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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 18
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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1008 16. Sie nehmen aber einen Unterschied an, ob Etwas von der Art sey, daß ohne dasselbe ein Anderes nicht bewirkt werden könne, oder von der Art, daß ein Anderes nothwendig dadurch bewirkt werde. Kein's von jenen Dingen ist folglich Ursache, weil keines durch eigene Wirksamkeit Dasjenige hervorbringt, als dessen Ursache es angegeben wird; auch ist (überhaupt) Das, ohne welches Etwas nicht geschehen kann, nicht dessen Ursache; sondern Das, was durch seinen Zutritt Dasjenige, dessen Ursache es ist, nothwendig bewirkt. Denn als PhiloktetesAuf der Fahrt der Griechen gegen Troja. Sein Leiden, und wie er von Lemnos weg nach Troja geholt wurde, ist Gegenstand einer Tragödie des Sophocles. das durch den Biß der Schlange verursachte Geschwür noch nicht hatte, was lag in der Natur für eine Ursache, daß er auf der Insel Lemnos zurückgelassen werden sollte? Später aber trat eine nähere und mit dem Erfolg enger verbundene Ursache ein. Die Art und Weise des Erfolges legte also hier die Ursache an den Tag. Allein es war (darum doch) der Satz von Ewigkeit wahr: »Philoktetes wird auf der Insel zurückgelassen werden;« und Das ließe aus einem Wahren sich nicht in ein Nichtwahres verwandeln. Denn es muß nothwendig von zwei entgegengesetzten Dingen [entgegengesetzt aber nenne ich hier diejenigen, von denen das eine Etwas bejaht, das andere (es) verneint] also von diesen muß nothwendig, Epicurus mag sich sträuben wie er will, das Eine wahr, das Andere falsch seyn. So war denn der Satz: »Philoktetes wird verwundet 1009 werden,« alle Jahrhunderte zuvor wahr, und der: »er wird nicht verwundet werden,« falsch. Wir müßten nur etwa dem Wahne der Epicuräer zugethan seyn, welche behaupten, dergleichen Sätze seyen weder wahr noch falsch; oder wenn sie sich Das (zu behaupten) schämen, doch folgendes (im Grunde) noch Unverschämtere sagen: »von entgegengesetzten Dingen seyen die Entgegensetzungen wahr, allein was in ihnen ausgesprochen sey, von dem sey das Eine so wenig wahr, als das Andere.« Das nenne ich eine wunderliche Anmaßung, und eine beklagenswerthe Unkenntniß der Denkgesetze. Denn wenn irgend etwas Ausgesprochenes weder wahr noch falsch ist, so ist es doch wenigstens gewiß nicht wahr. Was aber nicht wahr ist, wie ist denn möglich, daß Dieß nicht falsch sey? oder was nicht falsch ist, wie ist möglich, daß Dieß nicht wahr sey? Es muß also der Satz fest stehen, der von Chrysippus vertheidigt wird: daß jeder ausgesprochene Satz entweder wahr oder falsch sey; unsere Vernunft aber nöthigt uns anzunehmen, sowohl daß einige Dinge von Ewigkeit her wahr seyen, als auch, daß sie nicht durch eine ewige Verkettung von Ursachen an einander hangen und von der Nothwendigkeit des Schicksals frei seyen.

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