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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 17
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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15. Wenn es deswegen sich mit den Grundsätzen der Stoiker, welche behaupten, es geschehe Alles dem Verhängnisse zu Folge, wirklich verträgt, dergleichen Orakelsprüche, und dem Uebrigen, was angeblich zur Weissagung gehört, Glauben beizumessen; Diejenigen aber, welche, was zukünftig ist [geschehen wird], für von Ewigkeit her wahr erklären, nicht Dasselbe sagen dürfen, so möchte ihre Sache doch wohl eine ganz andere seyn, als die der Stoiker. Denn Diese sind in engere Schranken gebannt; Jene können unbeschränkter und freier folgern. Gibt man zu, es könne sich Nichts ereignen, außer in Folge einer vorangegangenen Ursache: was gewinnt man, wenn man sagt, es hange diese Ursache nicht mit einer ewigen Verkettung von Ursachen zusammen? Eine Ursache aber ist Das, was Dasjenige bewirkt, wovon es Ursache ist; z. B. eine Wunde (Ursache) des Todes, Unverdaulichkeit 1007 (Ursache) einer Krankheit, Feuer (Ursache) einer Entzündung. Man muß also, wenn von einer Ursache die Rede ist, sich die Sache nicht so denken, als sey Das, was jedem Ereignisse vorausgeht, dessen Ursache, sondern Das, was ihm, es bewirkend, vorangeht; und daß (z. B.) nicht (der Umstand), daß ich mich auf das Marsfeld begab, Ursache gewesen sey, warum ich Ball spielte; auch nicht, daß Hecuba die Ursache des Unterganges für die Trojaner gewesen, weil sie den AlexanderSein gewöhnlicherer Name ist Paris. geboren hat, auch nicht Tyndareus (Ursache des Unterganges) für den Agamemnon, weil er die Clytämnestra erzeugte. Denn dürfte man so schließen, so wäre auch ein gut gekleideter Wanderer Ursache für einen Straßenräuber, daß dieser ihn ausplünderte. Und in diesem Sinne heißt es auch in der bekannten Stelle bei Ennius:Aus Dessen Medea, deren Bruchstücke besonders herausgegeben sind von H. Planck (4. Götting.1807.). Er meint das Holz, aus dem die Argo (zum Argonautenzuge) gezimmert wurde. Es spricht eine Dienerin der Medea.

O wäre nicht im Pelischen Hain vom Aexteschlag
Gefällt zum Boden hingestreckt der Tannenstamm!

Er konnte auch noch weiter ausholen. »O wäre auf dem Pelios nie ein Baum gewachsen!« oder noch weiter: »O gäbe es doch keinen Berg Pelios!« und so könnte man, immer auf etwas Früheres kommend, in's Unendliche zurückgehen:

Und hätt' ein Schiff daraus zu zimmern nie man doch
Begonnen   —   —

Wozu das Bisherige? Weil dann darauf folgt:

Nicht trät' im Wahnsinn meine Herrin aus dem Haus,
Medea, herzkrank, blutend von der Liebe Pfeil.

Als ob jene Dinge Ursachen der Liebe herbeiführten!

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