen nach vorausgesetzten Ursachen, wie Dieß zu nehmen sey, darüber glaubt er leicht sich befriedigend (erklären) zu können. Denn wiewohl die Beistimmung nicht möglich sey, ohne Veranlassung durch einen sinnlichen Eindruck, so hat es damit, da dieser Eindruck nur eine nächste und keine hauptsächliche Ursache hat, doch die Bewandtniß, wie Chrysippus behauptet, die wir längst angegeben haben, nicht, daß jene (Beistimmung) möglich sey, ohne durch einen Einfluß von aussen angeregt zu seyn [denn die Beistimmung muß durch einen Sinneneindruck erregt werden], sondern er kommt auf seinen Cylinder und Kreisel zurück, welche ohne einen Anstoß von aussen nicht anfangen können sich zu bewegen; ist aber der Anstoß einmal gegeben, so glaubt er, daß weiterhin durch seine eigene Natur der Cylinder sich wälze und der Kreisel sich drehe.

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