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Vom Schicksal

Marcus Tullius Cicero: Vom Schicksal - Kapitel 14
Quellenangabe
typetractate
booktitleMarcus Tullius Ciceros Werke, Siebentes Bändchen
authorMarcus Tullius Cicero
year1828
translatorDr. Georg Heinrich Moser
publisherVerlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleVom Schicksal
pages980-1016
created20080519
sendergerd.bouillon@t-online.de
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12. Der ganze Streit ist abgethan, in so fern man dir zugeben muß (daß nur zwei Fälle möglich seyen), daß entweder Alles zu Folge des Schicksals geschehe, oder daß Etwas ohne Ursache geschehen könne. Kann folgender Satz: »Scipio wird NumantiaStadt in Spanien, nach langer Gegenwehr von dem jüngern Scipio Africanus um J. Roms 620. erobert und zerstört. erobern,« anders wahr seyn, ausser wenn von Ewigkeit her Ursachen, die immer wieder neue Ursachen veranlassen, es bewirken? Hätte Dieß falsch 1002 seyn können, wenn es eine lange Reihe von Jahrhunderten wäre vorausgesagt worden? Und [wirklich] wäre damals der Satz: »Scipio wird Numantia erobern,« nicht wahr gewesen, so wäre selbst nach Zerstörung dieser Stadt der Satz: »Scipio hat Numantia erobert,« nicht wahr. Kann also Etwas geschehen seyn, dessen künftiges Geschehen nicht (zum Voraus) wahr gewesen ist? Denn so wie wir dasjenige Vergangene wahr nennen, dessen Bevorstehen in früherer Zeit wahr gewesen ist, so nennen wir das Künftige wahr, dessen Bevorstehen in der kommenden Zeit wahr seyn wird. Und wenn jeder ausgesprochene Satz entweder wahr oder falsch ist, so folgt daraus noch nicht gleich, daß unveränderliche und gar ewige Ursachen Statt finden, welche es verhindern, daß irgend Etwas sich anders ereigne, als es sich ereignen werde [sich zu ereignen bestimmt sey]. Zufällig sind die Ursachen, welche bewirken, daß Das mit Wahrheit gesprochen wird, was so ausgesprochen werden wird: »Cato wird in den Senat kommen,« nicht aber liegen sie in der Natur der Dinge und der Welt. Und dennoch ist es eben so unabänderlich, daß er kommen werde, wenn es wahr ist, als daß er gekommen sey, man braucht aber deßwegen doch kein Schicksal und keine Nothwendigkeit zu fürchten. Man wird nämlich [nur] gestehen müssen: Wenn der Satz, »Hortensius wird auf das tusculanische Landgut kommen,« nicht wahr ist, so folgt, daß er falsch ist. Jene dagegen wollen kein's von beiden gelten lassen, was eine baare Unmöglichkeit ist. Auch wird uns jene Schlußweise, die man den faulen Schluß nennt, nicht im Wege stehen. Es gibt nämlich eine Folgerungsweise, welche die Philosophen den faulen Schluß [αργὸς λόγος] nennen, 1003 dem zu Folge wir in unserem ganzen Leben schlechterdings Nichts thun dürften. Jene Schlußweise ist aber folgende: »Ist es über dich verhängt, von dieser Krankheit zu genesen, so magst du einen Arzt beiziehen oder nicht, du wirst genesen.« Ferner: »ist es über dich verhängt, von dieser Krankheit nicht zu genesen, so magst du einen Arzt beiziehen oder nicht, du wirst nicht genesen.« Das Eine aber oder das Andere ist vom Schicksal verhängt; folglich ist es zwecklos, einen Arzt zu gebrauchen.

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