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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 15
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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13. Mit Recht hat man diese Schlußform den faulen und trägen Schluß genannt; denn mit derselben Folgerungsweise läßt sich alles Handeln aus dem Leben verbannen. Man kann ihr aber auch eine andere Form geben, wobei man das Wort Verhängniß [Schicksal] gar nicht zu setzen braucht, und doch denselben Satz herausbringt; nämlich so: Ist von Ewigkeit der Satz wahr gewesen, »du wirst von dieser Krankheit genesen,« so magst du einen Arzt zuziehen oder nicht, du wirst genesen. Ferner: Wenn von Ewigkeit her der Satz falsch gewesen ist, »du wirst von dieser Krankheit genesen;« so magst du einen Arzt zuziehen oder nicht, du wirst nicht genesen. Und so weiter. Diese Folgerungsweise wird vom Chrysippus getadelt. »Es gibt nämlich, sagt er, in den Dingen [Begebenheiten auf der Welt] einige, die einfach, andere, die zusammengesetzt sind. Einfach ist: ›An diesem Tage wird Socrates sterben.‹ Diesem ist, er mag Etwas thun oder nicht, der Todestag bestimmt. Aber wenn der Spruch des Schicksals so lautet: ›Dem LaïusLaïus, König von Thebä, von Apollo gewarnt, keinen Sohn zu erzeugen, weil Dieser ihn tödten würde, erzeugte dennoch mit seiner Gemahlin Jokaste den Oedipus. Ungeachtet er ihn aussetzte, wurde der Knabe doch erhalten, tödtete später hin seinen Vater Laïus, den er nicht kannte, bei einem Streit über das Ausweichen in einem Hohlwege, und heirathete darauf, auch ohne sie zu kennen, Dessen Witwe, seine eigene Mutter. Durch diese unbewußten Frevel, und den Bruderhaß der von ihm mit seiner Mutter erzeugten Söhne, Eteocles und Polynikes, ging späterhin das ganze Königshaus zu Grunde. wird Oedipus 1004 geboren werden;‹ so wird nicht gesagt werden können: ›es mag nun Laïus einem Weibe beiwohnen oder nicht;‹ denn Dieß hängt mit dem Vorigen nothwendig zusammen, und ist Jenes verhängt, so auch Dieses, oder es ist mitverhängt;« so nennt er es nämlich, weil es verhängt ist, daß Laïus seiner Gemahlin beiwohnen werde, und daß er mit ihr den Oedipus zeugen werde. Gleicherweise, wenn ausgesprochen wäre: »MiloEin berühmter Athlet aus Croton in Unteritalien, um's Jahr Roms 220. wird bei den Olympischen Spielen ringen;« und es würde Einer erwiedern: »er wird also ringen, er mag einen Gegner oder keinen haben,« Der würde irren. Denn der Ausspruch: »er wird ringen,« enthält etwas Zusammengesetztes, weil ein Ringen ohne einen Gegner nicht Statt finden kann. Demnach lassen sich alle dergleichen Trugschlüsse auf dieselbe Weise widerlegen. Es ist ein Trugschluß, zu sagen: »Du wirst genesen, du magst einen Arzt zuziehen oder nicht.« Denn es ist eben so gut verhängt, daß du einen Arzt brauchest, als daß du genesest. Dergleichen nennt er, wie gesagt. mitverhängt.

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