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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 16
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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1005 14. Carneades sprach sich gegen dieses ganze Verfahren tadelnd aus, und hatte die Ansicht, diese ganze Folgerungsweise sey allzu übereilt. Er suchte der Wahrheit also auf einem andern Wege beizukommen, ohne alle Verdrehung, und schloß auf folgende Weise: »Geschieht Alles vorangegangenen Ursachen zu Folge, so geschieht Alles auf eine durch natürlichen Zusammenhang verknüpfte und verbundene Weise. Ist Dieß so, so wird Alles durch die Nothwendigkeit bewirkt; und ist Dieß wahr, so steht Nichts in unserer Macht. Es steht aber Etwas in unserer Macht. Allein wenn alles in Folge des Verhängnisses geschieht, so geschieht auch Alles zu Folge vorangegangener Ursachen. Es geschieht also nicht Alles, was geschieht, dem Verhängniß [Schicksal] zu Folge. Eine strengere Schlußfolge läßt sich nicht machen. Denn wollte es Einer umdrehen und erwiedern: »Wenn alles Künftige von Ewigkeit her wahr ist, so daß es wirklich so erfolgen muß, wie es sich ereignen wird, so ist nothwendig, daß Alles auf eine durch natürlichen Zusammenhang verknüpfte und verbundene Weise geschehe,« Der würde damit Nichts sagen. Denn es ist ein großer Unterschied, ob eine Naturursache das von Ewigkeit zu geschehen Bestimmte wahr mache, oder ob, auch ohne von Natur bestimmte ewige Nothwendigkeit, sich begreifen lasse, daß, was zukünftig sey, wahr sey. Darum sagte Carneades, selbst Apollo könne nicht sagen, es werde sich Etwas zutragen, ausser solche Ereignisse, deren Ursachen so in der Natur liegen, daß sie nothwendig geschehen müssen. Denn auf Was blickend [in welcher Hinsicht] könnte denn der Gott selbst sagen, Marcellus (ich meine Den, der dreimal Consul war) werde im Meere 1006 umkommen?Dieß begegnete ihm im J. Roms 605. auf einer Gesandtschaftsreise an den Masinissa nach Afrika. Es war Dieß nämlich von Ewigkeit her wahr, ohne daß (ewige) Ursachen, die es bewirkten, Statt fanden. So glaubte er auch, selbst das Vergangene, von dem keine Zeichen, gleichsam als Spuren, mehr vorhanden wären, sey dem Apollo nicht bekannt; um wie viel weniger das Künftige. Denn erst, wenn man die jedes Ereigniß bewirkenden Ursachen kenne, könne man wissen, Was geschehen werde. Also habe auch Apollo nicht einmal vom Oedipus voraussagen können, wofern nicht die Ursachen davon zuvor in der Natur gelegen wären, daß sein Vater von ihm getödtet werden müsse, noch sonst Etwas dergleichen.

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